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12.02.2008

Albert Sellu Garber aus Sierra Leone

"Achieving my goals"

Maja Beckers
Albert Sellu Garber
Albert Sellu Garber
Albert klingt nach einem deutschen Namen. Alberts Zukunft in Deutschland hat jedoch erst vor 3 Monaten begonnen. Im Oktober 2007 ist der schlanke 22jährige aus Sierra Leone nach Berlin gekommen. Er spricht Englisch mit mir, aber auch seine Deutschkenntnisse sind für die kurze Zeit beeindruckend, schließich hat er ja "noch viel vor". Albert Sellu
Garber, der aus einem der ärmsten Länder der Welt kommt, ist äußerst ehrgeizig.
Seine Entscheidung nach Deutschland zu kommen, beruhte auf den Überlegungen, wo er am besten studieren könnte. "Ich habe mich gefragt, ob England, Amerika oder Deutschland. Und hier in Deutschland habe ich einfach die besten Möglichkeiten auf Bildung. Die technologische Entwicklung ist ganz vorn, Deutschland hat bei uns einen guten Ruf." Dieser Ruf und ein Freund in Deutschland haben ihn so überzeugt, dass er ein Land, dessen Sprache er erst neu lernen muss, einem englischsprachigen vorzieht. Aber Albert scheut keine Mühen. Albert hat große Ziele. Er möchte Medizin studieren oder Biochemie und hier in Deutschland forschen und arbeiten. "Dann gebe ich der Gesellschaft ja auch etwas zurück", scheint er sich fast ein wenig rechtfertigen zu wollen.

Auf die Frage, ob er sich hier als Außenstehender oder als Aufgenommener fühlt, antwortet er entschieden: "Ich fühle mich hier sehr willkommen, alle sind sehr nett zu mir." Natürlich habe man ihm bei seiner Wohnungssuche von bestimmten Vierteln abgeraten, "'Geh' nicht nach Lichtenberg' haben sie gesagt, 'da gibt es viele Rassisten'." Aber Albert beeilt sich richtigzustellen, dass er das keinesfalls für ein deutsches
Problem hält: "Rassisten gibt es überall. Selbst bei uns in Afrika".

Es gibt allerdings Dinge, über die er sich gewundert hat, hier in Berlin. "Dieser ausgeflippte Style. Besonders mit Piercings und Tattoos! Das ist doch bestimmt schlecht für die Haut. Ich bin in anderen Verhältnissen und sehr christlich erzogen worden - ich kann nicht
verstehen, warum man seiner eigenen Gesundheit zugunsten des Aussehens
schaden sollte."

Im Großen und Ganzen sei Deutschland aber so, wie er es sich vorgestellt hatte. Albert ist da aber auch sehr genügsam: „Ich bin ein Mensch, der lieber weniger erwartet, dann kann man nur positiv überrascht werden." Und das Wichtigste für ihn im Moment, seine beruflichen Ziele, könne er hier alle erreichen, schwärmt er. Seine Augen leuchten wie die eines kleinen Jungen vor einem riesigen Eisbecher, der sich fest vorgenommen
hat, diesen auch auszulöffeln. Dass das nicht immer so einfach ist, scheint er vollkommen verdrängt zu haben. Sein Plan steht: jeden Tag Intensiv-Deutschkurs, ab Juli dann ein Studienkolleg, wo er innnerhalb eines Jahres sein Abitur nachholen kann, dann ein Studium, das selbst für Muttersprachler knochenhart ist. Aber wenn er diese Portion Ehrgeiz und Vorfreude behält, schafft er es vielleicht wirklich.

Doch dafür musste er viel zurücklassen. Seine Freunde und Familie fehlen ihm, afrikanisches Essen, die Sonne und einfach die afrikanische Lebensart. Hier sei doch alles ein wenig kälter, die Leute reservierter. Vor allem Altenheime haben ihn schockiert: "In Afrika leben wir viel mehr in einer Gemeinschaft", sagt er, "wenn wir jemanden einen Tag lang nicht sehen, machen wir uns Sorgen und besuchen ihn."

Seine Heimatstadt Bo ist mit 200.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt in Sierra Leone. Das kleine Land mit nur etwa 5 Mio Einwohnern wurde jahrelang von einem schrecklichen Bürgerkrieg erschüttert. Albert knetet seine Finger und spricht jetzt leiser, auch seine Familie hat den Krieg von Anfang bis Ende hautnah miterleben müssen. Mehr möchte er darüber nicht sagen. Er bedauert es, dass dieser Krieg das einzige ist, das die Menschen in Europa über Sierra Leone wissen. Dann wird er wieder ruhigerund sagt nicht ohne Stolz: "Es ist viel passiert seit 2000 der Frieden wieder hergestellt wurde. Wir sind dabei das Land wieder aufzubauen. Wir haben eine Demokratie mit normalen Wahlen... Und im Moment arbeitet die Regierung an der Einführung der Schulpflicht." Trotzdem plant er nicht, in den nächsten Jahren zurück zu gehen, sein Traum "Achieving my goals" findet hier statt.



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