Ungarns Künstler zeichnen sich aus durch ihre Vorstellungsgabe, ihr besonderes Gespür für Visualität. Im internationalen Vergleich erweisen sich ungarische Musik- und Filmschaffende als durchaus konkurrenzfähig, man denke dabei nur an den Oskarpreisträger István Szabó, an Lajos Koltai, Andrew Vajna und nicht zuletzt an den talentierten Nachwuchs, dem an dieser Stelle einige Zeilen gewidmet werden sollen. Da wäre zunächst ein junger Mann, der unter dem Namen Yonderboi weltweite Aufmerksamkeit erhielt, sowie eine Gruppe, welche mit ihrer Tournee durch die USA bereits große Erfolge verbuchen konnte: The Moog.
Yonderboialias László Fogarasi Jr. ist einer von Ungarns begehrtesten Exportschlagern. Das Licht der Welt erblickte er in einem kleinen ungarischen Dorf, seine Karriere begann ähnlich eigenartig wie die Einsteins, welcher in der Schule in Physik sitzen geblieben ist. Yonderboi wurde von seinem Gesangslehrer angehalten, im Chor seine schlechte Stimme für sich zu behalten und nur so zu tun, als ob er singen würde. Im Jahr 2000 jedoch, mit nur 19 Jahren, hat er zusammen mit einem Freund, und mit Hilfe von geliehenen Instrumenten und PCs innerhalb von 2 Monaten das Album Shallow and Profound aufgenommen. Mit seinem Debütalbum konnte Yonderboi sowohl die internationale Musikbranche als auch das Publikum erobern. Abgesehen von seiner Religiosität beeinflussen vor allem die Musik osteuropäischer Zeichentrickfilme und die väterlichen Platten seinen Stil, andere Einflüsse sind der Hip-Hop der 90er Jahre, z.B. De La Soul, Gang Starr, Stereo MC's, Beastie Boys oder MC Solaar, sowie ungarischer und polnischer Jazz.
Yonderboiwill kein Revolutionär sein. Alles, was er will, ist es, menschlichen Gefühlen und Befindlichkeiten durch das Zusammenspiel von Soundtrack und Chanson, von Salonjazz der 60er und 70er Jahre und elektronischer Musik oder durch das Arrangieren von Kammermusik mit eher ungewöhnlichen Instrumenten wie dem Vibrafon, dem Akkordeon, Saxophon und der akustischen Gitarre Ausdruck zu verleihen.
Yonderboi hat ein ganz besonderes Talent: Innerhalb nur eines Albums gelingt es ihm, seine Hörer in eine Fülle von Gemütszuständen zu versetzen und ihnen eine ganze Bandbreite von Empfindungen zu entlocken. Seine Musik regt nicht nur zur Entspannung an, oder zum Philosophieren über Gott und die Welt. Sie kann genauso gut eine romantische Nacht untermalen oder zum Tanzen und Feiern animieren. Für Kenner wie Kritiker und ist sein eigenwilliger und vielseitiger Stil eine wahre Fundgrube.
Auf dem Album Shallow and Profound reihen sich Titel wie das sanft-melancholische Sinking Slowly, das romantische Milonga del Mar oder das lebensfrohe Thousand Bells mit seinen wirbelnden Rhythmen, den Glocken, Streichern und Frauenchören aneinander, ebenso wie das heitere 100% Trevira, dessen Refrain von Balázs Zságer auf einem Kamm begleitet wird. Für die Gourmets und „Feinhörer" unter uns gibt es ein kurzes Outro, ein Ausschnittaus einem ungarischem Film.
Yonderboihat seine Fans lange auf ein neues Album warten lassen. Zwar hatte er Auftritte in zahlreichen Clubs und auf Festivals (Sonar, Lowlands, The Big Chill), seine Zeit hat er aber vor allem damit verbracht, Musik für Film und Theater zu schreiben. Mit seinen Kompositionen erlangte er einen internationalen Ruf, wie zum Beispiel mit Badly Broken Butterflies für die US-Serie CSI Miami (CBS). Mit 15 Mio. Zuschauern in den USA ist diese Krimiserie nicht nur zuhause sehr populär, sondern erfreut sich auch in Europa und Ungarn größter Beliebtheit. Beeindruckende Namen wie U2, Radiohead, Depeche Mode oder Massive Attack haben hier bereits ihren musikalischen Beitrag geleistet. In einer anderen US-Serie, Drive (FOX), ist der Titel Soulbitch vom zweitem Album, Splendid Isolation, zu hören. Yonderboi hat den größten Musikpreis Ungarns, die Goldene Giraffe, gewonnen. Außerdem ist er der bis dato jüngste Träger des Silbernen Kreuzes, welches ihm aufgrund seines Verdienstes für die ungarische Musik von Ungarns Präsidenten verliehen wurde.
Das zweite Album von Yonderboi erschien 2005 und ist zweifelsohne ebenso grandios wie sein Vorgänger. Die Titel sind ausgereift wie außergewöhnlich, trotzdem sind sie eingängig und haben Mitsingcharakter. Follow Me Home, Love Hides, Badly Broken Butterflies, People Always Talk About the Weather und Were You Thinking of Me laufen regelmäßig auf MTV. Letzteres wurde mit Beiträgen anderer ungarischer Gruppen, wie Anima Sound System, von Mole Records auf dem Sampler Euphonic Perspectives verewigt. Yonderboi's jüngster Coup, eine Maxi-CD, erschien im März 2006 mit sechs Versionen von People Always Talk About the Weather.
Yonderboi ist nicht nur Osteuropäer und Ungar, sondern zugleich auch ein Vertreter der Postmoderne. Seine steile Karriere beweist, dass auch in dieser schnelllebigen Welt junge Leute ohne großes Budget oder namhafte Herkunft, dafür aber mit viel Talent Großartiges leisten können.
Die Stärke ungarischer Künstler liegt im Visuellen, ohne Frage
The Moog sind das neue Wunderkind des ungarischen Popmarktes. Die Band besteht aus recht adretten, jungen Typen, die sich schon seit dem Gymnasium kennen. Gegründet wurde sie im Jahr 2004 und mauserte sich schon bald von Gigs in ungarischen Kneipen bis hin zu größeren Auftritten bei Festivals und im Ausland, wie zum Beispiel in Krakau, Wien oder Bratislava. Der Mai 2006 markiert mit einem Plattenvertrag in den USA einen wichtigen Punkt ihrer Karriere: MuSick Records aus Los Angeles produzierten das erste Album der Band. Im Studio saß kein geringerer als jener Jack Endino, der auch Nirvana (Bleach), Soundgarden, Bruce Dickinson, Mudhoney, Hot Hot Heat und Therapy produziert hat. Das abschließende Mastering fand in dem Digiprep Studio statt, in dem auch die Alben von Kiss oder Motörhead geboren wurden. The Moog's Album Sold For Tomorrow erschien im April 2007 mit insgesamt 10 Titeln in den USA, die Kritiker äußerten sich durchgehend positiv. Die bekanntesten online-Musikmagazine berichteten voller Lob über die Band, Skylinepress benotete mit 8 von möglichen 10 Punkten, Popmatters mit 7 Punkten und Brian Baker von Citybeat verlieh die Note B+.
Laut Kritikern weisen die Songs eindeutig die Begeisterung der Jungs für die Beatles und die Beach Boys nach, zeigen außerdem sichtliche Spuren von Punk Rock Bands der 70er Jahre, wie The Ramones, von Blondie und britischer Popmusik, wie Blur oder The Libertines. Aber sie sind noch jung, es sei ihnen verziehen. The Moog wollen weder schwermütige Ars Poetica produzieren, noch wollen sie die Welt retten. The Moog wollen einfach nur unterhalten, ihre Zuhörer sollen sich entspannen und zurücklehnen können.
Auf das Debütalbum folgte eine große Tournee durch die USA, mit 30 Konzerten traten sie in kleinen Kneipen und auf namhaften Festivals auf, so auch in Austin, wo ein gigantisches, viertägiges Festival mit mehr als 1000 Bands beheimatet ist: das South By South West.
The Moog ist die erste ungarische Band, die von Fachleuten unter über 20.000 Bands als Favorit gilt. I Like You ist ein Dauerbrenner, mehrmals täglich kann man den Titel auf ungarischen wie auch ausländischen Radiosendern hören. In den amerikanischen CMJ-Charts, welche die bedeutendsten Hits der unabhängigen Radiostationen und der Uniradios beinhalten, konnten die Jungs im Mai einen sehr guten Platz verzeichnen (117., 85. aus 200). Der Videoclip zu I Like You ist auf dem ungarischen Fernsehsender Viva zu sehen.
Ihre bisherigen Erfolge prophezeien einen glänzenden, wenn nicht sogar internationalen Ruhm, die stetig steigende Anzahl (ungarischer, europäischer und anderer) Anhänger auf MySpace kann dies nur bezeugen. Gib Acht Europa, The Moog kommen!