Antonio
Tabucchi ist Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Übersetzer.
Er wurde 1943 in Vecchiano, Norditalien, geboren. Er studierte
Literaturwissenschaften in Pisa und Paris und schloss mit einer
Dissertation über den Surrealismus in Portugal ab. Jetzt lebt er
abwechselnd in der Toskana und in Lissabon. Als Professor für
portugiesische Sprache und Literatur lehrte er zunächst in Genua,
dann in Siena. Er stellt den wichtigsten und berühmtesten Kritiker
und Übersetzer der Werke des portugiesischen Schrifstellers Fernando
Pessoas dar. Zusammen mit seiner portugiesischen Frau Maria Josè de
Lancastre betreute er die italienischen Werkausgaben Fernando Pessoas
(1888-1935). Diese zwei Bände erschienen in der Sammlung unter dem
Titel "Una sola moltitudine" (1979, 1984). Noch in
Zusammenarbeit mit seiner Frau erschien im Jahr 1986 die Ausgabe des
Tagebuchs von Pessoa unter dem Titel "il libro dell'inquietudine
di Bernardo Soares". Im Alter von 19 Jahren entdeckte Tabucchi
den portugiesischen Schriftsteller, als ihm die erste Schrift Pessoas
fast zufällig in seine Hände fiel. Diese Entdeckung inspirierte ihn
beruflich für die nächsten Jahre. Seit 1975 publiziert er Romane,
Erzählungen, Theaterstücke, Essays und Übersetzungen aus dem
Portugiesischen.
1983 reiste Tabucchi im Auftrag der Fondazione
Gulbenkian (Lissabon) und der Universität Genua nach Lateinamerika
und Indien, um Archivstudien für das Projekt "Bibliotheken
europäischer Gründung in außereuropäischen Ländern" zu
betreiben. 1987 bis 1989 war er Leiter des italienischen
Kulturinstitutes in Lissabon. Er erhielt zahlreiche Preise, darunter
den Premio Campiello 1994 für seinen berühmten Roman "Erklärte
Pereira", den österreichischen Staatspreis für Europäische
Literatur 1997, den Premio Salento 2003 und den französischen Preis
"Mdicis Etranger" für den Roman "Indisches Nachtstück
und Ein Briefwechsel".
In Tabucchis Romanen kommen sehr oft
Zitate der Schriftsteller Borges, Pessoa und Fitzgerald vor, wodurch
er wesentliche Augenblicke des menschlichen Zustands einfängt.
Tabucchis erster Roman, "Piazza di Italia", erschien 1975.
In ihm wird die Geschichte einer Anarchistenfamilie in der Toscana
über drei Generationen verfolgt. "Die Politik gehört genauso
zum Leben wie die Liebe, der Tod, die Gefühle". Diese
Einstellung des Autors schlägt sich in seiner gesamten Prosa nieder,
die politische Aussagen gleichwohl niemals nur theoretisch
formuliert. Dies gilt auch für seinen bisher erfolgreichsten Roman,
"Sostiene Pereira" (dt. "Erklärt Pereira"), der
1995 mit Marcello Mastroianni verfilmt wurde. In diesem Film
interpretierte der berühmte Schauspieler die fiktive Geschichte
eines portugiesischen Kulturjournalisten, der sich 1938 nach der
Begegnung mit einem Rebellen der faschistischen Salazar-Diktatur
wandelte. Damit bezog er eine deutliche Stellung gegen die Diktatur.
Die Erinnerung und die Spurensuche zählen zu den Grundmotiven des
Werkes von Tabucchi. Auf der Suche nach einer Identität treten die
Protagonisten in einen Dialog mit den Traumgestalten, Doppelgängern.
Wie auch mit literarischen Figuren oder gar mit ihren Schöpfern. So
etwa in "Requiem" von 1991: eine Hommage an Lissabon und
eine Liebeserklärung an die portugiesische Sprache, der sich der
Autor hier bedient, um in seinem Werk "Halluzination" die
fiktive Begegnung mit dem großen Vorbild Pessoa und seinen Figuren
zu beschreiben.
Weitere Romane, wie "La testa perduta di
Damasceno Monteiro" (dt. "Der verschwundene Kopf des
Demasceno Monteiro") von 1997 können als Kriminalromane
bezeichnet werden. Im Jahr 2006 erschien die Essaysammlung "L'oca
al passo", eine Analyse des (Anti-)Terrorismus, Neofaschismus,
Rassismus, Revisionismus und den totalitären Tendenzen Italiens.
Von März 2006 arbeitete Tabucchi zusammen mit Gianni Barbacetto,
Oliviero Beha, Giulietto Chiesa, Udo Gümpel, Diego Novelli, Achille
Occhetto, Marcelle Padovani, Lidia Ravera ed Elio Veltri an dem Blog
der "Gruppo del cantiere". Darüber hinaus ist er ein
Mitarbeiter der Zeitung Latinoamerica.