11.08.2008
Antonio Tabucchi
Marina Cricca
Antonio Tabucchi ist Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Übersetzer. Er wurde 1943 in Vecchiano, Norditalien, geboren. Er studierte Literaturwissenschaften in Pisa und Paris und schloß mit einer Dissertation über den Surrealismus in Portugal ab. Jetzt lebt er abwechselnd in der Toskana und in Lissabon. Als Professor für portugiesische Sprache und Literatur lehrte er zunächst in Genua, dann in Siena. Er stellt den wichtigsten und berühmtesten Kritiker und Übersetzer der Werke des portugiesischen Schrifstellers Fernando Pessoas dar. Zusammen mit seiner portugiesischen Frau Maria José de Lancastre betreute er die italienischen Werkausgaben Fernando Pessoas (1888-1935). Diese zwei Bände erschienen in der Sammlung unter dem Titel »Una sola moltitudine« (1979, 1984). Noch in Zusammenarbeit mit seiner Frau erschien im Jahr 1986 die Ausgabe des Tagebuchs von Pessoa unter dem Titel "»ll libro dell'inquietudine di Bernardo Soares«. Im Alter von 19 Jahren entdeckte Tabucchi den portugiesischen Schriftsteller, als ihm die erste Schrift Pessoas fast zufällig in seine Hände fiel. Diese Entdeckung inspirierte ihn beruflich für die nächste Jahren. Seit 1975 publiziert er Romane, Erzählungen, Theaterstücke, Essays und Übersetzungen aus dem Portugiesischen.
1983 reiste Tabucchi im Auftrag der Fondazione Gulbenkian (Lissabon) und der Universität Genua nach Lateinamerika und Indien, um Archivstudien für das Projekt »Bibliotheken europäischer Gründung in außereuropäischen Ländern« zu betreiben. 1987 bis 1989 war er Leiter des italienischen Kulturinstitutes in Lissabon. Er erhielt zahlreiche Preise, darunter den Premio Campiello 1994 für seinen berühmten Roman „Erklärte Pereira“, den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur 1997, den Premio Salento 2003 und den französischen Preis "Médicis étranger" für den Roman »Indisches Nachtstück und Ein Briefwechsel«.
In Tabucchis Romanen kommen sehr oft Zitate der Schriftsteller Borges, Pessoa und Fitzgerald vor, wodurch er wesentliche Augenblicke des menschlichen Zustands einfängt. Tabucchis erster Roman, »Piazza d’Italia«, erschien 1975. In ihm wird die Geschichte einer Anarchistenfamilie in der Toscana über drei Generationen verfolgt. »Die Politik gehört genauso zum Leben wie die Liebe, der Tod, die Gefühle.« Diese Einstellung des Autors schlägt sich in seiner gesamten Prosa nieder, die politische Aussagen gleichwohl niemals nur theoretisch formuliert. Dies gilt auch für seinen bisher erfolgreichsten Roman, »Sostiene Pereira« (dt. »Erklärt Pereira«), der 1995 mit Marcello Mastroianni verfilmt wurde. In diesem Film interpretierte der berühmte Schauspieler die fiktive Geschichte eines portugiesischen Kulturjournalisten, der sich 1938 nach der Begegnung mit einem Rebellen der faschistischen Salazar-Diktatur wandelte. Damit bezog er eine deutliche Stellung gegen die Diktatur. Die Erinnerung und die Spurensuche zählen zu den Grundmotiven des Werkes von Tabucchi. Auf der Suche nach einer Identität treten die Protagonisten in einen Dialog mit den Traumgestalten, Doppelgängern. Wie auch mit literarischen Figuren oder gar mit ihren Schöpfern. So etwa in »Requiem« von 1991: eine Hommage an Lissabon und eine Liebeserklärung an die portugiesische Sprache, der sich der Autor hier bedient, um in seinem Werk »Halluzination«, die fiktive Begegnung mit dem großen Vorbild Pessoa und seinen Figuren zu beschreiben.
Weitere Romane, wie »La testa perduta di Damasceno Monteiro« (dt. »Der verschwundene Kopf des Demasceno Monteiro«) von 1997 können als Kriminalromane bezeichnet werden. Im Jahr 2006 erschien die Essaysammlung »L’oca al passo«, eine Analyse des (Anti-)Terrorismus, Neofaschismus, Rassismus, Revisionismus und den totalitären Tendenzen Italiens.
Von März 2006 arbeitete Tabucchi zusammen mit Gianni Barbacetto, Oliviero Beha, Giulietto Chiesa, Udo Gümpel, Diego Novelli, Achille Occhetto, Marcelle Padovani, Lidia Ravera ed Elio Veltri an dem Blog der “Gruppo del cantiere”. Darüber hinaus ist er ein Mitarbeiter der Zeitung Latinoamerica.
.