Adriana Fernández
Foto: Maria Montes
|
Adriana Fernández ist eine junge Frau aus Venezuela, die nach Berlin gekommen ist, um nächstes Jahr Verwaltung zu studieren. Dafür besucht sie zur Zeit einen Deutschkurs im Sprachenatelier Berlin. Noch studiert sie im Level B1, muss jedoch C1 erreichen, um die Deutschprüfung bestehen und in die Universität gehen zu können.
Vor einem Jahr, zur Weihnachtszeit, kam Adriana Fernández nach Berlin. Obwohl sie die Deutschen sehr sympathisch fand, sah sie in ihren anfänglichen Sprachschwierigkeiten ein entscheidendes Hindernis, hier Fuß zu fassen. Mittlerweile hat sie jedoch einen Job und viele neue Freunde gefunden. Im November fährt Adriana Fernández für zwei Monate nach Venezuela zurück. Im Januar wird sie dann noch einmal nach Berlin kommen und vielleicht auch für immer bleiben.
„Deutsch ist für mich eine Prüfung."
Warum bist du nach Berlin gekommen?
Weil der Vater meiner Tochter Deutscher ist: Er ist während des Kriegs geflohen und hat mir angeboten, in Deutschland zu studieren. Und ich sagte: „Warum nicht?". Allerdings finde ich die deutschen Universitäten nicht ganz so gut. In Berlin sind die TU, HU und FU am besten. Vor allem sind sie im Bereich Verwaltung gut, was ich studieren würde.
Gibt es viele Leute aus Venezuela in Berlin?
Nein, aber es gibt viele in Spanien. Die Regierung in Venezuela ist nicht sehr gut. Es gibt in unserem Land immer weniger politische und ökonomische Freiheit. Deshalb wandern die Leute in andere Länder aus. Venezianer haben meistens europäische Wurzeln und seitdem die Lage in Venezuela nicht so gut ist, fahren viele in ihre Heimatländer zurück.
Ist es normal in deiner Generation, in ein anderes Land auszuwandern?
Ja, wegen der Situation in Venezuela sagen die Eltern ihren Söhnen oder ihren Töchtern, dass sie ins Ausland reisen sollen, weil es in Venezuela keine Möglichkeiten für sie gibt. Wir sollten mehr in gute Krankenhäuser oder in ein gutes Ausbildungssystem investieren. Ich würde auch wollen, dass die Leute anders denken und dass sie sich mehr um die Zukunft kümmern.
War es schwer für dich, am Anfang hier in Berlin zu leben?
Am Anfang ging es mir schlecht, da ich kein Deutsch konnte, aber ich habe langsam die Sprache und Leute kennengelernt und einen Job gefunden.
Nun würde ich auch gerne andere Sprachen verbessern wie Französisch oder Englisch.
Wäre es für dich nicht einfacher, wenn du nach Spanien oder in ein spanisch sprechendes Land gehen würdest?
Ja, ich denke schon, aber für mich ist Deutsch wie eine Prüfung, um anderen Leuten zu zeigen, dass man sie beherrschen kann. Deutschland ist ein Land, dass niemand besucht und Deutsch ist eine Sprache, die niemand lernt, weil meine Mitmenschen sie für zu schwer halten. Ich habe aber keine Angst, etwas Fremdes und Neues zu wagen.
Was gefällt dir an Berlin?
Es gefällt mir alles. Bis auf den Winter, weil er sehr traurig ist. Berlin finde ich gut, es gibt viel Kunst zu entdecken. Berlin ist eine sehr multikulturelle Stadt. Alles wird ordentlich gehalten und die Leute lesen viel, etwas, dass in Venezuela nicht passiert.
Denkst du, dass das Studium in Venezuela gut ist?
Jetzt haben wir erst einmal das Ziel, den Analphabetismus auszulöschen. Einerseits ist das gut, denn die Armen haben die Möglichkeit zu studieren, anderseits ist das generelle Niveau an den Universitäten zu niedrig, unter anderem, weil die Lehrer alles ständig wiederholen müssen.
Welche Situationen verändern sich gerade in Venezuela?
Es verändert sich vieles. Man kann nicht mehr gegen die Regierung sprechen und die Armut steigt stetig – und diese kann man leider nicht so ohne weiteres auslöschen. Und alles wird jeden Tag schwieriger: Die Regierung verfolgt beispielsweise auch politische Entscheidungen, wie die Unterstützung der Farc.
Denkst du, dass die Leute die Lage in Venezuela gut kennen?
Ja, bestimmt, aber viele Leute bekommen Geld von der Regierung, deswegen verstehen sie nicht die ganze Problematik. Chavez ist sehr populär im Ausland, er hat aber zwei Gesichter – und vor allem gefällt mir seine Einstellung überhaupt nicht.
Und nun zum Abschluss: Ist es nicht schwer schon mit 23 Jahren zu wissen, dass du dein ganzes Leben im Ausland verbringen wirst?
Nein, ich bekomme jeden Tag Nachrichten von meiner Familie, obwohl es nicht das gleiche ist, denke ich, wenn man reif genug ist, kann man ohne große Schwierigkeiten im Ausland leben. Und es ist auf jeden Fall wertvoll!