Nemzeti Vágta
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Wie viele vielleicht wissen werden, waren die Ungarn – auch Magyaren genannt - ursprünglich ein sehr bekanntes Reitervolk. Bereits in Zeiten unserer Urahnen, die im IX. Jahrhundert das heutige ungarische Gebiet besetzten, schrieb das ehemalige Reitervolk Geschichte. Auch heute gibt es noch viele weltberühmte ungarische Reiter im Pferdesport (Preisreiten, Fahrsport, usw.).
Doch ist die Haltung von Pferden in unserer modernen und schnelllebigen Zeit nicht mehr so häufig verbreitet.
An diesen Gedanken anknüpfend, kündigte ein sehr bekannter Werbefachmann in Ungarn, Péter Geszti, voriges Jahr eine tolle Idee an: Wäre es nicht aufregend, wenn sowohl die ungarische Bevölkerung als auch die ausländischen Touristen einmal in jene Zeit zurück reisen könnten, in der Pferde als Haustiere und Fortbewegungsmittel noch selbstverständlich waren. Dieses Gefühl wollte er wachrufen und im Nachhinein kann man wohl behaupten, dass es ihm auch gelang.
In Folge dessen wurde in der Hauptstadt Budapest vom 31. Mai - 1. Juni eine große, zweitägige Veranstaltung unter dem Motto Nationaler Galopp organisiert, bei der neben zahlreichen kulturhistorischen Programmen auch ein Galoppwettbewerb mit insgesamt 250 Pferden stattfand.
Die Idee war, dass die modernen Stadtbewohner, welche nur selten oder noch nie Pferde gesehen hatten, die Nähe zu diesen treuen und intelligenten Tieren suchen konnten und in Rahmen des Renaissance Kulturjahres 2008 einen historischen Überblick erhielten. Auf dem Heldenplatz (Hősök tere) wurde eine Rennbahn von 500 Metern Breite aufgebaut, wo das Hauptgeschehen stattfinden sollte.
Die Zuschauer lernten dabei die Zeiten kennen, als das Pferd im Leben der Menschen noch eine Hauptrolle spielte, so z.B. bei der Landnahme 896 oder während der Herrschaft von König Matthias Corvinus (1458-1490) und nicht zuletzt während der ungarischen Freiheitsrevolution von 1848-49. Während des Festivals marschierten Reitergruppen in zeittreuen Kostümen, Rüstungen und Waffen auf, während von einem Historiker alles dokumentiert wurde. So war vor allem König Matthias II. Wirkung auf die Kultur sehr bedeutsam. Heute noch als Matthias der Gerechte bekannt, existieren viele Märchen und Legenden um ihn, die seine Wichtigkeit zeigen. Er holte die italienische Renaissance nach Ungarn und gründete an seinem Hof einen interkulturellen Kreis aus Dichtern, Ingenieuren, Musikern und anderen Künstlern.
Weiterhin wurde die sogenannte Schwarze Armee vorgestellt, welche in anderen Ländern einst Angst und Schrecken verbreitete. Auch konnten die Zuschauer traditonelles Handwerk wie z.B. die Schmiedekunst kennenlernen und ausprobieren.
Das Programm der Veranstaltung Nationaler Galopp beinhaltete auch einen Fahrwettbewerb mit den Weltmeistern Vilmos & Zoltan Lázár sowie eine Vorführung der spanischen Hofreitschule und eine zweistündige Open Air-Theateraufführung mit Pferden.
Der Höhepunkt der Veranstaltung allerdings war der Galoppwettbewerb, bei dem jeder, vom „einfachen" Hobbyreiter bis zum Spitzensportler, teilnehmen konnte. So hatten sich insgesamt 96 ungarische und ehemalige ungarische Dörfer bzw. Städte mit Reitern und Pferden beworben.
Während des Galopprennens traten jeweils sechs Reiter in jeder Etappe gegeneinander an, wobei sich der Gewinner dieser Runde dann für die nächste Etappe qualifizierte.
Das Finale gewann, zu allgemeinem Erstaunen, die erst 21 Jahre junge Vanda Suták. Die aus der nordöstlichen Stadt Nyíregyháza kommende, stolze Siegerin erkämpfte gemeinsam mit ihrem Pferd Alexander die Auszeichnung des Galopp-Schwertes, welche sie im nächsten Jahr jedoch wieder verteidigen muss. Darüber hinaus wurde Vanda Suták für ihren Sieg mit mehr als 120.000 Euro und ihre Stadt mit ca. 20.000 Euro reich belohnt, woraufhin der Bürgermeister versprach, das Geld natürlich nur für Pferdesport auszugeben...
Dass die zweitägige Veranstaltung Nationaler Galopp einen großen Erfolg und große Zustimmung in Ungarn erfuhr, zeigte sich auch an den mehr als 100.000 Besuchern, die zu verzeichnen waren.
Nun ist zu hoffen, dass sich aus dieser Premiere eine, so hoffe ich, jährlich wiederkehrende Tradition entwickelt, die ebenso Gefallen beim ausländischen Publikum findet, welches dann einen guten Ruf unseres Landes mit nach Hause trägt. Und wer weiß, vielleicht wird dieses kulturelle Festival einmal so weltweit bekannt sein, dass es in einem Atemzug mit dem Karneval in Rio und Venedig oder dem Oktoberfest in München genannt wird.