Britspotting
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Neben preisgekrönten Regisseuren stellt britspotting auch junge, oft bei uns bisher noch unbekannte Talente vor. Einer von ihnen ist Shane Meadows. Mit seinem Film "This is England" gewann er in diesem Jahr den Preis der British Academy of Film and Television Arts (BAFTA) als bester britischer Film. Er spielt im England der Thatcher Ära, im Juli des Jahres 1983, und situiert sich im Milieu der Skinhead-Subkultur. Im Zentrum steht der 12-jährige Shaun, der nachdem sein Vater im Falklandkrieg ums Leben kam, allein mir seiner Mutter Cynth in der englischen Kleinstadt Grimsby lebt. Da seine Mutter nicht genug Geld hat um ihm ordentliche Kleidung zu kaufen, wird er in der Schule gehänselt. Als er eines Tages nach den üblichen Demütigungen und Gemeinheiten seiner Mitschüler auf dem Nach hause Weg eine Gruppe von Skinheads kennen lernt, die ihm das Verständnis und die Sympathie entgegen bringen, die er bei seinen Schulkameraden nicht finden kann, ändert sich sein Leben auf einen Schlag.
Meadows nimmt in seinem Film Abstand vom Neonazi-Image, indem er Bezug auf die Wurzeln der Skinhead-Bewegung nimmt. In den Arbeitervierteln im Osten Londons wurde sie ursprünglich durch weiße Arbeiterkinder begründet, die mit Kindern schwarzer Einwanderer aus Jamaika und anderen Teilen der Westindischen Inseln aufwuchsen. Die Gruppe Jugendlicher Skins im Film entspricht demnach also nicht dem Bild, welches man heute mit dem Begriff "Skinheads" verbindet. Sie tragen smarte Anzüge, hören schwarze Musik wie Early Reggae, Ska und Northern Soul. Milkys Eltern sind aus Jamaica, er ist als einziger Skin afrokaribischer Abstammung ein Teil der Gruppe. Zwar sind die Jugendlichen generell anti-bürgerlich, haben ansonsten aber eher weniger politisches Interesse. Woody, der charismatische, eher anarchisch wirkende, Anführer der Gruppe nimmt den kleinen Shaun trotz des Altersunterschiedes unter seine Fittiche und integriert ihn in die Gruppe. Nach einer Kahlrasur und einem neuen Outfit: Ben Sherman Shirt, Hosenträger und Stahlkappenschuhe, sieht Shaun auch aus wie seine großen Freunde. Mit neu erwecktem Stolz und neuer Identität zieht er mit Woody und den anderen um die Häuser.
Als der 32-jährige Combo aus dem Gefängnis entlassen wird, der eine klar fremdenfeindlich ausgerichtete Einstellung vertritt, politisiert er die Gruppe und spaltet sie in zwei Teile: einen ihm loyalen Teil und einen anderen, der fortan von Woody angeführt wird. Shaun bewundert den "starken" Combo und sucht in ihm eine Art Vaterfigur. Die Situation in der gespaltenen Gruppe spitzt sich immer weiter zu, bis Shaun eines Tages Zeuge eines brutalen fremdenfeindlichen Übergriffes wird...
Meadows gelingt es in seinem halb-autobiographischen Film, ein authentisch wirkendes Portrait einer vaterlosen und verlorenen Generation von weißen Jugendlichen der Arbeiterklasse, in einer emotional erstarrten Gesellschaft der Thatcher Ära zu zeichnen. Er kehrt zu den Wurzeln der Skinhead Bewegung zurück und sucht nach der emotionalen Wahrheit, nach den Ursprüngen von Wut und Aggressivität, die ihr Ventil in Nationalstolz und Rechtsruck fanden.
Irischer Film
Ein Vertreter des irischen Films im Programm von britspotting 08 ist der Film "Kings" des irischen Regisseurs Tommy Collins. Der Film basiert auf Jimmy Murphys' Theaterstück "The Kings of the Kilburn High Road". "Kings" ist ein Film über die Identitätssuche irischer Arbeiter in der Anonymität der englischen Metropole. Anhand einer Gruppe von sechs irischen Immigranten in London stellt Collins persönliche Lebensgeschichten in den historischen Kontext ihrer Generation. Der Film ist zweisprachig in Englisch und Irisch-Gälisch mit Untertiteln und wurde für die Oscarnominierung als bester fremdsprachiger Film ausgewählt.
Im Sommer des Jahres 1977 verlassen sechs junge Männer gemeinsam ihre Heimatstadt Connemara im Westen Irlands und brechen nach London auf. Voller Hoffnungen und Erwartungen machen sie sich auf die Suche nach einem besseren Leben in der Großstadt. Bei ihrer Ankunft werden sie von der Realität wachgerüttelt, sie müssen sich mit schlecht bezahlter Arbeit im Baugewerbe und einer neuen Bleibe in den Immigrantenvierteln um Kilburn zufrieden geben. Jeder geht schließlich seiner Wege um den eigenen Traum zu verwirklichen. Joe bringt es zu Geld, während Jap und Git keine Arbeit finden und dem Alkohol verfallen.
30 Jahre später treffen sich 5 von ihnen wieder. Das Wiedersehen ist ein Abschied zugleich: Sie treffen sich bei der Beerdigung von Jackie, des jüngsten aus ihrer Runde. Als nach und nach die Wahrheit über Jackies Tod ans Licht kommt, wird den Freunden klar, dass sie ihre Jugendträume für eine Reihe von Kompromissen aufgegeben haben und Freundschaft und Zusammenhalt über allem steht. Collins vermischt Bilder einer verlorenen Jugend in Irland mit der harten Wirklichkeit des modernen Lebens. Er skizziert eine Einwanderergeneration, die zur falschen Zeit aufbrach um ihre Heimat zu verlassen. Er zeigt den Kollaps der irischen Immigrantengemeinschaft, der einzelne an den Rand der Gesellschaft treibt.
Kontakte in der Filmszene schaffen
Das Festivalprogramm gibt uns einen Überblick aus allen verschiedenen Sparten des aktuellen britischen und irischen Films und zugleich eine kompakte Vorschau auf Filme, die im Laufe des Jahres in unsere Kinos kommen. Neben insgesamt 15 Spiel- und Dokumentarfilmen werden auch 4 Kurzfilmreihen gezeigt. Darunter eine Reihe zum Thema "Experimental Shorts" und eine zum Thema "Club de Femme Shortfilm," die von der Gastkuratorin des britischen Queerfilmfestival in London ausgewählt wurden.
Ein wichtiges Ziel des Festivals ist es, Kontakte zwischen der deutschen und der brtitisch/irischen Filmszene zu schaffen. Zu diesem Zweck sind Regisseure und Produzenten im Kinosaal anwesend und stehen im Anschluss für Fragen und Diskussionen bereit. Zwei Treffpunkte bieten Filmbegeisterten und Filmschaffenden vor und nach dem Kinobesuch Möglichkeit zum Austausch. In Mitte trifft man sich in der Festival Bar in den Hackeschen Höfen, in Kreuzberg in der Kneipe "Tante Horst"(Oranienstr. 45) nahe dem FSK Kino, wo außerdem eine Ausstellung zum Festival zu sehen ist. Am 12.4. präsentiert britspotting 08 im Rahmen der Langen Buchnacht dort auch die Lesung "Letter to an Angel". Gelesen wird ein Brief von Tilda Swinton an den britischen Filmregisseur und Künstler Derek Jarman, dessen Biographie "Derek" unter der Regie von Isaac Julien im Langspielwettbewerb zu sehen ist.
Und nach dem Kino? Steppt der Bär!
Wie jedes Jahr finden neben dem Filmprogramm auch wieder Partys an authentischen und ausgefallenen Orten statt. Los geht`s am 29. März mit der Warming Up - Party im Bang Bang Club. Neben Special Live Acts unter der S-Bahn Brücke am Monbijoux Park legen die DJs aus dem Karrera Club Britmusic für Tanzwütige auf. Nach dem Eröffnungsfilm am 10.4. lädt das Festivalteam zur Opening-Night Party in den Schokoladen Mitte ein. Der Club des Femmes feiert seine Kurzfilmreihe am 14.4. bei der Frauenparty im Möbel Olfe. Also auf geht’s! Lasst euch von dem vielseitigen Angebot inspirieren, feiert, diskutiert und kontaktet kräftig mit und erlebt ein Stück britisch-irische Kultur in den verschiedensten Ecken unserer Stadt....