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11.01.2008

Ein Quadrat voll Licht

Senem Coşkun aus der Turkei
Slideshow
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Am meisten brennt sich Ankara einem im Frühling ins Gedächtnis. Nur in einer Stadt kann Gelb so schwermütig sein. Seine kleinen Häuser der Marginalsiedlungen befinden sich nicht am Rande, sondern mitten in der Stadt, als wären sie wie Schnee auf ihre Gipfel herabgeschneit.

Die geschlossene Zentralstrafanstalt Ulucanlar. Sie wird im Jahre 1924 als Militärdepot gebaut; 1925 beginnt man, sie als Strafanstalt zu nutzen. Das Gebäude erinnert, sei es aufgrund seiner Architektur, sei es aufgrund der Raumaufteilung an ein großes Labyrinth. An den Wänden sind eine Menge Stimmen zu Bildern geworden. Von der ersten bis zur letzten Tür, Schritt für Schritt, bietet uns die Strafanstalt seine Geschichte wie eine wieder zum Leben erweckte Wandmalerei.

Die erste Abteilung, die Sie gleich am Eingang zur Strafanstalt empfängt, wurde gleichzeitig als Verwaltungstrakt genutzt. Der schmale Korridor gleich hinter der Verwaltungsabteilung führt sie zu den Besuchszellen, in denen die Verurteilten ihre Besucher empfangen durften. Gleich daneben befinden sich die Räume der Wächter. Hinter dem Korridor, der sich wie um einen Innenhof erstreckt, stoßen Sie auf die Gefangenenzellen und die zweistöckigen Isolationszellen. Diese Abteilung ist ein gradliniger, zweistöckiger Raum, der von einem langen engen Gang umgeben ist. Das Untergeschoß sind dann die eigentlichen Isolationszellen. Isolationszellen, in denen ein Mensch sich nicht richtig bewegen kann, die zwar eine Toilette haben, in die aber das Licht bloß tropfenweise einsickert, so daß einem aufs drastischste vor Augen geführt wird, warum Gefangener zu sein mit Worten sich nicht beschreiben läßt, Isolationszellen, in denen sich immer noch Mäuse tummeln....Dahinter die der Strafanstalt später angegliederten Frauenzellen. Sie wurden auch für Filmaufnahmen benutzt und befinden sich am äußersten Rand der Strafanstalt.

Ulucanlar wird mit seiner Geschichte der Schauplatz vieler Geschichten....

So wird die Ulucanlar Zentralstrafanstalt Zeuge der Hinrichtung des Deniz Gecmis, eines Jugendanführers der 68er, und seiner Freunde. Vom Notstandsgericht Ankara zum Tode verurteilt, wurden Deniz Gecmis und seine Freunde Yusuf Aslan sowie Hüseyin Inan morgens vom Mamak Militärgefängnis in die Ulucanlar Strafanstalt gebracht und am 6. Mai 1972 morgens im Innenhof, bei der alten Pappel, hingerichtet. Bei dieser Trägödie blieb es nicht. Am 2. Februar in Gewahrsam genommen,wird Erdal Eren nach einem Schnellprozeß im Alter von nur 17 Jahren am 19. März 1980 hingerichtet. Als Schauplatz so vieler Hinrichtungen wird die Strafanstalt Ort vieler Meutereien und Gemetzel. Dieser Ort, der in den 80er Jahren in seinen Einzelzellen eine unfaßbare Grausamkeit gesehen hat,wird seine Zellen in den 90er Jahren den alten Abgeordneten der DEP öffnen.

Würden wir die Ohren schließen, würden wir in den Innenhöfen die Vollstreckungsrufe, die Slogans, die Lieder hören... und während wir sie verloren gegangen glauben, steht die Ulucanlar Zentralstrafanstalt, ihr Pforten der Freiheit geöffnet, weiterhin im ältesten Bezirk Ankaras

Und zuletzt "Die Pappel..."

... der einzige Zeuge dessen, wie ein lebendiges Wesen stumm und schweigend so viel Grausamkeit ertragen kann...



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