|
Elma Riza, Jahrgang 1986, ist französische Kunststudentin und Gründungsmitglied der "Association ORT", einem Pariser Kunstverein, um Studenten aus dem Kunst- und Tanzbereich zusammenzubringen und gemeinsam Veranstaltungen zu gestalten.
Besonders an ihrer Kunst ist das Verhältnis zwischen Raum und Zeit, das die Grundlage ihrer Imaginationen und Emotionen ist. Das Kino spielt dabei auch ein wichtige Rolle, was vor allem an dem großen Einfluss des italienischen Regisseurs Antonioni zu spüren ist.
In ihren Fotografien und Videoinstallationen schafft sie eine Atmosphäre, die oft an der Grenze zur Dichtung steht. Ihre Hauptfigur zieht sich wie ein "blauer" Faden durch ihre Bilder und macht die Bindung zwischen Zeit, Ort, Architektur und Geschichte erst deutlich.
Eines ihrer Projekte, "UN VISIBLE," zeigt eine Fotoserie. Die Fotos werden wie in einer Filmsequenz dargestellt, deren Zusammensetzung sich frei interpretieren lässt.
Was hat dich zur Kunst geführt?
Von meiner Kindheit an war ich immer in der Kunstwelt. Meine Mutter arbeitet in einem Verlag, als Hobby hat sie immer viel gezeichnet und gemalt. Mein Vater war Schriftsteller und hat einige Dokumentarfilme gedreht. Er hatte eine große Filmsammlung, deshalb habe ich früh die Werke von Antonioni, Pasolini, Fellini, Cocteau, Wells, Kazan und den anderen entdeckt.
Was reizt dich besonders an der Fotografie?
Die Fotografie ist für mich als Paradoxon im Zusammenspiel zwischen einem Stammbild und einer Zeitausdehnung wichtig. Oft sehe ich die Fotografie auch wie ein Fragment aus einem Spielfilm.
Spielen Zeit und Raum eine besondere Rolle in deinen Fotografien?
Sicher! Die Räumlichkeit und der Ort sind meine ersten Materialien. Ich wähle eine Räumlichkeit, in der ich meine Welt inszenieren kann. Dann gebe ich den Orten eine neue Perspektive, die die Leute da nicht unbedingt sehen.
Dann kommt die Zeitfrage. In meinem Projekt "Un visible" ist es zum Beispiel so, dass eine Fotosequenz eine andere Zeitlichkeit ergibt, als nur eine Fotografie. Für die Wirkung dieser "Fiction" ist die Einheit von Zeit und Raum sehr wichtig.
Was hat dich zu dem Projekt "Un visible" inspiriert? Welche Bedeutung hat der blaue Fleck in deinen Bildern?
Ich habe dieses Fotoprojekt gleichzeitig und am gleichen Ort mit einem Kurzfilmprojekt gemacht. Diese beiden Projekte sind vom Film "Deserto Rosso" von M.-A. Antonioni beeinflusst. Das Kino spielt immer eine wichtige Rolle in meinen Arbeiten.
Der blau Fleck ist für mich das, was man normalerweise nicht sieht, eine Illusion vielleicht... , und gleizeitig ein Indiz.
Ich habe diese Farbe vom Ort, von seiner Atmosphäre ausgewühlt und gleichzeitig damit auch den Film von Antonioni zitiert.
Wie würdest du deine Kunstart nennen? Warum machst du keine klassische Fotografie?
Meine Kunstart ist vor allem eine Suche. Das Verhältnis zwischen einem Stammbild und einem bewegten Bild interessiert mich wegen seines Widerspruches, der in dem Zusammenhang zwischen Zeit und Raum besteht. Die Geschichte ist ein Vorwand.
Die klassische Fotografie ist für mich vorbei. Wichtig - aber vorbei! Ich meine, dass es interessant ist, wenn sich zwei Medien treffen. Sonst gibt es nicht zu viel Risiko. Der Begriff "die Suche" ist entscheidend.
Was möchtest du mit deinen Bildern erreichen? Ist es eine Art sich auszudrücken?
Diese Frage stelle ich mir selbst nicht. Ich brauche es, Kunst zu machen. Wenn ich an einem Projekt arbeite, baue ich mir gleichzeitig eine Welt auf, in der ich Lust habe zu leben.
Aber trotzdem ist es auch eine Art mich auszudrücken, weil mich der Austausch mit dem Publikum sehr interessiert. Das ist einer der Gründe, warum ich die "Association ORT" gegründet habe.
Kannst du uns erzählen, worum es sich bei dem Kunstverein "Association ORT" handelt?
Vor vier Jahren habe ich mit anderen zusammen diesen Verein unter dem Namen "Companie Zinglinglin" gegründet. Die Idee war, Studenten aus Kunst- und Tanzbereich zusammenzubringen, um gemeinsame Projekte zu realisieren. Danach kam die Frage des Publikums. Deshalb haben wir ein paar Veranstaltungen organisiert. Seit einem Jahr haben wir den Verein unter dem Namen "Association ORT" für die anderen Medien (Musik, Tanz, Performance, Film, Fotografie, Edition, Malerei, Installation etc.) geöffnet. Unser zukünftiges Projekt ist es einen anderen Kunstverein in Berlin zu gründen, um eine Brücke "Paris-Berlin" zwischen zwei "groupe de recherche" (Forschungsgruppen) zu schaffen.
Was ist dein nächstes Projekt? Welcher Ort, welche Farben werden dich zu diesem Projekt führen?
Zur Zeit arbeite ich an vier verschiedenen Kurzfilmen.
Zwei davon sind Antworten auf zwei Texte. Der erste wurde von meinem Vater geschrieben (s."Aniba"- Fotos). Den zweiten hat eine Freundin von mir, die auch in Berlin wohnt und Kunst studiert, geschrieben.
Im dritten Projekt ist für mich das Thema der Grenze wichtig. Es wird in der Farbigkeit von Berlin und mit den Spuren seiner Geschichte gemacht.
Das vierte ist ein Videotanz. Ich arbeite an vier Orten, die architektonisch sehr unterschiedlich sind, in denen ich mit einer Choreografin/Tänzerin eine Isnzenierung schaffe.