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Interview mit Takafumi Hara

Takahito Tamura
Takafumi Hara
Takafumi Hara

Takafumi Hara ist ein japanischer Künstler und 1968 in Tokio geboren.

Er studierte an der Tama-Kunsthochschule in Tokio und machte dort von 1990 bis 1992 seine Masterarbeit im Fachbereich Malerei.

2000 wurde er vom Amt für kulturelle Angelegenheiten nach Berlin als Auslandskorrespondent gesandt und studierte bis 2002 an der Kunsthochschule Weißensee als Gaststudent.

Neben vielen weiteren Einzel- und Gruppenausstellungen in Tokio, organisierte Hara unter anderem das Projekt „Signs of Memory". Dazu führte er mit Bewohner oder Nutzern der entsprechenden Gebäude Interviews durch, wählt Wörter und Sätze aus dem Interview aus und visualisierte sie auf farbigen Tafeln in den Fenstern der Gebäude. So konnte er sowohl das Innere mit dem Äußeren, als auch das Sichtbare mit dem Verborgenen verbinden.

Dieses Projekt organisiert Takafumi Hara in Gegenden des sozialen Umbruchs z.B. in Japan in einem kleinen Dorf mit sinkender Bevölkerungszahl, oder auch in deutschen Städten wie Münster, Wiesbaden und Berlin.

Wie war Ihre Kindheit?

Überall und immer hatte ich Fantasien, z.B. im Unterricht, auf dem Weg nach Hause, im Zimmer vor dem Schlafen gehen usw. Jeden Tag, nachdem ich von der Schule zurück kam, aß ich und malte aus Spaß mit Farbstiften. Das war härter als jetzt!

Obwohl ich fast jeden Tag in der Schule etwas lernte, konnte ich nicht alles beherrschen. Ich denke, dass es besser gewesen wäre, wenn ich mehr gelernt hätte.

Aber als ich ein Kind war, konnte ich ganz frei sein. Das war schön! Weil ich damals frei war, kann ich jetzt als Künstler arbeiten.

Warum gehen Sie diesen Weg?

Meine Mutter ist Malerin und ich war als Kind gerne in ihrem Atelier. Dort waren ausländische Kunstwerke und Bildbände und es gab diesen guten Geruch nach Ölgemälden.

Meine Mutter sagte mir nie, dass ich etwas lernen soll. Sie freute sich darüber, dass ich malte.

Deswegen zeigte sie mir einen Weg für Künstler und half mir dabei, diesen Weg selbst zu gehen.

Warum wählten Sie Deutschland und Berlin als Arbeitsplatz?

Nach dem Abschluss reiste ich für ein halbes Jahr nach Europa. Fast jeden Tag lief ich in die Kunsthallen oder zur Biennale. Italien gefiel mir, aber als ich die deutsche Gegenwartskunst fühlte,
wurde ich überwältigt. Darauf entschied ich mich, in Deutschland Kunst zu lernen.

Die Documenta, deren Leiter Jan Hoet war, schockierte mich!

Dann wurde ich vom Kunstamt nach Berlin gesandt. Das war der Anfang meines Lebens in Berlin.

Ich fuhr mit meinen Kunstwerken nach Berlin, um hier einen Platz zu finden. Am ersten Tag meiner Ankunft in Berlin ging ich zur Kunsthochschule Weißensee. Dort habe ich glücklicherweise Professor Ingmann kennengelernt, der mich in der Hochschule aufgenommen hat.

Jetzt denke ich, dass Berlin besser ist als jede andere Stadt.

In welchen Situationen bekommen Sie Ideen für Ihre Werke?

Beim Malen kommen mir die Ideen. Aber wenn ich an das jeweilige Projekt denke, gehe ich an den Ort, an dem das Projekt stattfand.

Ich denke jederzeit über meine Arbeit nach. Da gibt es keine Grenze zwischen Arbeit und Ferien.

Ich bin gerne in der Bibliothek, weil sie ein Raum der Konzentration ist. Also schuf ich viele Entwürfe in der Staatsbibliothek am Potsdamer Platz für das Projekt in NIGATA.

Was inspiriert Sie?

Das Fühlen von Traurigkeit und Freundlichkeit. Der Mensch und die Flüchtigkeit der Natur wirkt auf das Gefühl ein.

Zur Zeit gehe ich nicht in Ausstellungen. Sie schränken mein Denken ein und machen es ein bisschen starr. Unerwarteterweise gibt es nicht viele gute Inspirationen in dieses Welt.

Manchmal bekomme ich deswegen ein negatives Gefühl.

Haben Sie Künstler die Sie respektieren? Oder verehren Sie jemanden?

Ich habe viele Menschen die ich achte, habe aber trotzdem keine bestimmte Person.

Ich beurteile nicht den Künstler, sondern die Kunstwerke mit meinen Augen.

Von welchen Menschen sollen Ihre Werke gesehen werden?

Ich will, dass meine Kunstwerke von vielen Menschen gesehen werden. Ich freue mich mit ganzem Herzen über die Leute, die meine Werke loben. Künstler sind nämlich einsam. Überall und immer!

Welche Teile der Kunstwerke sollen bemerkt werden?

„FensterProjekte" besteht aus Wörtern meiner Erfahrungen, den Bildern, und den Orten. Ich vertraue darauf, dass wenn die Leute meine Werke fühlen und sie mit ihrem Herz verbinden können, dass sie dann ein positives Gefühl entwickeln.

Welches Projekt wollen Sie in der Zukunft machen?

Das Thema des nächsten Projekts ist "Krieg" und fängt schon an. Leider kann ich das Projekt nicht ausführlich erklären. Aber ich ahne, dass es eine echte Herausforderung wird.

Als nächstes will ich Fragen zu Ihren Werke stellen, die bei „Das abc der Bilder" 2007 im Pergamonmuseum ausgestellt wurden...

Ich stieg die Treppe hoch und konnte plötzlich ich an der ganzen Wand Ihre Kunstwerke sehen. Die Hintergründe der Bilder sind rosa. Es war ein ziemlich starker Eindruck.

Warum malten Sie diese rosa?

"Das Rosafenster" ist in den Fenster eines Gebäudes in der Auguststraße in Berlin. Die Werke können nur für eine bestimmte Zeit ausgestellt werden, später kann man sie nicht mehr sehen. Das ist genau so wie eine Straße zwischen Kirschbaumreihen, weil sich die Landschaft der Stadt ändert und die Blütenblätter abfallen.

Das Rosa macht die graue Stadt hell. Jedes Fenster entwickelt eine eigene Aussage für die seltsame Landschaft.

Auf jedem Bild schreiben Sie ein paar Sätze. Sie sind rot oder blau geschrieben.

Warum ändern Sie die Farbe der Wörter?

Die Farben sind symbolisch. Das Blau steht für die Männer und das Rot steht für die Frauen. In jeder Zeit ist das Leben und die Meinung der Männer und Frauen unterschiedlich.

Ich glaube, dass es schwer ist, die Geschichten an dem Ort von den Menschen zu hören, weil es viele Hindernisse gibt, z.B die Rasse, die Kultur, die Sprache usw.

Ich hörte, dass Sie erst die Wörter, mit denen Sie arbeiteten, wählten, nachdem Sie deren Geschichte hörten. Was ist am wichtigsten bei dieser Methode ?

In der beschränkten Zeit höre ich mit Interesse die Geschichten der Sprecher. Wenn sie eine gleiche Erfahrung gemacht haben, haben sie dennoch ein individuelles Gefühl und eine eigene Meinung. Sie haben ihren Hintergrund und ihre Lebensanschauung. Es ist ganz wichtig, dass ich mir die Szene vorstellen kann und spüre: Was spürten sie, was dachten sie und wie lebten sie?

"We have the landscape. Memory is just an abstraction, so memory must always stay together with the landscape"

Als ich die Sätze las, erinnerte ich mich an meine Heimat. Daran habe ich viele schöne Erinnerung.

Deswegen hoffe ich, dass die Landschaft sich nicht ändert.

Haben Sie auch eine wichtige Landschaft, die sich für Sie keinesfalls ändern darf ?

In Japan sind und wurden schon so viele Sachen verändert. Es ist sehr traurig, dass die eigene schönen Erinnerungen und Gefühle entschwinden. Deshalb glaube ich, dass es viele Dinge geben soll, die man so lassen soll. Wenn es wenige Dinge gibt, braucht man diese, um die lieben Erinnerungen und Gefühle nicht zu vergessen. Man lebt nämlich mit diesen.

Ich danke Ihnen für Ihre Antworten. Zum Schluss, bitte geben Sie uns Rat und Ihre zukünftigen Informationen.

Berlin ist für mich wirklich ein wichtiger Ort. Dort sind Gegenwart und Vergangenheit zugegen, außerdem ist es wehmutsvoll und nett. In der Stadt kann ich in mein Herz sehen, das ich in Japan nicht sehen kann. Mir wird immer von Berlin geholfen. Ich denke, wenn Sie sich mit Berlin verstehen, können Sie ein schönes Leben führen. Überlegen Sie es sich so lange, während Sie im Café die Landschaft von Berlin sehen.



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