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03.09.2007

Interview mit Alida Szabó

Ich wollte fotografieren und Filme machen!

Nagy Nóra , Ungarn
Slideshow
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Alida Szabó wurde in Ungarn geboren, seit 2000 lebt sie in Berlin. Alida hat wahrlich viele Talente: Sie fotografiert, dreht Filme, studiert an der Humboldt Universität – immer ist sie mit irgendetwas beschäftigt. Bereits das Collegium Hungaricum Berlin würdigte mit einer Ausstellung ihre Fotografien, die während eines Indienaufenthaltes entstanden sind; ebenfalls in Indien entstand ihr erster Dokumentarfilm.

Alidas Auftreten ist erfrischend jung, freundlich, immerzu lächelt sie. Diese Welt braucht dringend mehr von diesen gutgelaunten Menschen! Das Interview mit Alida fand zunächst im Café Geissler statt, dann trafen wir uns am folgenden Tag ein weiteres Mal im Restaurant Tagore, in dem sie zweimal wöchentlich arbeitet.

Alida, Du lebst seit sieben Jahren in Berlin. Warum hast Du Dich gerade für diese Stadt als Wohnort entschieden?

Als meine Schwester 1997 hier studierte, habe ich sie besucht und einen ganzen Monat in Berlin verbracht. Damals habe ich mich in diese Stadt verliebt. Dann begann ich in Ungarn an der Universität Debrecen mein Studium der Hungarologie und Soziologie, 2000 bekam ich mit Erasmus ein Stipendium. Zu dieser Zeit konnte ich eigentlich so gut wie gar kein Deutsch, aber schon nach zwei Wochen merkte ich, dass die Berliner Lebensart mir viel eher entspricht als die ungarische. Ich glaube, aufgrund der sprachlichen Barrieren begann ich dann mit dem Fotografieren. Tja, und nun lebe ich hier seit sieben Jahren und bin sehr glücklich. Inzwischen habe ich mich an der Humboldt Universität immatrikuliert und bin Gaststudentin an der Potsdamer Filmhochschule.

Du bist Diplom-Soziologin und studierst Südost-Asien Wissenschaften. Du fotografierst und hast einen Dokumentarfilm gedreht. Wie verbinden sich diese Disziplinen?

Die Menschen. Und das Menschsein. Als ich 23 Jahre alt war, hatte ich mein Diplom in der Hand und keine Ahnung, wohin ich beruflich wollte. Ich interessierte mich für viele Dinge, aber mich selbst zu finden, fiel mir schwer. Dann begann mein neues Leben in Berlin, ich knüpfte neue Freundschaften, verbrachte Stunden im Café, um die damals aktuellen Probleme zu diskutieren, ich probierte vieles aus. Und nach und nach entdeckte ich meine Bestimmung: Ich wollte fotografieren und Filme machen!

Letztes Jahr gab es eine Ausstellung im Collegium Hungaricum Berlin, wo Aufnahmen von Deiner Indienreise gezeigt wurden. Was hat Dich nach Indien geführt?

Ich hatte damals ein staatliches Stipendium für fünf Monate bekommen. Die Ausschreibung war wie für mich gemacht: mit sozial benachteiligten Frauen Filme zu drehen. Mein Aufenthalt in Indien war unglaublich lehrreich. Man kann sich nicht vorstellen, wie die Frauen auf dem Land leben, ohne es mit seinen eigenen Augen gesehen zu haben. Es war auch sehr spannend, mit Indern in der Entwicklungshilfe zusammen zu arbeiten.

Du hast zudem während Deines Aufenthaltes in Indien einen Dokumentarfilm gedreht, willst Du darüber nicht etwas mehr erzählen?!

Das ist richtig, ich hatte in Indien einen weiteren interessanten Auftrag. Ein Bekannter von mir hat in den USA eine NGO gegründet, um mit Hilfe von Freiwilligen in indischen Dörfern Englisch und EDV zu unterrichten. Das Programm nennt sich „The Learning Foundation India". Ich habe dieses Programm gemeinsam mit einer Freundin, Katja Zimmermann, dokumentiert. In der Thar-Wüste, nahe der pakistanischen Grenze, sind wir aus der Perspektive der Freiwilligen den Bildungsmissständen in drei verschiedenen Dörfern auf den Grund gegangen. Die Freiwilligen waren Studenten aus indischen Großstädten. Wir wohnten bei einer Familie und waren so kaum mehr Fremde als die indischen Freiwilligen.

Was denkst Du über Deine Arbeit in Indien? Bist Du mit dem Ergebnis zufrieden?

Ich liebe diese Fotos, und ich liebe den Film. In Anbetracht der extremen Umstände haben wir, glaube ich, unser Bestes gegeben. Oft war es wirklich sehr schwierig, wir mussten gleichzeitig auf die Kinder, auf Tiere, auf Kamele und Ziegen achten, und dabei waren wir nur zu zweit! Aber glücklicherweise haben wir vor Ort und auch in Berlin Hilfe bekommen. Der Film ist 29 Minuten lang geworden, und wird derzeit gezeigt, um die Arbeit der NGO zu repräsentieren.

Was machst Du jetzt? Womit beschäftigst Du Dich?

Zunächst einmal fahre ich nächste Woche für Fotoaufnahmen nach Ungarn, um da ein ganz wunderbares Projekt, die Stolpersteine, zu dokumentieren. Das ist eine Art Holocaust-Denkmal von einem Künstler aus Köln. Er verlegt Steine in die Bürgersteige vor den ehemaligen Häusern der Holocaust-Opfer. Nachdem er mehr als 11.000 Gedenkpflastersteine auf deutschem Boden verlegt hat, setzte er im April seine Arbeit in Ungarn fort. Dann wird es aller Wahrscheinlichkeit nach eine Ausstellung in Heidelberg geben, von Katja organisiert. Das Leben geht also weiter, von Projekt zu Projekt. Ab Oktober habe ich wieder Seminare an der Uni. Und meine „Brotjobs" im Restaurant und in der Marktforschung gehen weiter, die werde ich solange machen, bis ich von meinem „Traumjob", dem Fotografieren und dem Filmemachen leben kann.



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