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20.08.2007

Interview mit Ilkka Vuojala

Leena Kiviniemi
Slideshow
ilkka Vuojala
Ilkka Vuojala

Wir sprachen mit Ilkka, über sein Interesse an Kunst und über den Kunstunterricht an Schulen:

An welchen Projekten arbeitest du zur Zeit?

Ich arbeite an einem Werk, das ein Freund bei mir in Auftrag gegeben hat. Au?erdem plane ich mit meinem Bruder zusammen ein Comic-Projekt. Oft zeichne ich auch so, für mich.

Welche Kunstrichtung ist für dich am interessantesten?

Ich interessiere mich vor allem dafür, einmalige Ereignisse durch Comic-Zeichnungen zu beschreiben. Comics sind sehr wirkungsvoll, um – neben Filmen – Geschichten zu erzählen. Heute erfahren Comics viel mehr Würdigung als das früher der Fall war. Diese "Undergroundkunst" hat sich mittlerweile in der ganzen Welt verbreitet.

Woher nimmst du deine Ideen?

Meine Ideen entstehen im Alltag, wenn ich Menschen und Ereignisse um mich herum beobachte. Bücher, Filme oder ein auf der Stra?e getroffenes Gesicht inspirieren mich, au?erdem beeinflusst die Kunst, die ich sehe, meine Werke. Mein Lieblingsthema ist der Mensch – sein Körper, seine Mimik und seine Gesten. Wenn ich Portraits zeichne, versuche ich in jedem, etwas besonderes zu finden und diese Besonderheiten zu betonen.

Fast alle deiner Bilder haben keinen Titel. Warum?

Manche Künstler verbringen viel Zeit damit, Namen für ihre Kunstwerke zu finden. Ich habe keine Lust meine Werke zu benennen. Deswegen mache ich es auch nur, wenn es nötig ist und dann geschieht das, ehrlich gesagt, auch sehr achtlos. Ich bin der Meinung, wenn ein Kunstwerk einen Namen braucht, damit man es besser versteht, verfehlt das Werk seine Intention.

Welche Kunstwerke und Künstler haben dich am meisten beeindruckt?

Ich bin halb Ungar und die künstlerische Umgebung Budapests hat einen starken Eindruck auf mich gemacht. Darum sind meine Lieblingswerke dort zu finden. Die Statuen am Heldenplatz in Budapest sind die ausdruckstärksten Kunstwerke, die ich kenne.

An Künstlern könnte ich eine sehr lange Liste aufzählen. Aus der Kunstgeschichte haben mich sehr viele Meister beeindruckt. Die Personen, die mich am meisten beeindruckt haben, sind mein ungarischer Gro?vater und meine finnische Gro?mutter, die mir von klein auf sehr viel beigebracht haben. Sie sind beide sehr talentiert und ohne sie hätte ich nie mein Studium der Kunstpädagogik angefangen. Auch von meinem gro?en Bruder habe ich sehr viel gelernt, er hat mich immer sehr motiviert. Was Comics angeht, mag ich die Werke von Bilal, Manara, Miller, Watterson und Franquin sehr. Aus der Kunstgeschichte wiederum schätze ich viele Künstler aufgrund ihrer technischen Fähigkeiten. Unter den finnischen Künstlern mag ich besonders Gallen-Kallela, Schjerfbeck und Edelfeld. Und natürlich geben mir auch berühmte Künstler wie Michelangelo, Mucha und Beardsley sehr viel Inspiration.

Was möchtest du mit deiner Kunst erreichen?

Ich möchte mich weiter verbessern, damit ich meinen Schülerinnen und Schülern später viel beibringen und selbst auch vom Unterrichten leben kann. Die meisten meiner Werke dienen mir zum Experimentieren mit verschiedenen Techniken und Stilen. Wenn ich einen Auftrag bekomme, versuche ich immer die Ansprüche zu erfüllen oder noch zu übertreffen. Manchmal möchte ich mit meiner Kunst auch meine Meinung mitteilen. Mit Comics erzähle ich Geschichten, und natürlich wäre es schön, wenn ich meine Kunst vielen Menschen näher bringen kann.

Karl Valentin sagte einmal „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit". Warum nimmst du all die Arbeit auf dich? Was bewirkt Kunst bei dir persönlich?

Die Kunst ermöglicht mir, vor den Sorgen des Alltags in eine andere Welt zu fliehen und meine Gefühle und Meinungen zu beschreiben. Durch die Kunst anderer entwickle ich Ideen und kann auch in die Welten, die sie erschaffen haben, eintreten.

Beschreibt Kunst Realität?

Ja und Nein. Kunst wird oft benutzt, um die Missstände in unserer Welt aufzuzeigen und zu kritisieren. Gleichzeitig erschafft man aber auch neue Welten.

Ist Kunst Sache des Künstlers?

Ja, aber wenn der Künstler seine Werke ausstellt, muss er mit Kritik rechnen. Kritik ist sehr wichtig für die Entwicklung des Künstlers. Die Botschaft, die hinter dem Werk steht, ist etwas anderes und sollte nicht kritisiert werden, da sonst die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird.

Deiner Meinung nach, wird die Technik nicht genug kritisiert...

Besonders in Schulen ist das der Fall und das ist auch ein Grund dafür, warum die heutige Kunst schlechter geworden ist. Ich meine, wenn ein Künstler viel zu sagen hat, aber keine gute Technik hat, wäre es besser, wenn er schreiben würde. Die Botschaft würde unter der schlechten Technik leiden und damit vielleicht nur teilweise oder sogar falsch verstanden werden.

Du studierst Kunstpädagogik. Warum hast du dich dafür entschieden?

Es war die beste Alternative. Ich will mit Kunst arbeiten, aber auch damit Geld verdienen.

Was möchtest du deinen Schülern und Studenten beibringen? Möchtest du ihnen auch etwas von dir mitteilen?

Ich möchte, dass sie die Geschichte der Kunst lernen. Ich möchte meinen Schülern und Studenten die Grundlagen des künstlerischen Zeichnens beibringen und ihnen helfen ihren eigenen Stil zu finden.

Hast du eine Idee, wie man den heutigen Kunstunterricht in den Schulen verbessern könnte?

In Finnland ist die Kunstpädagogik sehr schlecht geworden, und es gibt auch weniger Kunstunterricht in der Schule. Das liegt vermutlich wiederum daran, dass sich die Qualität des Kunstunterrichts so verschlechtert hat. Das Knowhow der Kunstlehrer ist nicht mehr so umfassend und es ist schwierig, etwas, das man selbst nicht gut kann, anderen beizubringen. Das Rückgrat der bildenden Kunst ist die Beherrschung der Grundlagen. Der Lehrer sollte nicht nur Kreativität lehren, sondern die Grundlagen beibringen und den Schülern und Studenten Wissen über Kunst und Kunstgeschichte mitgeben. Bereits in der wissenschaftlichen Lehre an der Universität fangen diese Missstände an. Kunstpädagogikstudenten sitzen jahrelang in Vorlesungen, wie beispielsweise Jura-Studenten, aber am Ende beherrschen sie z.B. noch nicht einmal die Grundlagen der Anatomie. Das Kunststudium könnte viel von seinem Bruder, dem Musikstudium lernen. In der Musik, lernt man zuerst die Beherrschung der Instrumenten und das Notenlesen und dann langsam mit viel ?bung geht man weiter zu schwierigeren Sachen. Meiner Meinung nach sollte man im Kunststudium ganz ähnlich vorgehen.



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