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Iranischer Filmemacher M.A. Talebi zum Thema Kinder als mediales Kontra zu Krieg

Hanna Gabel
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Langsam gehen die Lichter im Kinosaal vom Haus der Kulturen der Welt wieder an. Der Abspann des iranischen Films aus der Berlinale Sektion Kplus läuft, während sich der Regisseur Mohammad Ali Talebi unter tosendem Applaus den Weg zu der Moderatorin vor der Leinwand bahnt. Im Interview erklärt er, dass der Titel seines Filmes Bad O Meh (2011) sich auf die einander ablösenden Erscheinungen von Wind und Nebel bezieht. Es ist entweder das eine oder das andere, eine Methapher, die bewusst gewählt wurde, um die Thematik seines Films über Kinder im Krieg zu unterstreichen. Antagonismen im Kino wirken, sie sind radikal und beeinflussen die Auslegung eines Films maßgeblich. Gerade in Bezug auf Kriegsfilme ist eine oppositionelle Darstellung oftmals unumgänglich für das Voranschreiten der Handlung. Der Protagonist und der Antagonist eines Films werden als solche vom Zuschauer identifiziert und auf dem ergreifenden Weg der Verdichtung der Handlung bis hin zum Höhepunkt der Ereignisse emotional begleitet. Den meisten Regisseuren ist dabei viel Freiraum gegeben, sie können mit den Erwartungen des Publikums spielen und die Empathie der Zuschauer lenken und verschieben. Bei der Darstellung von Kindern im Krieg ist das jedoch viel komplexer als man meint, besonders, wenn es sich um einen iranischen Kinderkriegsfilm handelt.

Den Kinder-Krieg-Kontrast erklärt Horst Schäfer, Autor, Filmjournalist und Medienpädagoge damit, dass Kinder als Symbol des Schutzbedürftigen und Unschuldigen das überzeugendste und eindringlichste Bild sind, das gegen den Krieg als Inbegriff des Grauens und der Unsicherheit gesetzt werden kann. Doch Kinder sind in diesen Kontexten nicht nur als mediales Kontra zu Krieg zu verstehen, sondern vor allem als tatsächliche Opfer hervorzuheben. Die realistische Darstellung und Drastik dieses Missstandes wird dem Publikum oft sehr nüchtern und nachdringlich vor Augen gehalten. Tatsächlich jedoch sind es oft Kinder, an die sich solche Filme richten, weswegen sie nur mit viel Sensibilität und pädagogischem Fachwissen produziert werden müssen. Thematische Vor- und Nachbereitungen sind ein wichtiger Aspekt einer solch komplexen Auseinandersetzung und Konfrontation im Kindesalter.

Bad O Meh ist ein Film mit Kindern und für Kinder - aber auch für Erwachsene. Er ist mit vielen kontrastreichen Symbolen angereichert, die zu verstehen geben, dass Krieg nichts Gutes bedeutet. Speziell bezieht sich der Regisseur dabei auf den Irakkrieg des Jahres 2003 der, wie die meisten Kriege, durch Bombenangriffe viele Zivilisten und hier vor allem Kinder zum Opfer hatte. Landschaften des Nordens und des Südens bieten im Film eine abwechslungsreiche Kulisse, alte und junge Darsteller sowie die Integration unterschiedlicher Elemente und Methaphern, wie etwa der Tod einer weißen Gans oder die Suche nach dem verlorenen Schuh, sorgen für eine spannende Atmosphäre und beweisen, dass Kinderkino auch ernst sein darf und soll. Nach der Filmpremiere auf der Berlinale betont Mohammad Ali Talebi, dass sein Film auch Erwachsene zum kritischen Denken anregen soll und zwar dahin gehend, welchen Einfluss Krieg auf Kinder und Kindheit im allgemeinen hat. Die Ambiguität der symbolischen Elemente des Films ist auch beim Interview mit dem Regisseur zu erkennen, doch was auf den ersten Blick fadenscheinig wirken mag, ist im Prinzip nichts anderes als ein erlerntes Umgehen der eindeutigen Aussage: der Krieg muss aufhören, schon allein darum, weil vorwiegend Unschuldige und Kinder zu Schaden kommen. Klar ist, dass sich dies von einem westlichen Standpunkt aus viel einfacher sagen lässt als von dem des Regisseurs. Es ist für Filmemacher seines Landes sehr schwer sozial-politische Themen in Filmen anzusprechen, da öffentliche Behandlung solcher Themen oftmals Konsequenzen nach sich zieht. Bei genauerem Hinsehen wird auch klar, warum eine auffällige Mehrheit aller Filme aus dem Iran von Kindern gespielt werden und an Kinder gerichtet sind, es ist eine mediale Hintertür, durch die eine gleichermaßen an Erwachsene und Kinder gerichtete Botschaft vermittelt wird. Verheerend ist, dass letzteren nur im Film eine Stimme gegeben wird und im tatsächlichen Leben das Kind als eigentlicher Protagonist im Krieg verliert.



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