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Ein Sri Lanker in Berlin – Lebenswerk eines Immigranten

Sabrina Loos
Slideshow
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„Ich glaube, ich habe in meinem Leben Vieles getan und einige Menschen glücklich gemacht. Mein Leben war nie nur für mich da gewesen, sondern auch für andere. Man sagt, dass das verschenkte Glück zu einem zurückkehrt. Vielleicht stimmt das, jedenfalls bin ich glücklich."

Mehr als 30 Jahre ist es mittlerweile her, dass Wijerathna Storz-Vidanage nach Berlin kam und anfing, sich hier ein Leben aufzubauen. Und aufgebaut hat er seitdem wirklich viel. Interesse und Neugier waren es, die den Sri Lanker 1972 nach Deutschland brachten. Er entschied sich, zunächst eine Ausbildung zum Zahntechniker zu machen und arbeitete sich nach erfolgreichem Abschluss schnell zum Labor- und Praxisleiter hoch. Die Beschäftigung mit der Zahnmedizin machte ihm großen Spaß, gleichzeitig war es ihm jedoch ein wichtiges Anliegen, ein Stück seiner Heimatkultur zu bewahren und in Berlin zu etablieren. Er gründete daher zusammen mit einigen seiner Landsleuten die „Sri Lanka Association", die es sich mit der Zeit u.a. zur Aufgabe machte, verschiedene Hilfsprojekte in Sri Lanka auf die Beine zu stellen.

Wenig später kam es zur Eröffnung seines ersten Restaurants „Chandra Kumari" in Kreuzberg, in dem sri-lankische und indische Spezialitäten aus durchweg ökologisch angebauten Lebensmitteln angeboten wurden und das seinerzeit das erste Restaurant dieser Art in ganz Deutschland war. Das einzigartige kulinarische Angebot fand schnell Anklang und veranlasste die Eröffnung eines zweiten, größeren Restaurants im Prenzlauer Berg, dem „Suriya Kanthi".

Seit einigen Jahren ist Storz-Vidanage auch Mitinhaber der Firma „Cocoport", die umweltfreundliche Blumenerde aus Kokosfasern in Form von Briketts vertreibt. Doch nicht nur der Umwelt soll Gutes getan werden. Durch die Gründung des Ayurveda Wellness Zentrums „Surya Villa" mitten in Berlin möchte Storz-Vidanage den Menschen im Großstadttrubel einen Ort der Entspannung und der Stille schenken, an dem sich Körper und Geist von der Hektik des Alltags erholen können. Da er selbst in Sri Lanka eine Ayurveda Ausbildung gemacht hat, lehrt er die alte indische Heilkunst des Ayurveda in seinem Zentrum seit 2008 auch selbst. Nebenbei hat er übrigens auch noch das Amt des Präsidenten des Vereins Deutsch Sri Lankische Partnerschaft DeSpa e.V. inne, zu dessen Gründung es Anfang 2005 anlässlich der schweren Flutkatastrophe in Südostasien gekommen war.

Storz-Vidanage ist Ehemann und Vater, Geschäftsmann und Aktivist, Immigrant und etablierter Berliner in einem. Eine erstaunliche Leistung und fortwährende Herausforderung, die nur mit viel Durchhaltevermögen und Willenskraft möglich ist. In der Surya Villa hatte ich die Möglichkeit ihm ein paar Fragen zu stellen...

Die „Sri Lanka Association" war Ihr erstes gemeinnütziges Unternehmen. Welche Art von Projekten haben Sie denn bspw. ins Leben gerufen?

Also ich weiß noch, unser erstes Projekt war eine Benefizveranstaltung zu Gunsten einer Krankenhausmodernisierung in der Nähe meines Heimatortes in Sri Lanka. Mit den Geldern haben wir unter anderem einen Wassertank aufgebaut und richtige Toiletten errichtet.

In einem anderen Projekt organisierten und bezahlten wir für 44 Menschen aus einem Altersheim eine Pilgerfahrt zum Kataragama Tempel. Es war für alle das erste Mal, dass sie an einer solchen Tour teilnehmen konnten, da sie normalerweise kein Geld für so etwas haben.

Irgendwann später einmal habe ich von meinen Privatgeldern ein Dorf mit Elektrizität versorgt. Ich habe Lampen gekauft und Handwerker organisiert. Die Menschen waren damals sehr dankbar, denn die Bereitstellung von Strom eröffnete ihnen plötzlich ganz neue Möglichkeiten. Sie konnten jetzt Fernsehen und Nachrichten gucken, Radio hören und die Kinder hatten zum Beispiel auch die Möglichkeit abends länger in einem Buch zu lesen. Noch heute bin ich für diese Menschen derjenige, der ihnen Licht gegeben hat und jedes Mal, wenn ich in dem Dorf zu Gast bin, werde ich von ihnen freundlich begrüßt und empfangen.

Und was genau macht der DeSpa e.V.?

Momentan gibt es eigentlich zwei verschiedene Projekte, die wir betreuen. Wir sammeln einerseits Spenden für ein Kinderheim nördlich von Colombo, dass wir renovieren möchten. Einhergehend damit schicken wir z.B. Kleidercontainer dorthin. Zweimal habe ich auch schon die Tageseinnahmen meiner Restaurants für das Kinderheim gespendet. Des Weiteren haben wir ein Projekt an der Universität von Colombo gestartet, wo wir ein Zentrum zur Behandlung von traumatisierten Kindern aufbauen und Lehrern und Doktoren vor Ort Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich der Psychologie bieten möchten, damit den Kindern bessere psychologische Hilfe und Betreuung geboten werden kann.

Neben Ihrem sozialen Engagement sind Sie aber auch ein erfolgreicher Geschäftsmann. Sie besitzen zwei namhafte Restaurants in Berlin. Was ist das Besondere an ihnen?

Naja, zum einen ist es natürlich die Beschaffenheit unserer Speisen, die eben nur aus ökologischem Anbau stammen und mit authentischen Gewürzen aus Sri Lanka abgestimmt werden. Zum anderen ist es vermutlich der orientalische Stil der Einrichtung. Vor allem das Suriya Kanthi ist in seiner Aufmachung sehr originell und hat mich fast anderthalb Jahre Renovierungs- und Umbauarbeiten gekostet. Die Malereien an Decke und Wänden stammen von einem tamilischen Freund und Künstler und das Waschbecken in der Mitte des Restaurants hat mir so einige Gespräche mit dem Gesundheitsamt abverlangt. Aber es hat sich gelohnt: Bis heute sind wir wahrscheinlich das einzige Restaurant in Deutschland mit einem zentral gelegenen Waschbecken. Unsere Gästen sollen damit eingeladen werden, unserer sri-lankischen Tradition zu folgen und mit den Händen zu essen! Wer es einmal ausprobiert hat, wird es zu schätzen wissen. Jedes Häppchen wird individuell gemischt und hat einen anderen Geschmack. Und wenn man sich überlegt wie viele Menschen weltweit mit den Händen essen – allein in Indien sind es über 1 Million – wirkt es schon gar nicht mehr so befremdlich.

Wie haben Sie Ihren Anfang in Deutschland erlebt? Welche Probleme gab es und wie schwer war es für Sie, hier Fuß zu fassen?

Oh, es war sehr schwer. Vor allem die Sprache war für mich sehr kompliziert zu lernen. Und dabei sind Sprache und Kommunikation natürlich die Grundlage überhaupt, um sich irgendwo etablieren zu können. Es passieren so viel mehr Missverständnisse, wenn keine gemeinsame Sprachgrundlage besteht. Was in einem Land vielleicht Spaß ist, ist in einem anderen Land bitterer Ernst. Man braucht die Sprache unbedingt, um seine Anliegen erklären zu können, zu lernen zwischen den Zeilen zu lesen und natürlich auch, um Kultur und Mentalität eines Landes wirklich kennenzulernen. Das Erlernen einer Sprache in einem Land, in dem man lebt, ist außerdem ein Zeichen der Anpassung und der Akzeptanz. Man muss nicht alles gut finden, was die anderen machen, aber man sollte offen dafür sein, etwas von anderen zu lernen. Es geht dabei auch um den interkulturellen Austausch, darum, das Geben und Nehmen in einer guten Balance zu halten und natürlich darum, einander zu respektieren. All dies war für mich zu Beginn, aufgrund der Sprachbarriere, sehr mühsam.

Können Sie sich vorstellen für immer hier in Deutschland zu bleiben oder möchten Sie irgendwann wieder zurück nach Sri Lanka?

Nun, das ist eine sehr schwierige Frage, bei der ich immer in einem Zwiespalt stehe. Ich liebe meine Heimat, aber mir ist es zum Beispiel sehr wichtig geworden, dass meine beiden Restaurants und die Ayurveda-Villa bestehen bleiben und es ihnen gut geht. Ich bin der Hauptverantwortliche und mache mir bereits im Urlaub Sorgen, ob alles gut abläuft, wenn ich mal nicht da bin. Zusätzlich bin ich über die Jahre natürlich von der deutschen Mentalität beeinflusst worden und diese baut u.a. auf Sicherheit im Alter. In Sachen Lebensplanung und Altersvorsorge bin ich also wahrscheinlich ziemlich deutsch geworden. Das Gute an Deutschland ist einfach, dass ich hier besser leben kann und mir das die Möglichkeit gibt, mehr Menschen helfen zu können.

Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Projekte und Unternehmen? Und welche Motivation und Inspiration treibt Sie dabei an?

Zunächst einmal bin ich schon immer kämpferisch gewesen und habe versucht mich kulturell und politisch zu engagieren, z.B. durch Demonstrationen gegen soziale und gesellschaftliche Missstände. Meine Inspiration ist mein Glaube an Gerechtigkeit und Frieden. Meine Motivation sind meine Ideen. Meistens kamen diese sehr spontan zustande, im Falle der beiden Restaurants oder der Villa, indem ich einfach irgendwo lang gelaufen bin und gesehen habe, dass es etwas zu mieten gab. Ich habe mich dort umgesehen, eine Idee bekommen, den Mietvertrag unterschrieben und angefangen etwas aufzubauen. Bei meinen Projekten ist es ähnlich. Ich sehe: Hier muss gehandelt werden – und ich versuche zu handeln.

Wenn Sie der Welt eine Botschaft mit auf den Weg geben könnten, welche würde das sein?

Es ist für mich wichtig, dass die Menschen lernen tolerant zu leben, dass andere Mentalitäten, Religionen, Kulturen und Hautfarben akzeptiert werden. Ich habe am eigenen Leib erlebt wie es ist, nicht akzeptiert zu sein und sehe noch heute, dass manche Menschen mit der Akzeptanz ihre Schwierigkeiten haben. Viele haben es gelernt, aber die Masse an intoleranten Menschen ist immer noch zu groß. Wir sollten erkennen, dass wir irgendwo alle eins sind und viel mehr gemeinsam haben, als wir denken. Ich denke dabei immer an Musik. Musik verstehen alle Menschen.

http://www.suriya-kanthi.de/

http://www.chandra-kumari.de/

http://www.despa-online.de/

http://www.ayurveda-wellnesszentrum.de/

http://www.srilankans-berlin.de/



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