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Interview mit dem japanischen Tischler Shigeki Yamamoto

Mio Fujiwara
Slideshow
Shigeki Yamamoto

„Es gibt kein 'unbedingt' für mich",
sagt Shigeki Yamamoto, ein 30-jähriger Japaner, der als Tischler in Berlin arbeitet - auch während meines Interview mit ihm.

Bereits in Japan ging er seiner ungewöhnlichen Leidenschaft nach, "Sachen" herzustellen.
Seit seiner Kindheit fertigt er gerne schöne und kunstvolle Objekte an. Nach seinem Abitur in Osaka schaffte er zahlreiche Kunstobjekte, die er später ausstellte.

Die anschließende Europareise und der Besuch der Privatausstellung "Design Mai" war entscheidend für seine zukünftige Laufbahn: Er erkannte, dass Industrieprodukte und handgemachte Sachen grundlegend verschieden sind: Industriell hergestellte Produkte können nie mit der Qualität und der Ästhetik von selbst hergestellten Gegenständen mithalten. Diese Erkenntnis war der Auslöser für sein Anliegen, von nun an nur noch handgefertigte Sachen zu produzieren, um so auch deutlich zu machen, was mit Industrieprodukten nicht erreicht werden kann.

Während dieser Phase arbeitete Yamamoto mit den unterschiedlichsten Materialien. Jedoch zeigte sich bald eine Affinität zu Holz, das dann zum Hauptgegenstand seiner Arbeit wurde. Ebenso bot sich ihm in jener Zeit die Gelegenheit,nach Deutschland zu kommen, um hier an einem Handwerkprogramm teilzunehmen und die Holzbearbeitung intensiv zu erlernen.

Die Auswanderung nach Deutschland war reiner Zufall und keine bewusste Entscheidung. In Japan ist es sehr wichtig, dass Menschen klare Ziele haben und möglichst bald in eine klare Struktur integriert sind. Diese Ziele im Ausland zu verwirklichen und ein Netz zu finden, in das man schnell eingebunden ist, ist in meinen Augen jedoch oft sehr schwer.

Für einen Japaner ist es nicht leicht im Ausland zu arbeiten, da er sich (wie viele Ausländer auch) vielen Hürden stellen muss: Als erstes wäre da die Sprachbarriere, die zumindest anfänglich nur schwer überwindbar ist. Hinzu kommt die kulturelle Umstellung. Ich dachte, dass es für Menschen grundsätzlich nicht möglich ist, längerfristig im Ausland zu leben, ohne über einen starken Willen zu verfügen und konkrete Zukunftspläne zu haben. Deshalb hatte ich auch die Vorstellung, dass Menschen eine Grundeinstellung haben, die ein "unbedingt" unweigerlich einschließt. Die Tatsache, dass Yamamoto sein Heimatland so spontan verlassen hat, hat mich daher sehr gewundert.

Yamamoto scheint jedoch ein besonderer Fall zu sein: Natürlich bemüht er sich mit Leib und Seele seinen Traum zu erfüllen, jedoch betont er auch, dass, wenn es mit der Schreinerei nicht klappen sollte, immer andere Alternativen offen stehen. Eine durchaus positive Einstellung, wie ich finde.

Diese ungezwungene und lockere Haltung kommt auch in seinen Werken zum Vorschein:
Ein Gegenstand, der mich besonders beeindruckt hat, war eine Lampe: das Holz war sehr liebevoll bearbeitet und erinnerte mit seinen weichen, runden Formen an die Gestalt eines jungen Mädchens. Selbst das Licht strömte warm und mild ins Zimmer und verbreitete eine sehr angenehme Atmosphäre, mit der die langen Wintertage gut überbrückt werden können.

Yamamoto sagt, dass er eine andere Ausdruckskraft als die Deutschen besitze. Er glaubt, dass er diese am besten direkt durch seine Werke zeigen könne. Dabei spiele das Zielpublikum für ihn keine Rolle, ob Deutsche, Japaner oder sonst Menschen - das Holz ist für ihn Ausdrucksmittel seiner inneren Welt und diese möchte er mit seinem Umfeld teilen.
Der geschickte Umgang mit der Sprache ist natürlich von Vorteil, meint Yamamoto. Da er diese jedoch nicht so gut beherrsche wie die Deutschen, bleibe ihm nichts anderes übrig, als mit der Anziehungskraft und Ausdrucksstärke seiner Werke mit den Menschen zu kommunizieren. Dabei ist ihm die Reaktion der Leute auf seine Produkte besonders wichtig. Seiner Meinung nach ist die Resonanz, die auf seine Werke fällt, bereits eine Art "Kommunikation". Sie fordere ihn auf, auf diese zu reagieren. So entstehen neue Werke, die wieder etwas vermitteln und eine neue Reaktion auslösen. Auf diese Weise wird eine eigene Kommunikationskette hervorgerufen, die ohne Sprache funktionieren kann und universell verständlich ist.

Shigeki Yamamoto hat mir durch unser Interview den Eindruck vermittelt, dass er sowohl das Herstellen von Gegenständen als auch die Menschen mag.
„Das Herstellen von Dingen ist mein Lebensinhalt und damit kann ich mich den Menschen mitteilen, egal, welcher Nationalität sie angehören. Was ich machen möchte, ist recht simpel: Meine Werke werden verkauft, kommen in Umlauf und ich verdiene dabei zu einem gewissen Grad Geld. Danach stelle ich neue Werke her, wieder und wieder. Ich muss und will nicht reich werden. In diesem Zyklus ist das einzige, was ich brauche, Menschen zu finden, die meine Werke verstehen und schätzen.

Es ist nicht einfach, aber ich werde mich weiter anstrengen".

Er hat vor, künftig noch mehr Zeit in seine Arbeit zu investieren und im Winter neue Konzepte und Werke herzustellen. Das längerfristige Ziel ist, im nächsten Jahr eine eigene Werkstatt in Berlin zu besitzen. Es gibt bereits einige Geschäfte in Berlin, die seine Produkte verkaufen. Aber ich bin mir sicher, dass wir in Zukunft in immer mehr Läden und Galerien Werke von ihm vorfinden werden, da er eine Sprache benutzt, die allen Menschen zugänglich ist.

Mehr über Shigeki Yamamoto findet sich unter der Adresse

http://shigekiyamamoto.com



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