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Noshin Shahrokhi

Unerfüllte Träume einer Iranerin, kartonierter Einband, 2008 im Glaré Verlag erschienen.

Livia E. Facklam
Unerfüllte Träume einer Iranerin

Ein malerischer Roman von den Widerständen der modernen iranischen Frauen zur Zeit der islamischen Revolution.

Parastu, eine moderne Iranerin strebt nach einem Leben orientiert an ihren Bedürfnissen und der Freiheit, als Individuum in einer traditionellen Gesellschaft mit strikten Regelungen und strengen moralischen Vorstellungen. Mit dieser Einstellung stößt sie jedoch auf Widerstand.
Eine unverheiratete Iranerin mit, wie sich herausstellt, einem unehelichen Kind und hinzu noch die westlichen Attitüden. Sie raucht, kleidet sich nicht mit dem traditionellen Tschador, ist belesen und empfindet es als unrecht, dass Männer mehr Selbstbestimmung zugeschrieben wird als den Frauen.

Ihr Vater und seine neue Familie, zu der sie nach dem Tod ihrer Mutter ziehen muss, sieht sie als Sünderin an. Voller Hass auf die westliche Welt wird Parastu die perfekte Projektionsfläche für den Neid und Fanatismus ihrer Familie.

Nach ihrem Tod sieht sich Nilufar, die Tochert Parastus, der gleichen Unbarmherzigkeit dieser Welt ausgesetzt.
Nachdem aufgedeckt wurde, dass sie ein "Bastard" ist und nicht wie vorgegaukelt, die Schwester der anderen Mädchen, spürt sie, dass bereits mit der Geburt der Weg des Schicksals geschrieben zu sein scheint.
Weder ihre eigene Familie, noch die des Ehemanns nimmt sie liebevoll an. Als ihr Mann und ihr einziger Schutz in dieser Gesellschaft, der islamischen Revolution zum Opfer fällt, verlässt Nilufar jegliche Kraft und sie ehelicht einen Mann, den sie nicht liebt. Mit ihm bekommt sie zwei Kinder und trotz Betrug und dem Fehlen von Liebe, flüchten sie zusammen nach Deutschland.

Nilufar akzeptiert die Trostlosigkeit ihres Lebens und eben hier trifft sie einen iranischen Mann, den sie aufrichtig liebt. Sie verlässt ihre Familie, um mit ihm ein erfülltes Leben zu genießen und findet erschreckenderweise heraus, dass er ihr Vater ist.

Der auktoriale Erzähler wird durch die Schwägerin Parastus verkörpert und offenbart als außenstehende, allwissende Person einen intimen Einblick in die Gefühlswelt der Protagonisten.
Die häufig malerische Darstellung der Protagonisten und ihrer Umwelt hinterlassen einen Eindruck der Melancholie und Schwere. Das vollständige Weglassen von Kapiteln schafft einen nahtlosen Übergang zwischen den Begebenheiten.

Der Leser erhält einen gespaltenen Einblick in die Gefühle der Gesellschaft zur islamischen Revolution. Die Oppositionellen fürchten um eine diktatorische Einschränkung ihres Lebens bezüglich ihrer Individualität und Bildung, während die tief religiös verankerte Gesellschaft voller Wut und Entschlossenheit einem Wandel des Regimes entgegensieht. Noshin Shahrokhi, 1964 in Teheran geboren, lässt in ihrem ersten deutschsprachigen Roman, ihre persönlichen Eindrücke zur islamischen Revolution durch die modernen Frauen des Irans wirken und hinterlässt einen tiefen Eindruck beim Leser. Sie selbst studierte Germanistik und Religionswissenschaften in Deutschland und gibt in ihrem Roman zu erkennen, dass es nicht nur die bösen Männer, sondern auch die fanatisch traditionellen Frauen des Irans sind, die sich gegen die Emanzipation der Gesellschaft stellen.

Ein empfehlenswerter Roman, der eine Einsicht in die Beengtheit dieser gesellschaftlichen Normen bietet.



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