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Kaum eine Musikrichtung hat solche Spuren in Europa hinterlassen, wie die Gypsy-Musik der Roma. Ihre Musik ist angereichert mit Leidenschaft, Energie und Gefühl. Diese Eigenschaften und die Virtuosität der Improvisation scheinen aber auch schon alle Gemeinsamkeiten der verschiedenen Stilrichtungen der Gypsy-Musik zu sein.
Auf ihren Wegen quer durch Europa entwickelte sich die Musik der Roma entsprechend der musikalischen Bedürfnisse des jeweiligen Kultur- und Gesellschaftskreises.
Als „Wandervolk" bezeichnet, wiesen die Roma jedoch nie die nomadischen Eigenschaften auf, die ihnen nachgesagt werden, sondern eine Historie von Flucht und Vertreibung seit vielen hundert Jahren.
Um die Entwicklung der Gypsy-Musik ergründen zu können, ist ein kleiner Einblick in die Geschichte der Roma nötig.
Die Wurzeln der frühen Roma liegen in Indien - Punjab. Auch dieses Gebiet wurde um 334 v. Chr. zum Herrschaftsgebiet von Alexander dem Großen, welcher die griechische Sprache und Kultur in den Regionen Asiens verbreitete. Hier liegt auch der Ursprung des Romanes, der Sprache der Roma.
Mit dem Auftreten Mahmoud von Ghazna um 1000 breitete sich der Islam im Punjab aus und verdrängte Buddhismus und Hinduismus. Mahmoud von Ghazna verschleppte und versklavte tausende Menschen aus dem nordindischen Gebiet. Aus jenen Sklaven gingen die heutigen Roma hervor.
Als 1206 die Ghaznawiden Dynastie zerfiel, waren die Roma zwar frei, jedoch hatten sie keine territorialen Ansprüche und verloren durch die fortschreitende Islamisierung ihre religiöse Identität. 200 Jahre später erfuhren die Roma mit dem Einfall der christlichen Mongolen eine vollständige Entwurzelung. Da sie keinerlei politische Macht und somit auch keinen Schutz aufzuweisen hatten, blieb ihnen in Zeiten der Konfrontationen zwischen den Mächten nur die Flucht gen Westen. Ihre Wege führten über Pakistan nach Afghanistan, in den Iran bis Jordanien, Ägypten, Armenien und im 14. Jahrhundert schließlich über die Türkei nach Europa. Vor 1000 Jahren wurden die Roma heimatlos und sind es bedauerlicherweise bis heute.
Durch ihre Flucht durch Asien und Europa etablierte sich das Klischee der musischen Nomaden. Begünstigt wurde dies aufgrund ihrer häufig ausgeübten Tätigkeiten als Kupfer-, Huf- und Waffenschmiede, sowie als Siebmacher, Gerber, Teppichhändler, Pferdezüchter und vor allem Tänzer, Musiker und Schausteller. Für ihr großes musisches Talent wurden sie stets verehrt und beneidet.
Als ewig Fremde waren sie immerwährend die perfekten Sündenböcke.
So wurden die „Zigeuner" für Pest, Cholera und Rattenplage verantwortlich gemacht, sowie des Kannibalismus, der Hexerei, des Diebstahls und des Kindesraubes bezichtigt. Diese Vorurteile haben erschreckenderweise bis heute Bestand.
Über Jahrhunderte hinweg wird deutlich, dass nahezu alle europäischen Staaten lebensfeindliche Gesetze gegen Roma erlassen haben.
Das Strafmaß erstreckte sich von Verbannung über Folter und Verstümmlung bis hin zur Sklaverei, Zwangsarbeit oder sogar der Todesstrafe für ihre bloße Existenz.
Wie modern und zivilisiert sich Europa heute auch darstellt, noch immer ist eine optimale Lösung der Romaproblematik nicht gefunden. Lediglich für unsere zivilisierte Gesellschaft in Gesetze verpackt und mit Heuchelei zugeschnürt, wird doch deutlich das Erlassungen wie „kurzfristige Aufenthalte" mit Zwangsmaßnahmen für eine Überschreitung der Aufenthaltsfrist, der Sozialhilfeentzug oder die Erschwerung zur Erlangung eines Wohnraumes auf eine Lösung durch Vertreibung abzielen.
Doch diese Wahrheit offen anzunehmen, würde nur ein schlechtes Gewissen und sicher keinen Orden für den gütigsten Menschen voller Liebe und Mitgefühl für seine Mitmenschen einbringen.
Ohnehin ist diese Haltung nur Wortklauberei und eine Verdrehung der Tatsachen.
Macht nix, mit den paar Cent für den Straßenmusiker ist mir mein Weg ins Paradies bestimmt sicher.
Trotz der Verachtung, welche die Gesellschaft den Roma entgegen brachte, hinterließen ihre künstlerischen Fähigkeiten einen bedeutsamen Eindruck und inspirierte die musische Kultur vieler Länder. Der Einfluss der Roma – Musik ist z.B. im spanischen Flamenco zu finden.
Durch die Assmilation an die ansässige Musiklandschaft ist es unmöglich eine Definition für die Gypsy – Musik zu fingen, da sich kein einheitlicher Musikstil erkennen lässt. Die Vielfalt dieser Musikrichtung wird allein schon bei der theoretischen Betrachtung der Musik deutlich. So sind keine Grenzen in der Wahl der Tonleitern gesetzt. Ob nun die Dur-Tonleiter, die in Serbien häufig vertretene modale Leiter oder wie in Mazedonien und Südserbien die phrygische Skala verwendet werden, beeinträchtigt den Stil in keiner Weise.
Für die Roma selbst war und ist die Musik ein Mittel der Identifikation und Kommunikation. Selbstverständlich war die Tätigkeit als Musiker am Broterwerb orientiert, jedoch spielt das gemeinsame Musizieren bis heute eine tragende Rolle für die Sozialstruktur der Familien. Schon früh erfahren die Kinder eine musikalische Ausbildung mitten im Kreis der Familie. Bereits hier wird die Kunst der Improvisation erlernt, da der Ausbildung keine Theorie, sondern schlicht das gemeinsame Praktizieren zugrunde liegt.
Heute ist die populäre Gypsy-Musik eine Mixtur aus traditionellen und modernen Klangelementen. Stets ist der Gypsystil deutlich zu erkennen, jedoch gibt es in dem Sinne keine Reinform, da sich die Musik der Roma stets zum jeweiligen Kulturkreis und damit den Charakteristika der ansässigen Hörgewohnheiten assimiliert hat. Die Virtuosität der Musiker ist ersichtlich am Beispiel von bekannten Bands wie „KAL" aus Serbien, die sich selbst als Gypsy Rockabillys bezeichnen, oder Fanfare Cicarlia aus Rumäninen, welche den Gypsystil mittels einer Blaskapelle interpretieren.
Trotz der enormen Bandbreite scheint allen Stilrichtungen der Gypsymusik eine Gemeinsamkeit zu eigen, nämlich die Kreativität und Improvisation.
Eine Musik nach Herz und Gefühl statt Noten und Regeln.
Quellen:http://www.romahistory.com/
Fotos:
http://www.sportland.nrw.de/cms/uploads/pics/kal.jpg
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http://rennkuckuck.de/php/eventspics/fanfare5_10x15_300.jpg
http://www.respectmusic.cz/images/events/fanfare-04.jpg
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