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Interview mit Sebastian Skiba- "Ich möchte der Geschichte ein Gesicht geben"

Livia E. Facklam
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Der Berliner Sebastian Skiba, 26 Jahre alt, studiert Fotodesign im Lette Verein.
Nun ist es soweit: Die Abschlussarbeit steht an und dann ist es geschafft!
Bald schon kann er seine Berufung als Beruf tarnen und seiner Leidenschaft also Fotograf frönen.
Als Projekt hat sich Skiba, sein Nach- wie auch Rufname im Freundeskreis, das ehemalige Sowjet- und später Stasiuntersuchungsgefängnis in Berlin- Hohenschönhausen gewählt.
Er porträtierte einstige Häftlinge in dem Gefängnistrakt, um den Ort mit ihnen in Verbindung zu bringen und der Geschichte dazu ein Gesicht zu geben bzw. mehrere Gesichter in diesem Fall.
Es ist natürlich nur ein relativ kleiner Einblick, da es ja sehr viele Leute waren, die dort über die Jahrzehnte inhaftiert waren. Jedoch findet er es persönlich wesentlich interessanter, über die Personen einen Bezug zu der Geschichte aufbauen zu können, als sich lediglich mit der Geschichte des Ortes zu befassen, bei der wohlmöglich die Quantität der Inhaftierten verdeutlicht würde und alles in allem die Geschichte nicht sonderlich greifbar dargestellt wird.
Besonders real wurde die Geschichte für ihn, als er mit den Zeitzeugen ins Gespräch kam und so erzählte auch er mir bei einem gemütlichen Bierchen im Park von seinen Begegnungen.

Wie hattest du die Möglichkeit Zeitzeugen für dein Projekt zu finden?

In meinem Fall war es so, dass einige Zeitzeugen vor Ort auch Führungen mit Touristen- und Schülergruppen durchführen und aufgrund dessen in einem Verzeichnis aufgeführt sind. Meine Anfrage lief über die Öffentlichkeitsabteilung der Gedenkstätte und wurde weitergeleitet, woraufhin sich dann einige Zeitzeugen gemeldet haben.

Das 1946 entstandene sowjetische Untersuchungsgefängnis ist ja für den sogenannten
U-Boottrakt bekannt. Konntest du auch Bekanntschaft mit Häftlingen machen, die dort untergebracht waren oder ausschließlich mit seit 1961 im Neubau des Stasigefängnisses Inhaftierten?

Bei den Zeitzeugen, die ich kennen gelernt habe, hat es sich tatsächlich so ergeben, dass ich praktisch aus jedem Jahrzehnt jemanden dabei hatte. Einer war auch im sogenannten
U-Boottrakt untergebracht. Es sind aber auch Personen dabei, die Ende der 80er Jahre inhaftiert waren.

Was mich persönlich ja sehr interessiert bei solchen "Staatsfeinden": Existieren in dem Zusammenhang denn auch noch die Stasiakten und wenn ja konntest du einen kleinen Einblick gewinnen?

Ich denke schon, dass sie nicht vollends vernichtet wurden und einige haben, als es möglich wurde, auch Einsicht genommen. Wobei ich natürlich keinen Einblick hatte, aber aus ihren Erzählungen einiges aus ihren Akten erfahren habe.
Somit konnte ich zu jeder Person eine Kurzbiografie erstellen, mit Angaben zur Haftdauer und Inhaftierungsgrund, welche bei der Ausstellung zu jedem Portrait präsentiert wird.

Hast du zu den Portraits auch Fotos von dem Gebäude erstellt?

Mein erster Ansatz war, das Gebäude dokumentarisch festzuhalten. Wobei dieser objektive dokumentarische Ansatz gerade zur Diskussion steht, da die subjektive Empfindung des Gefangenseins in den Hintergrund gerät. Ich werde noch einmal versuchen, das etwas subjektiver zu fotografieren. Wofür ich mich am Ende entscheide, wird wohl eine Überraschung.

Hattest du auch die Möglichkeit, Kontakt zu den Wärtern aufzunehmen oder sind diese zu beschämt, um sich der Aufklärungsarbeit zu widmen und ihre Empfindungen zu der damaligen Situation zu schildern?

Nein, aber ich glaube es ist auch fast unmöglich den Kontakt herzustellen. Ich weiß, dass ein paar Inhaftierte darum bemüht waren, ihre ehemaligen Wärter ausfindig zu machen, allerdings enthielten die Akten auch keine genauen Aufzeichnungen darüber, welche Wärter vor Ort waren.
Auch wenn es bestimmt sehr interessant wäre, mehr aus ihrer Sicht zu erfahren.

Um einmal auf die künstlerischen Aspekte einzugehen: Hast du Schwarz-Weiß Fotografien erstellt oder welche Variante hast du für dich gewählt?

Ich habe in Farbe fotografiert. Mittelformat auf Film, analog. Das war einfach ein Qualitätsfaktor, davon lassen sich größere Prints erstellen, als von meiner Digitalkamera und weil es noch ein viel konzentrierteres Arbeiten ist.

Wird es eine Ausstellung geben?

Ja. Die Ausstellung wird im Humboldt Umspannwerk, Kopenhagenerstraße 58 in Prenzlauerberg, vom 19.06.09 bis zum 04.07.09 stattfinden.
Am 19.06. ist die Vernissage und die Finissage am 04.07.
Es werden außerdem viele weitere Arbeiten von meinen Kommilitonen präsentiert, die sich den verschiedensten Bereichen der Fotografie widmen, wie z.B. Mode, Fotomontage und ebenfalls Dokumentationen.
Es wird auch ein Programm geben, mit Podiumsdiskussionen, die aber mit meinem Thema direkt nichts zu tun haben. Die Ausstellung wird öffentlich zugänglich sein. Detaillierte Informationen, sowie das Programmheft sind auf www.lichtjahre2009.de zu finden.

Dann wünsche ich dir viel Erfolg und herzlichen Dank für das Interview!



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