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Plovdiv - Die kulturelle Hauptstadt Bulgariens

Konstantin Abedinov
Slideshow
Plovdiv
Plovdiv

Es ist eine schwierige Aufgabe, eine tausendjährige Geschichte in wenige Worte zu fassen. Dennoch sollte man irgendwo anfangen. Plovdiv, die zweitgrößte Stadt Bulgariens, ist gleichzeitig eine der ältesten Städte Europas, so alt wie das legendäre Troja selbst. Bereits im ersten Jahrtausend v. Chr. haben die Thraker um die drei östlichen Hügel (Dshambas Tepe, Taxim Tepe und Nebet Tepe) die Siedlung Eumolpia gegründet. 342 v. Chr. erobert Philipp II die Siedlung und gibt ihr den Name Philipopolis, was so viel wie Philipps Stadt heißt. Später, 72 v. Chr., als die Soldaten Roms Philipopolis einnehmen, wird sie in Trimonzium umbenannt, was die Stadt der drei Hügel bedeutet. Bald wird Trimonzium ein Zentrum der ganzen Provinz Trakia Romana. Aufgrund ihrer wichtigen strategischen Lage wird die Stadt schnell und massiv bebaut: Stadien, Theater, und ausgezeichnete Landstraßen. Nach dem Zerfall des Römischen Reiches wird Plovdiv Teil des Byzantinischen Reiches, was auch die Periode der ersten Slawischen Siedlungen in dieser Region markiert. Die Slawen nennen die Stadt Pulpodeva, woher auch der heutige Name Plovdiv kommt.

In den Zeiten des Osmanischen Reiches jedoch verliert Plovdiv seine geographisch-strategischen Vorteile und damit langsam aber sicher die meisten Spuren aus dem Altertum. Stattdessen werden Moscheen, Badehäuser und Schänken gebaut. Auf diese Weise verwandelt sich Plowdiw in kurzer Zeit in eine bezaubernde, typisch orientalische Stadt.

In der neuen bulgarischen Geschichte gilt Plovdiw als ein Zentrum der Entwicklung der nationalen Kultur und ein Zentrum des Kampfes für religiöse Unabhängigkeit. Die Stadt hat auch eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung der bulgarischen Bildung.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wächst Plovdiv als großen Industrie- und Handelszentrum mit einer hoch entwickelten Leicht- und Lebensmittelindustrie.

KULTUR

Plovdiv kann, und das auch völlig zu Recht, die kulturelle Hauptstadt Bulgariens genannt werden. Hier befinden sich sowohl einige der wichtigsten Denkmäler der Geschichte Bulgariens, als auch zahlreiche Überreste einer tausendjährigen Vergangenheit.

Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Plovdivs ist die Altstadt. Zur Zeit der Nationalen Wiedergeburt sind wohlhabende Händler aus der Stadt oft in alle Europäischen Länder gereist und haben sich allmählich die westliche Kultur- und Architekturtrends angeeignet. Viele Häuser in der Altstadt sind zu dieser Zeit entstanden. Im Unterschied zu den Häusern aus den früheren türkischen Feudalismus - zweistöckige, asymmetrische Gebäude - sind die Häuser, die am Anfang des 19. Jahrhunderts errichtet wurden, eher symmetrisch und haben eine reichere Architektur und komplizierte Holzverzierungen. Auf diese Weise entstand in der Altstadt Plovdivs eine einzigartige Kombination aus westlichen und orientalischen Einfluss. Doch das Gefühl, dass man sich hier in einer anderen Epoche befindet, wäre nicht komplett ohne die kurvenreichen, engen Gassen, die die Gegend durchkreuzen und fast unausweichlich zum Hisar Kapija im Zentrum der Altstadt führen. Das östlichen Tor der alten Stadtmauer der Festung Philipopolis, erbaut vor mehr als 2000 Jahren, ist sehr gut erhalten und bietet unvergleichliche Aussichten auf die Stadt. Während man durch die Gassen spaziert, kann man in den kleinen Geschäften, die auf beiden Seiten des Weges liebevoll verstreut sind, viele Souvenirs, darunter auch echte Kunststücke, finden.

Das antike Theater ist eine weitere Sehenswürdigkeit, die man auf keinen Fall übergehen sollte. Erbaut unter Kaiser Trajan in II. Jahrhundert n. Chr., zerstört bei einem verheerenden Erdbeben im IV. Jahrhunderts und wieder komplett restauriert, bietet das antike Theater heutzutage eine Bühne für viele kulturelle Aktivitäten der Stadt. Konzerte und Festivals, Theaterstücke und Kunstausstellungen, all dies kann man hier vor grandioser Kulisse genießen und bewundern. Auch viele wertvolle Kirchen befinden sich in der Altstadt Plovdivs. Ein Beispiel dafür ist die Kirche "Die Heiligen Konstantin und Elena" erbaut 337 n. Chr. auf der Stelle eines paganischen Tempels. Mehrmals zerstört und wieder errichtet, zuletzt 1832, beeindruckend durch ihre prachtvollen, vergoldeten Ikonostasen und die große Ikonensammlung. Die meisten Ikonen in der Kirche wurden von dem berühmten Maler Zachari Zograf (1836) gemalt. Außerdem bietet die Stadt auch eine Reihe von Museen und Kunstgalerien an, die selbst die anspruchsvollsten Kulturbegeisterten zufrieden stellen würden. Unter diesen ist das Ethnographische Museum eine wunderschöne Möglichkeit, einen Blick auf seltene Ausstellungsgegenstände des alltäglichen Gebrauchs aus dem vorigen Jahrhundert zu werfen. Kleine Läden damaliger Handwerker, Haushalts- und alte landwirtschaftliche Geräte stellen eine besondere Attraktion dar und selbst das Gebäude, mit seinen originellen Fassaden und Erkern, ist ein wertvolles Baudenkmal für sich.

Plovdiv ist ein echtes Beispiel dafür, wie eine Stadt es schaffen kann, viele unterschiedliche Kulturen unter einem Dach zu bewahren. So wundert sich keiner, dass eine der größten Moscheen Bulgariens und auf der Balkanhalbinsel hier zu finden ist. Die Dzumaja Moschee, ohne Zweifel ein außerordentliches Denkmal der Kultur und gleichzeitig der wichtigste muslimische Tempel in Plowdiw, wurde nach seine Eroberung von den Osmanen 1337 errichtet. Kunstvolle Schmuckfriese mit Koransuren und eine noch funktionierende Sonnenuhr, die heute als Treffpunkt der Jugendlichen gilt, zählen zu den Besonderheiten der Moschee. Der kleinen Platz Dzumaja vor der Moschee ist bekannt für die Straßenmaler, die hier ihre Gemälde ausstellen und den bunten Markt.

Jährlich werden in Plovdiv viele kulturelle Veranstaltungen durchgeführt. Unter anderem der Internationale Grafikworkshop, das Festival des alten Stadtliedes "Liebe Gefühle", an dem viele Musikgruppen und individuelle Darsteller aus dem ganzen Land teilnehmen, das internationale Kammermusikfestival sowie "Plowdiw liest" - Tage der Literatur und des Buches. Auf der Bühne des Antiktheaters finden im Sommer sowohl das Verdi Musikfestival als auch das internationale Folklorefestival statt. Ein weiteres kulturelles Highlight ist der "Herbstsalon der Kunst", eine Veranstaltung, die seit über 40 Jahren durchgeführt wird und auf der Maler ihre Ausstellungen präsentieren. Das Besondere daran ist, dass die Werke der Künstler in den Höfen der Wiedergeburtshäuser in der Altstadt ausgestellt werden.

MINDERHEITEN

Die Stadt Plovdiv ist eine kosmopolitische Stadt, in der Menschen unterschiedlicher kultureller und ethnischer Herkunft zusammen leben. Bulgaren, Griechen, Türken, Roma, Armenier, Juden - verschiedene Religionen, unterschiedliche Traditionen und Bräuche, doch eins haben sie alle gemeinsam - die Liebe zu ihrer Stadt.

In Plovdiv lebt zurzeit ein Großteil der türkischen Minderheit Bulgariens. Als Bulgarien 1879 die Unabhängigkeit zurück bekam, verließen viele Türken das Land. Später, während des Kommunismus, wurde eine Kampagne initiiert, die als Ziel die Zwangsintegration der Minderheiten hatte und in Folge dessen viele Türken, Roma, Pomaken (bulgarische Muslime) dazu gezwungen wurden, bulgarische Namen anzunehmen. Nach 1989 aber hat die erste demokratische Regierung dafür gesorgt, dass der Konflikt friedlich gelöst wird. Die türkische Minderheit und viele Moslems, unter anderem auch Roma haben eine eigene Vertretung im Parlament gefunden in der Partei "Bewegung für Rechte und Freiheiten", die auch Teil der Regierung wurde.

Am nordöstlichen Stadtrand Plowdiws liegt das Viertel Stolipinovo. Mit seinen 45.000 Einwohnern ist Stolipinovo die größte Roma-Gemeinschaft auf der Balkanhalbinsel. Seit der Wende 1989 hat es hier kaum Investitionen gegeben, die die Verbesserung der Infrastruktur unterstützen könnten. Dennoch sind in Stolipinovo durch verschiedene Organisationen zahlreiche Projekte, die soziale Dienste für Kinder und Familien, Gesundheitsbildung und Beratung sowie professionelle Ausbildung ermöglicht haben, realisiert worden.

"Die ethnische Toleranz ist in Bulgarien in allen Lebensbereichen zu spüren - in der Schule, in der Wirtschaft und im Alltag", sagt der Armenier Ihiazar Uzonian, einer von 6000 Armeniern in Plowdiw und damit hat er vielleicht die wichtigste Voraussetzung, die eine echte kulturelle Hauptstadt erfüllen muss, sehr genau markiert.



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