Die Geschichte der Shisha Der Ursprung der orientalischen Wasserpfeife liegt eigentlich in Indien. Die ersten Wasserpfeifen waren sehr simpel und wurden aus Kokosnussschalen gefertigt, in die ein Bambusstock wie eine Art Strohhalm gesteckt wurde. Im 16. Jahrhundert war der Handel an der indischen Westküste sehr aktiv, was vermutlich auch ein Grund war, warum und wie die Wasserpfeife schließlich in den arabischen Raum gelangt ist. Ein weiterer Grund für die Verbreitung war die Herrschaft der Osmanen im 16. Jahrhundert und auch der Iran verbreitete die Kultur des Wasserpeiferauchens verstärkt im Mittleren und Nahen Osten. Die Wasserpfeife, wie man sie heute kennt, wurde schließlich in der Türkei entwickelt. Im 20. Jahrhundert gelangte die Wasserpfeife dann nach Europa.
EtymologieIn türkischen Cafés in Deutschland oder natürlich in Cafés in der Türkei selbst ist in den Schaufenstern oft das Wort "nargile" zu lesen - Wasserpeife. Das Wort "nargile" kommt aus dem Persischen und bedeutet eigentlich Kokosnuss, was also zurückzuführen ist auf die ersten Wasserpeifen aus Indien. Die bei uns geläufige Bezeichnung Shisha (oder auch Sheesha) ist abgeleitet von dem persischen Wort "shishe", was Glas bedeutet.
Wie und WarumDie Funktionsweise der Shisha ist in allen Ländern des Orients sowie in Europa gleich. Lediglich der Aufbau unterscheidet sich vereinzelt von Land zu Land. Beispielsweise wird die Shisha in Afghanistan nicht durch einen Schlauch, sondern durch ein Rohr geraucht und auch die Verzierungen der Pfeifen unterscheiden sich je nach Land.
Eine Wasserpfeife besteht in der Regel aus einem Wassergefäß, auch Bowl genannt, einer Rauchsäule, einem Tabakkopf und einem Schlauch. Man füllt Wasser in den Behälter und setzt auf diesen dann die Rauchsäule mit dem Tabakkopf. Der Tabak wird in den Tabakkopf gefüllt, dann mit einem Sieb oder einer mit Löchern versetzten Alufolie bedeckt, damit die Kohle darauf abgelegt und angezündet werden kann.
Das Prinzip des Shisharauchens ist folgendes: Durch das Saugen am Mundstück des Schlauchs entsteht ein Unterdruck in dem Behälter und es wird Luft durch den Tabakkopf gezogen. Da die Kohle die Feuchtigkeit und die Aromen im Tabak verdampfen lässt, entsteht an dieser Stelle aufgrund des Sogs dann der Rauch. Dieser strömt durch das lange Metallrohr in der Rauchsäule in das Wasser und schließlich durch den Schlauch zum Mund. Wegen des langen Weges des Rauchs kühlt dieser schnell ab, was neben dem Geschmack und Aroma beim Shisharauchen ebenfalls als angenehm empfunden wird.
Der Shishatabak unterscheidet sich vom normalen Tabak, weil er feucht ist. Zu Anfangszeiten der Shisha soll der Tabak jedoch noch trocken gewesen sein. Der Geschmack war also anders und das Rauchen erzeugte ein unangenehmes Kratzen im Hals. Die Raucher begannen schließlich den Tabak mit Honig und Wasser oder Sirup zu vermischen und erreichten damit den Tabak milder zu machen. Die Verfeinerung des Tabaks wurde von da an stetig fortgeführt. Damals wurden beispielsweise noch getrocknete Früchte und Gewürze für den Geschmack unter den Tabak gemischt. Der heutige Tabak ist grob geschnitten und mit Farbstoffen, Aromen für den Geschmack, Melasse für die Milde und Glycerin für den Rauch versetzt. Mittlerweile können Shisharaucher zwischen einer Vielzahl von Geschmackssorten im Tabak wählen.
Heute wie damals?Das Shisharauchen ist mittlerweile auch in Deutschland sehr populär. Viele orientalische Bars bieten billiges Shisharauchen in angepasstem Ambiente an. Es gibt inzwischen auch viele Shops, vor allem Onlineshops, die Shishas, Tabak und Zubehör verkaufen und Interessenten beraten.
Doch warum ist das Shisharauchen hier so beliebt geworden? Wie ist die Shisha hier gelandet und warum erfreuen sich zum Beispiel gerade die deutschen Jugendlichen an diesem Exportgut?
Mit der Shisha ist es wohl ähnlich wie mit dem orientalischen Essen, das sich mittlerweile großer Beliebtheit erfreut und aus Deutschland nicht mehr wegzudenken ist. Imbissbuden, die Schawarma, Halloumi, Falafel und natürlich den guten, alten Döner anbieten, schmücken die Straßen und bieten schon eine Art Konkurrenz zu der "typisch deutschen" Currywurst, den "Pommes rot-weiß" oder Pizza. Allerdings kann man inzwischen oft genug "orientalische" Imbissbuden vorfindet, in denen man fast alles bekommen kann, was das Herz begehrt, ob nun vermeintlich deutsches, arabisches oder türkisches Fastfood.
Was hat das nun mit der Shisha zu tun? Es verhält sich sehr ähnlich. Mitbürger aus östlichen Staaten, die sich in Deutschland ansiedelten, brachten mit, was sie zum Leben brauchten. Dazu gehört nun mal auch die Wasserpfeife; ein alltäglicher Gebrauchs- und Genussgegenstand. So wie sich viele Deutsche während der Arbeit, in der Freizeit, bei einer Tasse Kaffee oder auch ohne Grund, eine Zigarette anstecken und sich damit häppchenweise einen "Genuss" über den Tag verteilt schaffen, so ist es bei Arabern und Türken das lange Shisharauchen, das zum Beispiel am Abend für ein gemeinsames genüssliches Entspannen sorgt.
All das bleibt dem deutschen Bürger natürlich nicht fern. Man beobachtet, hat Interesse und probiert. Nach und nach erhält die Wasserpfeife einen kleinen Bekanntheitsgrad und wird von den eigentlichen Importeuren schließlich genutzt, um es in Europa erfolgreich zu vermarkten. Wenn die Deutschen so auf fremdes Essen stehen, warum dann nicht auch auf fremdes "Rauchen"?
Es hat funktioniert. Die schöne Musik im Hintergrund, die Kissen, auf denen man es sich bequem machen kann und dann auch noch eine Wasserpfeife rauchen mit selbstgewähltem Geschmack, am liebsten Apfel - da kann man sich doch nur entspannen. Das haben vor allem die Jugendlichen herausgefunden. Sie treffen sich mit Freunden in Shishabars um gemeinsam an einer "Cola"- oder "Kirsch"-Shisha zu "blubbern" und zu chillen. Viele Jugendliche besitzen inzwischen auch eigene Wasserpfeifen und kennen das nicht ganz so unaufwendige Ritual der Anwendungsweise einer Shisha gut. Es macht Spaß und ist mal was völlig anderes und außerdem harmlos.
Schließlich wird ja nicht "richtig" geraucht, es ist ja "nur" eine Wasserpfeife. Der Tabak ist feucht, also gar nicht zu vergleichen mit dem trockenen Tabak einer Zigarette. Das Wasser filtert außerdem noch alle gefährlichen Schadstoffe aus dem Rauch, bevor er durch den Schlauch zum Mund gezogen wird...
Eine immer wieder falsch verbreitete Einstellung, denn Tabakkonsum ist in jeder Form schädlich.
Seit 2004 darf der Tabak in Deutschland nur noch 5% Glycerin statt der ursprünglich 30% enthalten, was bei den Rauchern jedoch kein Problem mehr darstellt, da vor dem Rauchen der Tabak einfach mit selbstgekauftem Glycerin aus der Apotheke beträufelt wird.
Im Shishatabak sind von etwa 4000 verschiedenen Bestandteilen 69 krebserregend. Viele giftige Verbindungen entstehen aber auch erst bei der Verbrennung des Tabaks durch die Kohle. Die Filterwirkung des Wassers ist entgegen der Annahme, dass alle giftigen Stoffe aus dem Rauch extrahiert werden, nicht besonders hoch und deshalb auch nicht wirklich effektiv. Fruchttabake enthalten zwar ursprünglich nicht so viel Nikotin wie der Tabak von Zigaretten, jedoch wurde nichtsdestotrotz bei Shisharauchern anschließend eine größere Menge an Nikotin im Blut festgestellt als bei Rauchern von Zigaretten. Es gibt noch viele weitere Gründe, warum das Shisharauchen nicht ungefährlich ist. Der kalte Rauch kann viel tiefer eingeatmet werden als Zigarettenrauch und der Nikotingehalt im Rauch beinhaltet somit bei regelmäßigem Shisharauchen ein Suchtpotential. Weiter besteht zum Beispiel auch das Risiko der Übertragung von Krankheiten durch die gemeinsame Nutzung eines Schlauchs und Mundstücks, vor allem in öffentlichen Shishabars.
Das zeigt, dass die gute orientalische Pfeife nicht ganz so harmlos ist, wie häufig angenommen wird. Vor allem wenig besorgte Jugendliche können durch zu häufigen Konsum in einen ernsthaften Gefahrenbereich treten.
Original und Futuristisch An der Tradition des Wasserpfeiferauchens hat sich im Orient nicht viel geändert. Das Rauchen ist, im Gegensatz zu Deutschland, in der Regel keinen Anweisungen oder Einschränkungen vom Staat untergeordnet, sondern wird wie auch schon vor Hunderten von Jahren zelebriert. Es wird diskutiert und geredet, philosophiert und man tauscht sich aus, ob zu Hause, auf der Straße oder in einem traditionellen Kaffeehaus. Außerdem steht das gemeinsame Shisharauchen im Orient für die Gastfreundschaft. Bei einem Kaffee oder Tee werden auch immer Gäste an dem Gemeinschaftsritual beteiligt.
Zu der Shisha wird oft Tee oder auch Kaffee getrunken, um den Geschmack des Tabaks im Mund zu neutralisieren und um bei jedem weiteren Zug an der Shisha erneut einen intensiven Geschmack zu verspüren. Der orientalische Geschmack lässt sich jedoch nicht wirklich mit dem europäischen Geschmack vergleichen. Dort wird immer noch hauptsächlich Naturtabak verwendet, auf welchen die Kohle direkt aufgelegt wird.
Vor allem die Männer, insbesondere die älteren, gehören wohl zu den "originalsten" und vielleicht authentischsten Rauchern im Orient. Diese haben offensichtlich wenig zu tun mit den Jugendlichen "Apfel-Shisha"-Rauchern, die sich in Gruppen, Jungen wie Mädchen, in Bars treffen.
Das Wasserpfeiferauchen in Europa ist angepasst an unsere Verhältnisse und Geschmäcker. Nicht zu vergleichen mit der ursprünglichen Nutzung und Bedeutung der Wasserpfeife. Die Symbolik geht in Europa in eine andere Richtung und bringt somit nur einen vermeintlichen Flair aus dem Orient zu uns. Man kann sagen, dass hierzulande der fruchtige, außergewöhnliche Geschmack auf gewisse Art und Weise im Vordergrund steht und dann erst das gemeinsame Genießen, während der Sinn des Rauchens im Orient ein anderer ist. Es geht um den Austausch, privat oder politisch, und einen altbekannten Gegenstand, der eine friedliche Atmosphäre schafft und Aufruhr oder Streit völlig ausblenden will. Vielleicht verhält es sich ähnlich mit dem "Gläschen Wein" in der westlichen Kultur. Im Westen Europas wird schließlich auch ein gemeinsames Weintrinken bzw. gemeinsamer gemäßigter Alkoholgenuss als Symbol für Entspannung, ob alleine oder in Gemeinschaft angesehen. Im Orient ist größtenteils der Genuss von Alkohol aus religiösen Gründen verboten oder eingeschränkt, was anscheinend diese Alternative gefordert hat. Gegenüber dem Weintrinken zeichnet das Shisharauchen jedoch einen ganz anderen Charakter aus, nämlich eine absolute, versöhnliche und friedfertige Atmosphäre. Die Härte, die das Leben in heißen, trockenen Regionen mit sich bringt, die Sorgen, all das kann entweder vergessen werden oder man bespricht, was einem auf dem Herzen brennt, schafft Ruhe in sich selbst und genießt schließlich doch das Leben, das man führt.
Für die Europäer ist es, kurz gesagt, lediglich das Neue und Fremde und das orientalische Ambiente, das das Interessen geweckt und schließlich begeistert hat.
Es ist wahrscheinlich, dass der Shisha-Aufschwung in Deutschland noch länger anhält, die Euphorie noch ein wenig bleibt und die Verkaufszahlen weiter steigen. Anzunehmen ist aber auch, dass die orientalische Sisha in unseren Kreisen wohl weiter für "futuristisch" gehalten wird und man vielleicht sogar davon sprechen kann, dass sie hier eine eigene kleine europäische Tradition entwickelt, während die "echte" Shisha im Orient weiter ihren ursprünglichen Status und ihre Symbolik behält.