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27.05.2009

H.R. Giger – der Alienvater

Livia E. Facklam
H.R. Giger
Der Schweizer Künstler Hans Rüdiger Giger schuf durch seine Kreation der Biomechanik eine ganz neue Definition von Sciencefiction. Durch sein Design des Aliens aus dem gleichnamigen Film von Ridley Scott erlangte er enormen internationalen Ruhm.
Doch der Mann kann noch mehr, als den uns bekannten Hollywoodmonstern eine neue Optik zu verleihen.

Als Sohn eines Apothekers am 5. Februar 1940 in Chur (Schweiz) geboren, zeigte er schon in seiner frühen Kindheit ein großes Interesse für das Morbide und Übernatürliche, für das er heute in der Kunst berühmt ist.
Mit seinen häufig abstoßend anmutenden Biomechanoiden, eine neue Lebensform halb technisch halb organisch, wurde die Schönheit für das Abschauderliche und Dunkle öffentlich wie nie zuvor.
Die immer wiederkehrende Thematik der Biomechanoide, welche in vielen seiner Werke häufig gewalttätig, satanistisch und pornographisch erscheinen, versetzt viele Menschen in ein ganz neuartiges Horrorszenario.
Giger selbst lehnt jedoch jede Form der Gewalt ab und beteuert stets sein Interesse an der Dualität, welche allen Dingen inne ist.
Trotz der Verbindung von Maschine und Mensch und der anscheinenden Vereinnahmung des Organischen durch die Technik, ist für H.R. Giger eindeutig, dass die Technik der Diener des Menschen ist und das Organische stets herrscht.
Mit seinem Schaffen als Maler, Skulpturist und Designer ist er wohl einer der bedeutendsten Vertreter des phantastischen Realismus, einer weiteren Entwicklungsform des Surrealismus, und der Airbrush-Kunst.
Die Jahre als Rekrut (Minenwerferkanonier) schufen in seinen Alpträumen einen neuen Nährboden für seine Fantasie.
1962 zog er nach Zürich und begann Architektur und Industriedesign zu studieren. 1966 widmete er sich erstmals dem Möbeldesign und lernte noch im selben Jahr die deutsche Schauspielerin Li Tober kennen, welche ihn als Modell zu einigen seiner bekanntesten Werke inspirierte und im Jahr 1975 Suizid beging.
1968 kreierte er seine ersten außerirdischen Figuren für den Kurzfilm „Swissmade" und schmiedete damit seinen Weg zum Erfolg.
In den darauf folgenden Jahren erlangte er einen immer höheren Bekanntheitsgrad und knüpfte neue Kontakte. Einer dieser Kontakte, Dan O'Bannon, eröffnete ihm 1977 das Angebot, das Kreaturdesign für „Alien- Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt" zu übernehmen. Im selben Jahr lernte er seine zukünftige Frau Mia Binzanigo kennen, wobei die Ehe nur bis 1986 hielt und Carmen Maria Scheifele y de Vega seit 1996 zu Gigers jetztiger Gefährtin und Beraterin wurde.
Einer der bedeutungsvollsten Ereignisse in Gigers Karriere bildete 1980 die Auszeichnung mit dem Oscar für „Best Visual Effects", welchen er durch das Design seiner Alienkreatur erlangte.
Mit „Alien" schuf er in der Sciencefictionszene einen völlig neuen Maßstab in Sachen abstrakt-gruseliges Design für Aliens, Ungeheuer und weitere mystische dunkle Wesen. Geprägt ist die äußerliche Erscheinung durch eine weitaus freiere und insektenartigere Gestaltung.
Der biomechanische Stil wurde häufig kopiert und ist auch noch heute in vielen Filmen zu bewundern (z.B. Terminator, Matrix).
Aufgrund des Films „Poltergeist 2" war es ihm leider vertraglich untersagt an „Aliens – Die Rückkehr" mitzuwirken.
1988 wurden seine wichtigsten Werke „Necronomicon", „Necronomicon II" und „Gigers Alien" in Buchform international vermarktet. Zwei Jahre darauf arbeitete er wieder an der Seite von David Finch an „Alien³ "mit. An den folgenden Filmen aus der Saga, „Alien- Die Wiedergeburt", „Alien vs. Predator" und „Alien vs. Predator 2", wirkte er nicht mehr aktiv mit, wobei das Design unverkennbar beibehalten wurde. Empörend war bei der Premiere des vierten Alienteils nur, dass Gigers Name als „Originalschöpfer" der Kultfigur unter den 600 Namen im Abspann nicht aufgeführt war und somit die Würdigung seines Schaffens ausblieb. Dabei ist auffällig, dass das neue Aliendesign noch viel stärker seinen Zeichnungen aus dem „Necronomicon"entspricht und neue Figuren aus diesem Teil kommen einem doch auch sehr bekannt vor...
Obwohl er mit seinen Airbrushbildern aus dem „Necronomicon" populär wurde, wand er sich vor einiger Zeit von dieser Technik ab, da sie zu perfekt konstruiert und zu aufwendig war. Die Faszination der Airbrushproduktionen besteht jedoch nach wie vor, da sie eine klare strukturelle Beschaffenheit aufweisen und somit eine enorme realistische Klarheit von so irrealen Wesen vermitteln.
Die weiteren Jahre veranschaulichten noch einmal die Bedeutung seiner Werke.
So wirkte er in dem Film „Spezies" mit, es wurden mehrere Bars mit eigen designten Möbelstücken in Tokio, New York und seiner Geburtsstadt Chur eröffnet, sowie Gigers eigenes Museum im Chateau St. Germain in Gruyères.
Eindeutig zählt H.R. Giger zu den auffallendsten Künstlern unserer Zeit, der auch heute noch die Gemüter in puncto Moral in der Kunst und der ewigen Thematik Zensur zu spalten vermag.

Auf der offieziellen Website des Künstlers http://www.hrgiger.com sind weitere Bilder und Informationen zu finden.



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