Birefmarke mit Setu Nationaltracht, entworfen von Mari Kaarma
Foto: Birefmarke mit Setu Nationaltracht, entworfen von Mari Kaarma
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Obwohl Estland nur 1,35 Millionen Einwohner hat, kommt es trotzdem vor, dass wir kaum wissen, was im eigenem Land passiert. Das ist unangenehm und trotzdem muss ich eingestehen, dass auch mir nur oberflächlich aus den Medien bekannt war, dass einmal im Jahr ein Königreich in Estland ausgerufen wird. Dies geschieht durch die Setu einer ethnischen Gruppe Estlands, welche durch die estnische-russische Grenze gespalten wird.
Die Setu
Die Setu sind eine ethnische Gruppe unter den Esten mit ihrer eigenen Identität und Sprache, die an der süd-westlichen Küste des Peipsi-Sees leben. Die Setu-Sprache wird noch teilweise im süd-östlichen Teil Estlands und in Russland um Petersi herum gesprochen. Das Gebiet, das traditionell von den Setu bewohnt wurde, ist heute durch die Grenze zwischen Estland und Russland in zwei getrennte Bereiche geteilt. Mit dem 1920 unterzeichneten Vertrag von Tartu, wurden zwar alle Setu-Gebiete Teil der estnische Republik, jedoch wurde das Gebiet nach dem zweiten Weltkrieg wieder zwischen der Estnischen Sozialistischen Sowjetrepublik (ESSR) und der UdSSR geteilt. Seitdem ist die Grenzfrage für die Setu ein alltägliches Problem, das den Erhalt der traditionellen Setu-Kultur gefährdet.
Die Setu-Sprache (seto kiil')
In Estland leben insgesamt rund 13000 Setus, 4000 von ihnen in der ursprünglichen Region. Bis Anfang der 80er Jahre wurde dort in den Schulen noch die eigene Sprache gesprochen, heute beherrschen nur noch die wenigsten Kinder diese Sprache. Seit dem Beginn der 90er erfuhr das Traditionsbewusstseins auch in den jüngeren Generationen ein Wiederaufleben, das sich vor allem im kulturellen Bereich durch den traditionelle Setu-Gesang, Trachten und Bräuche zeigt.
Das Setu-Königreich
Die Setu hatten den Wunsch, ein Ereignis zu finden, das sie wieder zusammenführen würde. Vorlage dafür war eine finnische ethnische Gruppe in Norwegen und Schweden, die ihre Wurzeln nicht vergessen haben. Ihre Tradition ist es, jedes Jahr für drei Tage ihre eigene Republik auszurufen und zu dieser Zeit nicht dem norwegischen König zu gehorchen. Sie haben ihre eigene Regierung, ihren Präsidenten und ihre Flagge, sogar eine Grenze für die ein "Visum" benötigt wird. Die Setu haben zusammen mit Aare Hõrn diese Idee verwirklicht und am 20. August 1994 das erste Setu-Königreich in Obnitsa ausgerufen. Jedes Jahr wird in einem anderen Gebiet von Setumaa während dieser Tage ein Stellvertreter, Ülemsootska, für den König, den Sagenhelden und Fruchtbarkeitskönig Peko gewählt. Ülemsootska trägt Verantwortung als Fürsprecher und Förderer der Setu-Kultur. Bis heute ist Peko das Symbol für den Glauben und für die Nation von großer Bedeutung.
Eine Vielzahl von Workshops und traditionellen Märkten geben in diesen Tagen den Besuchern Gelegenheit, verschiedene Seiten der Setu-Kultur kennenzulernen. Natürlich kann man auch den traditionellen Gesang der Setu lauschen, den Setu-Leelo, der von Estland mit für die Liste UNESCO des Weltkulturerbes vorgeschlagen wurde.
Die Grenze
Eines der größten Probleme der Setu ist die Grenze zwischen Estland und Russland, die ihr ursprüngliches Gebiet entzweit. Um Angehörige oder das Grab der Vorfahren auf der russischen Seite zu besuchen, muss ein Visum beantragt und bezahlt werden. Das Reisen wird dadurch nicht nur wesentlich komplizierter, sondern auch teilweise unmöglich, da nicht jeder Antrag genehmigt wird. Mit dem Vertrag von Tartu wurde Petserimaa zwar Teil von Estland, Russland erkennt aber immer noch weder den Vertrag von Tartu, noch die gewaltsame Annexion der estnischen Republik im Jahr 1940 oder die Reokkupation 1944 an. Zusammen mit ihrem kulturellen Erbe haben die Setu auch die Hinterlassenschaft der Grenzprobleme. Es bleibt zu hoffen, dass in Zukunft beide Länder die Situation der Setu berücksichtigen und Maßnahmen ergreifen, um das Leben auf beiden Grenzseiten angenehmer zu gestalten.