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In ihrem artist statement zitiert die junge estnische Künstlerin Marju Ago (1985) Jean-Jacques Rousseau mit den Worten "city is a jungle hampering any lasting encounter". Für Marju Ago ist die Idee inspirierend, die Stadt als einen Dschungel und Organismus zu erleben, wo sich alle Lebewesen zwar physisch nahstehen und voneinander abhängig sind, gleichzeitig aber auch lebensgefährlich sein können. In dieser Umwelt sieht Ago Kunst als Orientierungsmittel.
Sie benutzt Motive und Situationen des alltäglichen Lebens: Der Betrachter wird mit Alltagsphänomenen konfrontiert, die durch den künstlerischen Blickwinkel eine andere Dimension und durch die Konzentration eine neue Bedeutung gewinnen.
Ago ist überzeugt, dass das Stadtleben die Plattform der Gegenwartskultur ist, in der sich die Identitätsprobleme der heutigen Gesellschaft finden lassen. Die Stadt ist der Ort, an dem Mensch und Natur auf den technologischen Fortschritt treffen. Die daraus resultierenden Konflikte stehen im zentralen Interesse dessen, was Ago zu dekonstruieren und sichtbar zu machen versucht.
Sie beobachtet und analysiert die urbane Umgebung und den städtischen Lebensstil im Hinblick auf gemeinsame Muster und Bedeutungen. Eines dieser Muster findet sich in ihrer aktuellen Malerei-Serie "Encounter" wieder, in der sie die typischen Stop-Momente im täglichen Stadtleben darstellt. Es geht um Situationen, in denen keine Bewegung möglich ist und man mit der Existenz der anderen konfrontiert und zur Kommunikation gezwungen wird: Das Warten auf das Gepäck am Flughafen, in der Schlange im Supermarkt oder im überfüllten Fahrstuhl.
Die Malerei ist nicht das alleinige Medium, mit dem sich Ago auseinandersetzt. Sie sieht hier keine Grenze zu anderen Medien, sondern betrachtet ein Bild als Bestandteil einer Installation. Ihr Ziel ist es, mit verschiedenen Medien einen neuen Raum zu schaffen, in dem sich das Publikum wohlfühlen und neue Erfahrungen über sich selbst sammeln kann.
Im Rahmen eines Ausstellungsprojektes mit dem Titel „7 Gründe eine Ausstellung zu machen" stellt Ago in ihrem Video "3 degrees" den Prozess der Konzentration auf und die Entwicklung einer Idee für ein Kunstwerk dar. Sie betont in dieser Arbeit die Kommunikation mit dem Betrachter: Am Ende des Videos wird ein Ball in die Richtung des Zuschauers geworfen – als ein Versuch der Kontaktaufnahme.
In ihrer Einzelausstellung "In der Stadtgalerie" erhalten die Begriffe Stadt und Galerie eine besondere Bedeutung. Die Ausstellungsfläche wird als eine Erweiterung des öffentlichen urbanen Raums betrachtet. Ago schafft eine Rauminstallation, die hauptsächlich aus Malerei besteht, in der Poster, Flyer, Schilder und Aufschriften als Grundmotiv gewählt wurden, wodurch die Straßen der Stadt sich in die Galerie ausdehnen.
Mehr über Marju Ago findet sich unter der Adresse www.marjuago.blogspot.com