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Rafik Schami, Das Geheimnis des Kalligraphen

Nina Sedlak
Das Geheimnis des Kalligraphen
Das Geheimnis des Kalligraphen

Rafik Schamis neuester Roman „Das Geheimnis des Kalligraphen", der 2008 im Hanser Verlag erschienen ist, ist beispielhaft für die große mündliche Erzähltradition des Orients und entführt den Leser in eine faszinierende, schillernde und exotische Welt, ähnlich wie in Tausendundeiner Nacht.

Die Geschichte teilt sich in zwei Erzählstränge. Zum einen geht es um die Liebesgeschichte von Salman und Nura, einem Christen und einer Muslima, die Frau des berühmten Kalligraphen Hamid Farsi, der zweite Strang weist den Leser in die Geheimnisse der Kalligraphie ein.

Eines Morgens verbreitet sich ein Gerücht in den kleinen Gassen von Damaskus wie ein Lauffeuer. Die schöne Frau des Kalligraphen sei mit dem stadtbekannten Frauenheld Nassri durchgebrannt. Die Wahrheit ist allerdings eine ganz andere. Der Ehemann wird betrogen, aber nicht von dem den er vermutet...

Es geht um Liebe und die Geheimnisse der Kalligraphie und die Auseinandersetzungen aufgrund dieser Kunst, die Geschichte der Schrift, eine radikale Reform der arabischen Sprache und um einen religiös-politischen Konflikt. Ganz nebenbei erhält der Leser eine Einführung in die arabische Welt: Syrien in den 50er Jahren, seine Geschichte und das Verhältnis zwischen Muslimen und Christen. Man erlebt Damaskus und lernt das Leben in den einzelnen Vierteln kennen. Gleichzeitig erfährt man etwas über die Moral in den verschiedenen Gesellschaftsschichten.

Nach kurzer Einführung in die Ausgangssituation gibt es einen Rückblick in die Vergangenheit. Durch eine lange, ausführliche Beschreibung erhält der Leser einen Einblick in die Kindheit der Protagonisten, bekommt eine liebevolle Beschreibung der Stadt, der Geräusche, Gerüche und Gerüchte. Erst später kommt Schami zur Kerngeschichte des Romans. Er lässt alles am Leser vorbei fliegen, reiht ein Bild phantasievoll an das nächste und wechselt häufig die Perspektive. Trotz unzähliger kleiner Geschichten, wird schließlich alles zu einem fantasievollen Ganzen zusammengefügt.

Der Roman ist lehrreich und vielfältig, denn wie bereits zuvor erwähnt, erfährt der Leser etwas über die alte, einzigartige Kunst der Kalligraphie, die sich bereits zu Beginn des Islam entwickelte. Häufig wird behauptet, dass diese aufgrund des Bildverbots im Islam entwickelte wurde, was jedoch nicht ganz zutrifft, da nur Bilder von Götzen eindeutig verboten sind. Kalligraphien streben nach Harmonie und Ausgeglichenheit. Es ist eine Wissenschaft für sich die Formen und Linien zu deuten. Häufig sind sie von etwas Geheimnisvollem umgeben, wie auch in diesem Roman. Der Kalligraph Hamid Farsi verzaubert seine Kunden und es wird deutlich, welche Macht sich in Worten verbirgt.

In seinen Romanen erzählt Rafik Schami meisterhaft und einzigartig Geschichten von Lug und Trug, Leidenschaft und Liebe, Hass und Unterdrückung, vom Erwachsenwerden, von Geburt und Tod und von Vertrauen und Verrat. Er ist ein begnadeter Märchenerzähler, der den Leser verzaubert. Seine Werke sind anspruchsvoll und farbenprächtig und meistens geprägt durch die Liebe für sein Land, obwohl er in Deutschland im Exil lebt und Syrien seit über dreißig Jahren nicht mehr besuchen konnte.

Rafik Schami wurde 1946 in Damaskus geboren. 1965 gründete und leitete er die Wandzeitung "Al-Muntalek" im alten Stadtviertel von Damaskus. Diese Zeitung wurde zensiert und 1966 verboten. 1971 emigrierte er nach Deutschland, studierte Chemie und legte 1979 seine Promotion ab. Nach seinem Studium veröffentlichte er viele Texte in verschiedenen Zeitschriften, seit 1977 veröffentlicht er auch auf Deutsch. 1980 war er Mitbegründer der Literaturgruppe „Südwind" und des „PoLiKunst-Vereins". Heute lebt er in Marnheim in der Pfalz. Er zählt zu den bedeutendsten Autoren deutscher Sprache. Seine Werke wurden in 24 Sprachen übersetzt. Seit 2002 ist Rafik Schami Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Er wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet und zählt zu den erfolgreichsten Autoren Deutschlands. Auch die Tatsache, dass er arabischer Herkunft ist, ist von großer Bedeutung, da es die meisten Autoren aus dem orientalischen Raum eher schwer in haben, wenn sie moderne und zeitgenössische Literatur schreiben. Laut dem Literaturkritiker, Autor und Übersetzer Stefan Weidner ist das Problem der arabischen Literatur im deutschsprachigen Raum nicht die Übersetzung, sondern das Fehlen an Vermittlern. Nur wenige Verlage veröffentlichen Literatur aus dem arabischen Raum. Der Hanser Verlag, der Unionsverlag, der Amman Verlag oder der Basler Lenos Verlag sind eher Einzelkämpfer auf einem noch unerschlossenes Gebiet, das eine vielfältige, facettenreiche, sinnliche und einzigartige Welt in sich birgt.

Literatur ist ein zentrales Medium des Dialogs. Autoren wie Rafik Schami leisten einen wichtigen Beitrag zum Kulturdialog zwischen arabischer und westlicher Welt.

Es entsteht eine neue, faszinierende Form der Literatur, die die westliche Welt bereichert und ergänzt...Werke, in denen sich kulturelle Strömungen treffen und beeinflussen.

Biographie siehe http://www.rafik-schami.de/biographie.cfm



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