Foto: G.M.B. Akash
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Akash porträtiert in seinen Fotografien ein differenziertes Bild seiner Heimat und mischt Traditionelles mit Alltäglichem. Mit feiner Fotografie und Lichtarbeit verfolgt er jede Grausamkeit des Landes und fängt Blicke der Hoffnungslosigkeit der Menschen in Bangladesch ein. Durch die künstlerische Herangehensweise an den Alltag der Menschen in Bangladesch kann sozialen und religiösen Themen eine Dimension hinzufügt werden, die in der öffentlichen Wahrnehmung meist zu kurz kommt.
Akash ist mit seinen sozialkritischen Bildern Zeuge seiner Zeit in Bangladesch und zwingt uns durch seine Fotografien, tief in unseren Herzen mitzufühlen: die endlosen Alltagssorgen auf den Müllhalden, den harten Boden und das Nichtdazugehören der Obdachlosen, die Schmerzen in den winzigen Körpern der Kinderarbeiter, den Punkt, an dem der Mensch außer sich zu verkaufen keine andere Möglichkeit mehr hat.
Der 1977 in Bangladesch geborene G.M.B. Akash bekam wegen seiner Bilder mehrmals Morddrohungen und musste aus seiner Heimat fliehen. Diese Drohungen haben ihn allerdings nicht entmutigt, sein Ziel weiter zu verfolgen. Er glaubt, dass die Fotografie einem Zweck dienen muss und ist ein meisterhafter Fotograf. Er fotografiert überall, wo die Menschen in Not sind.
Durch die Veröffentlichung seiner Bilder in westlichen Medien wie GEO, Times, Newsweek und Der Spiegel hat er sowohl in Bangladesch als auch im Ausland Menschen auf die sozialen Probleme des Landes aufmerksam gemacht.
Zu seinen zahlreichen internationalen Auszeichnungen zählen der Young Reporters Award des Scope Photo Festivals in Paris 2004 und der World Press Photo Award 2006. Für sein erstes Fotobuch "First Light", das 2006 veröffentlicht wurde, erhielt er den American Graphic Design Award. Zusätzlich zu seiner Arbeit unterrichtet Akash seine Techniken und Annäherungen an "Street Photography" über seinen Online-Fotokurs "Das Unwiderstehliche Bild" (The Compelling Image)
Interview
Nach Ihrem Abschluss in Wirtschaftswissenschaften haben Sie sich für die Fotografie entschieden. Was verbindet Sie mit der Fotografie?
Während meiner ganzen Kindheit hatte ich keinen Zugang zu Fotografen und ihrer Arbeit, geschweige denn zu einer Kamera. Fotografie existierte für mich weder in Theorie noch in Praxis. Dann, vor zehn Jahren, fand ich die alte Kamera meines Vaters und mein Leben nahm eine neue Wendung. Meine Faszination für das aufgenommene Bild war nicht aufzuhalten und überwältigte alles andere - sogar meine Unerfahrenheit. Nicht im Klaren darüber, was oder warum ich es tat, zog ich los und fotografierte einfach alles, was meine Aufmerksamkeit erweckte. Die einzigen Dinge, denen ich mir sicher war, waren die Objekte, die ich fotografierte. Ich konzentrierte mich auf Menschen, die am Rande der Gesellschaft lebten, weil ihre Gesichter, Leben und Lebensumstände für mich eine besondere Faszination aufwiesen. Allmählich vertiefte ich mich völlig in ihr tägliches Leben und lernte schließlich auch durch ihre Erfahrungen.
Sie fotografieren Homosexuelle, Prostituierte, Kinderarbeit, die Armut in Ihrem Land und sagen selbst „Ich möchte mit meinen Fotos Menschen mit dem Problem der Kinderarbeit konfrontieren und diejenigen, die anfangen, darüber nachzudenken, motivieren, sich für die Kinder und andere einzusetzen." Was war der Auslöser für diese Einstellung?
1998 realisierte ich zum erstem Mal, wie Bilder die soziale Wahrnehmung beeinflussen können, als ich die Fotoausstellung "Positive Leben" über Aids-Kranke in einer Galerie in Dhaka besuchte. Meine erste Reaktion nach dem Besuch der Ausstellung war ein kompletter Umsturz meiner ursprünglichen Vorstellung von Aids-Kranken. Mir wurde klar, wie Aids-Kranke von uns aufgrund falscher sozialer Vorstellungen verachtet und gemieden werden und ich erkannte, wie ich als Fotograf helfen konnte, diese falschen Vorstellungen zu beseitigen. An diesem Punkt entdeckte ich die Macht, die Bilder haben können.
Diese Entdeckung trieb mich, das Leben derer darzustellen, die abgegrenzt von der Mainstream-Gesellschaft leben. Am nächsten Morgen besuchte ich ein Bordell, ein Besuch, der im folgenden Jahr zur Regel wurde, während ich das Leben der Prostituierten dokumentierte. Durch diese Arbeit ergab sich ein Einblick in die Erfolge, die Freuden, genauso wie die unumgängliche Trauer und Desillusionierung im Leben der Prostituierten.
Was glauben Sie, inwieweit können Ihre Fotos die Menschen dazu bewegen, etwas für Kinder in Ihrem Land zu tun?
Durch meine Arbeit möchte ich die Menschen mit dem Problem der Kinderarbeit konfrontieren und diejenigen, die beginnen darüber nachzudenken, motivieren. In Bangladesch werden Dinge von Kindern hergestellt, die in den reichen Ländern der westlichen Welt verkauft werden. Meine Absicht ist es, eine Verbesserung der Situation zu schaffen. Die gezeigten Arbeitsbedingungen der Kinder sollen nicht nur Schock-Reaktionen hervorrufen - sie sollen eine Veränderung im Denken der Eltern, die ihre Kinder aufgrund der Armut zur Arbeit zwingen, der Fabrikbesitzer und der westlichen Konsumenten bewirken.
Meine Absicht ist es nicht, die Kinderarbeiter nur als Opfer ihrer bösen Bosse, die sie ausbeuten, darzustellen, sondern ich möchte die Schwierigkeit der Situation darstellen: Die Eltern, die ihren kleinen Sohn in die Fabrik schicken, weil sie arm sind. Das Kind, das arbeiten muss, um den Lebensunterhalt der Familie zu verdienen. Der Fabrikbesitzer, der von großen Bekleidungsunternehmen gedrängt wird für wenig Geld zu produzieren und die westlichen Konsumenten als Kunden, die billige Kleidung kaufen.
Ich glaube es ist unmöglich, in kurzer Zeit die Kinderarbeit in Bangladesch komplett abzuschaffen, aber ich bin sicher, dass es möglich ist, die Arbeitsbedingungen der Kinder zu verbessern und mehr Kinder von der Fabrikarbeit in die Schulen zu bringen.
Wenn man Ihre Fotografien anschaut, fühlt man die Schmerzen und die Angst beispielsweise des Jungen, der auf dem Boden sitzt und dessen Füße zusammen gekettet sind oder des Kindes, das mit einem Holzstock geschlagen wird. Ist das Ihre Absicht, dass Ihre Fotografien etwas in den Menschen bewegen sollen?
In meiner Heimat wurde ich häufig von Freunden, Verwandten, Bekannten und anderen Fotografen gefragt, warum ich nur die schlechten Seiten von Bangladesch zeigen würde. Aber das ist keinesfalls meine Absicht. Ich sehe mein Land wie mein Kind. Wenn man beispielsweise einen Sohn hat wie jener, den ich auf dem abschüssigen Zugteil fotografiert habe, muss man hart sein, um ihn vor der Gefahr und dem Schlechten zu beschützen. Man handelt so, weil man ihn liebt. So empfinde ich das auch mit Bangladesch.
Durch meine Arbeit möchte ich zwei Dinge zeigen: Erstens die Dinge, die positiv verändert werden sollten. Und zweitens die Dinge, die geschätzt werden sollten.
Sie sagen , die Fotografie sei ein Segen für Sie. Mit Ihren Bildern könnten Sie denen eine Stimme geben, die keine haben. Das gebe Ihrem eigenen Leben einen Sinn. Können Sie sich noch genauer dazu äußern?
Am besten an meiner Arbeit finde ich, dass sie mir ermöglicht all die kleinen Freuden des Lebens wahrzunehmen. Es ist eine große Freude, Menschen zu treffen, die von der Welt verachtet werden, eine Tasse Tee mit ihnen zu trinken und zu entdecken, dass sie immer noch imstande sind selbst zu lieben, obwohl sie selbst nicht geliebt werden.
Mein Verlangen alles auf Fotofilm aufzuzeichnen, trieb mich an, Menschen zu treffen, denen ich sonst nie begegnet wäre und an Orte zu gehen, die ich sonst nie gefunden hätte. Jeder Besuch gab mir ein tieferes Verständnis für die Menschheit.
Warum gibt es Ihrer Meinung nach dieses Paradox: Sie sind im Ihrem Land verfolgt und bedroht und vom Westen bekommen Sie zahlreiche Preise?
Manchmal bin ich sehr deprimiert. In Bangladesch wird die Fotografie von einigen sehr mächtigen Leuten kontrolliert und genau diese haben ein Problem mit mir. Dadurch sind mir viele Türen verschlossen. Diese Leute unterstützen sich nur gegenseitig. Das ist sehr frustrierend und niemand spricht darüber. Aber ich möchte nicht aufgeben und weiter Fotos machen. Ich möchte die Dinge zeigen, die positiv verändert werden müssen.