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Play the World

Laura Aragoneses
Play the World

„Die Welt wie ein Instrument spielen" ist eines der Hauptprojekte von Radio „Aporee". Der Initiator ist Udo Noll. Udo bewegt sich angenehm zwischen elektronischen Künsten, natürlichen Zeichen, Kunst und experimentellen Variationen. Diese elektronische Welt gibt es auch in Wirklichkeit. Es ist sein zu Hause oder wie er es nennt: sein experimentelles Wohnzimmer. Ein Ort der erschaffen wurde, um zu teilen, auszutauschen und zu wissen. Eine parallele Dimension voller guter Energie, elektronischer und menschlicher.

Was genau ist Radio Aporee?

Ich kann Ihnen nicht sagen, was es genau ist, aber der Name „Aporee" beschreibt sehr gut was ich meine. Das Wort „Aporee" existiert nicht. Es ist aus dem Buch eines avantgardistischen deutschen Autors der 50er Jahre, der sehr kritische Nachkriegsliteratur schrieb. „Aporee" beschreibt verschiedene Orte in verschiedenen Büchern. Es ist ein Konzept und die Schauplätze sind austauschbar. Ich war sehr angetan von dieser Darstellung des Ortes: In einem Buch war es eine Bar, in einem anderen eine Insel, in wieder einem anderen war es eine Idee. Es ist ein sich veränderndes Konzept, aber es ist immer ein Ort, an dem es Menschen gibt, die den Kontakt zur Normalität verloren haben und dort anders leben. Der Ort an dem wir uns jetzt befinden, ist die äußerliche Verkörperung der Idee, er ist mein experimentelles Wohnzimmer. Es war sehr wichtig für mich einen Ort zu haben, an dem ich Ideen austauschen, Menschen einladen und die Tür öffnen kann...

Was für Projekte sind in Radio "Aporee" mit inbegriffen?

Eines der allerersten Projekte war „fm walks", ein Projekt, das das Konzept des Sendens herumdrehte. Normalerweise ist die Übertragung fest und kommt aus einem Studio und man hört Radio im Auto oder beim Laufen. Nun aber bin ich mit dem Sender in den Straßen unterwegs und ich weiß genau, dass mir tausende Leute zuhören, aber ich weiß nicht, wo sie sind. Hinzu kommen noch die speziellen Stadtgeräusche, wenn du das Ding in der Tasche trägst. Radio "Aporee" experimentiert mit verschiedenen Sounds. Im Moment ist das Projekt "radio Aporee maps" sehr wichtig. Es soll eine Karte der Weltklänge erstellt werden, ein Archiv der verschiedensten Töne verbunden mit einer Landkarte. Die Sounds kommen von verschiedenen Leuten aus der ganzen Welt. Bis jetzt haben wir fast 3500 Beiträge gesammelt und die Zahl wächst weiter.

Die Beiträge kommen aus aller Welt?

Ja. Die meisten Sachen bekomme ich aus Berlin, Köln und Umgebung, weil ich hier die meisten Leute kenne, die mir zuarbeiten könnten. Aber er ist ziemlich über die Welt verteilt. Ich habe Klänge aus Asien, den USA, von vielen Orten Europas, aus Moskau....

Welche Aufnahmen, die du erhalten hast, haben dich am meisten überrascht?

Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt viele Aufnahmen die Leute einfach auf der Straße aufgenommen haben, aber es gibt auch welche, die anders sind. So gibt es beispielsweise eine Aufnahme von einer kleinen Musikhochschule aus Italien.... am Anfang hört es sich nicht nach einer guten Aufnahme an, aber dann merkt man, dass die Person, die die Aufnahme macht, draußen vor dem Fenster sein muss, weil man den Wind und Vögel hören kann. In diesem Moment erlebe ich die intensive Atmosphäre und die Bedeutung des Ortes. Man kann sich auf einmal vorstellen, wie jemand vor dem Fenster steht und leise dem zuhört, was drinnen geschieht. Vielleicht ist er fasziniert, vielleicht verborgen.....

Mit das beste ist, dass man die Orte und die Klänge auf der Karte mischen kann. Man kann sie wie ein Instrument spielen. Wenn man dann einen Ort mit vielen Klängen hat, wie etwa den Hermannplatz (in Berlin), dann kann man diesen Ort spielen: von der U-Bahn bis hoch zur Cafeteria. Du siehst ein prächtiges Gebilde aus Geräuschen.

Das ist etwas sehr Besonderes, weil man sich beim Zuhören etwas vorstellen kann. Anders als beispielsweise im Kino, wo man sehen kann wie Gegenstände und Orte aussehen, entstehen durch das Zuhören Bilder im Kopf, ähnlich wie wenn man ein Buch liest.

Wir leben in einer visuellen Welt, wo sämtliche Erscheinungsformen visueller Natur sind. Es gibt sehr alte Theorien über die Wahrnehmung, die keinen Unterschied zwischen den Sinnen machen. Der griechische Philosoph Heraclitus ist der Meinung, dass die Wahrnehmung immer an Materie gebunden ist. Also ein Austausch von Material, bei dem sogar das Sehen eine Art des Anfassens darstellt. An der Spitze der Sinne steht zwar der Blick, aber es ist sehr interessant sich vorzustellen, wie man mit Klängen Orte erschaffen kann. Das Gehör wird unterschätzt, da wir immer von Geräuschen umgeben sind. Sogar wenn man schläft sind die Ohren offen.

Der für mich interessante Aspekt des Projekts ist die Möglichkeit ein Netzwerk, das mit anderen Netzwerken verbunden ist, zu schaffen. Der Austausch einer globalen Soundskala, die extreme lokale Besonderheiten von Tönen aufweist. Du nimmst beispielsweise eine Ecke deiner Stadt oder draußen auf dem Lande auf, verbindest dieses und erzeugst akustische Erfahrungen. Perfekt.

Wie glauben Sie verändert die Technik Sprache und Kommunikation?

Seitdem die Menschen Technologie verwenden, wurde die Art der Ideen, die Art über etwas zu sprechen und die Möglichkeit sich etwas vorzustellen, verändert. Die Vorstellung des Hier und Jetzt hat sich verändert. Man hat die Möglichkeit, mit jemandem zu schreiben oder zu sprechen der 10.000 Kilometer entfernt ist und diese Person kann an deinem Tag teilhaben. Heutzutage wird durch E-Mails, Handys, etc. die Auffassung von Zeit und Entfernung verändert. Zeit und Raum hat eine andere Bedeutung und dadurch verändert sich auch die Art zu denken und zu sprechen.

Welches Ziel verfolgen Sie mit diesem Projekt, könnte es eine anthropologische Studie über den Menschen sein?

Es hat alles aus Neugier angefangen. Ich versuche immer noch herauszufinden, wie das Netzwerk gebraucht werden kann, damit ihr eure eigenen Netzwerke daraus entstehen lassen könnt. Ich will eine gute Struktur mit der Neugier der Leute und dem Leben des einzelnen zusammenbringen. Aber ich habe auch kein spezielleres Ziel oder eine Auflösung parat. Es ist für mich immernoch ein junges Medium und ich habe die Möglichkeit, zu beobachten wie es sich entwickelt. An diesen Sachen arbeite ich und teile sie mit anderen.

Glauben Sie, dass die Evolution des Menschen schneller durch die Technologie angetrieben wird?

Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube nicht. Wir haben die Möglichkeit alles jederzeit, überall und unmittelbar zu erfahren. Wir haben aber auch den gleichen Körper, den die Menschen vor tausenden von Jahren hatten, die gleichen Bedürfnisse... Ich vermute eher eine Veränderung in der Art zu denken, was dann auch die Menschen verändert und sich als allgemeine kulturelle Erinnerung niederschlägt. Aber trotzdem haben wir immer noch unsere Körper wie eh und je. Auch wenn es vielleicht einen Traum von einem mentalen Leben ohne Körper gibt. Das eine Art zweites Leben.

Könnte man es Kunst nennen?

Ja könnte man, aber das ist für mich nicht wichtig. Meistens wird es von Menschen als Kunst aufgefasst, elektronische Kunst. Vielleicht brauchen die Leute Kategorien, aber für mich ist es nicht wichtig. Ich mag es, wenn die Leute es als Kunst erleben und es ist mir egal, wenn sie es als solche bezeichnen. Ich mag es, diese Dinge zu teilen und wenn die Menschen es als Kunst sehen, freue ich mich, aber das ist nicht in erster Linie meine Absicht. Meine Absicht ist es, mit dem Material zu arbeiten und zu experimentieren.



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