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Studentendasein in Deutschland

Falko Stengel
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"Augenringe im Gesicht und Kaffee in der Hand, das kann ja nur ein Student sein", sagen die Blicke der anderen Bahnfahrer. Da lernt man die ganze Nacht durch, um die Klausur zu bestehen und dann sowas! Sie denken, man hätte wieder die Nacht durchgefeiert. Dabei rackert man sich doch auch für sie ab. Schließlich wollte man mit seinem Studium erst sich selbst und dann die Welt retten. Sie meinen, anstatt Taschenrechner und Bleistift, schwinge man ja sowieso nur Bierflasche und Glimmstängel. Das ist nicht wahr - jedenfalls teilweise.

Es kommt immer auf den Blickwinkel an. Ältere Kaliber sagen, dass die Studentenzeit die "geilste Zeit des Lebens" ist: Partys, Alkohol und Sex. Das war vielleicht in den Sechzigern so. Der Alltag an der Uni heutzutage sieht etwas anders aus. Ein vollgestopfter Hörsaal, wo ein Herr Professor Theorien erörtert, die man nicht versteht. Manchmal ist es auch ein eingeschüchterter Tutor, der außer Gestottertem nichts hervorbringt. Dann gesellen sich zu den inhaltlichen Verständnisproblemen auch noch akustische. Pause. Ab in die Mensa und gucken, ob man heute mal was Essbares findet. Mit genügend Salz und Pfeffer kann man jeden Geschmack abtöten. Nebenan sitzen die Asiaten, immer fleißig und pünktlich. Sie verfügen über enorme Motivation und viele nehmen die erworbenen Kenntnisse mit zurück in die Heimat. Bevor es weiter geht zur Übung, nochmal auf die Toilette. "Grüß Gott, sagte das Mensaessen. Da bin ich wieder!", steht an der Klotür. Volltreffer.

Der studentische Alltag wirkt insgesamt entspannter als beispielsweise der Job eines Bäckers. Keinen geregelten 8-Stunden-Tag ab 6 Uhr früh, sondern hier und da mal eine Vorlesung, ein Seminar oder eine Übung. Allerdings gibt es eine wichtige Sache, die die akademische Woche dann doch zu einer 40-stündigen anschwellen lässt. "Vor- und Nachbereiten sind die Zauberwörter!", schreit der übelgelaunte Dozent, der als erster feststellt, dass dafür wieder keine Zeit war. Also kann man festhalten, dass zumindest theoretisch der Student von heute viel zu tun hat. Bei der Theorie bleibt es dann aber auch, was in der Natur der Universität liegt. Wie bereits erwähnt, es kommt eben auf den Blickwinkel an. Die Frage, ob das Lösen von mathematischen Problemen oder das Backen von Brötchen einfacher ist, muss jeder individuell für sich beantworten.

Auch individuell zu klären gilt es, wie man über die Runden kommt. Durch steigende Lebenskosten wurde auch der Bafög-Satz erhöht. Toll! Schade nur, wenn man davon nichts hat, weil Mami und Papi zu viel verdienen. Dann gilt es, die beiden anzubetteln oder kellnern zu gehen. Wenn Letzteres der Fall ist, kommt man unter der Woche wieder nicht zum Lernen. Dann kann man auch der Party am Samstagabend wieder absagen, weil ja am Montag die Klausur ansteht. So wird man die Augenringe nicht los.



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