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Der Duft von Glühwein und Gebäck liegt in der Luft. Brennende Feuer in eisernen Käfigen spenden Licht und Wärme. Man kann Kerzen, Mützen, Keramik, allerlei Köstlichkeiten und haufenweise Zeug, das man nicht braucht, kaufen. Sobald es dunkel wird, sammeln sich die Menschen an diesem Ort, um miteinander zu essen und zu lachen. Willkommen auf einem Berliner Weihnachtsmarkt!
Wir befinden uns in der Kulturbrauerei. Das historische Ambiente verleiht dem weihnachtlichen Treiben eine besonders gemütliche Note. Die alten Stallungen, Fassbinder- und Kesselhäuser säumen den Markt und ragen angestrahlt in den Nachthimmel. Im Hintergrund tönen leise klassische Gesänge aus Lautsprechern. Es gibt viel zu entdecken. Zum Beispiel den rustikalen Kerzenladen, wo es die Wachslichter in verschiedensten Formen, vom kleinen Teelicht bis zum großen "Feuertopf", gibt. Gleich nebenan liegen die Leute in einer Jurte herum, dick und rund vom "Chili sin Carne". Will man dort nicht einkehren, kann man auch an anderer Stelle im wahrsten Sinne "rumhängen". Ein Stück weiter nämlich gibt es die "Heizmäntel". Mit dem Hintern auf einer Heizung und in einem der Mäntel eingehüllt, kann man sich schadenfroh die frierenden Leute ansehen. Man kann natürlich auch großzügig einem Frierenden einen Platz neben sich anbieten, da es die Dinger auch als Paar-Version gibt. Nach der Kuschelei geht es weiter zum finnischen Glühweinstand, um mit einem "Glögi" anzustoßen. Dieser schmeckt genau wie jeder andere Glühwein und macht genauso beschwippst. Prost! Moment mal, was ist das für ein Duft? "Holzofenspezialitäten" steht am Schild. Darunter lädt ein junger Mann mit mehliger Kluft zum Kosten ein. Es gibt kleine Flammkuchen mit Zwiebeln, Speck und Gemüse direkt aus dem Ofen. Der Bauch ist voll, das Portemonnaie fast leer.
Weiter geht es zum Alexanderplatz. Das Riesenrad sieht man schon aus der Ferne. Überall sind Buden, wo es wieder Kerzen, Mützen, Keramik, Futter und so weiter gibt. Die Leute schmatzen und machen Bäuerchen. Auf der Eisbahn um den Neptunbrunnen fliegt jede Sekunde jemand hin und die Lautsprecher tönen dazu "Alle Jahre wieder". Doch plötzlich sagt eine tiefe Stimme: "Ho Ho Ho!" und man blickt sich verängstigt um. Über den Köpfen der Leute erscheint ein Schlitten mit eingespannten Rentieren und einem weißbärtigen Mann. Das muss der Weihnachtsmann sein! Aber irgendwie sehen die Rentiere ganz schön nach Plastik aus und der Kostümierte winkt mechanisch zu den Worten aus dem Lautsprecher. Als der Schlitten dann auf Stahlseilen gegen das Ende seiner Strecke fährt und wieder zurückrollt, wird der Schwindel offensichtlich.
Auch offensichtlich wird er, wenn man die alte Frau beobachtet, die einen Mantel anstarrt. Ihr scheint kalt zu sein und sie wird auch weiterhin frieren müssen, denn der Weihnachtsmann besucht keine Leute, die zu wenig Rente bekommen. Er kommt auch nicht zu den Kindern ohne Eltern, die höchstens die Scheiben vor den Süßigkeiten anlecken können. "Schenken Sie Liebe", sagt die Werbung. Die gibt es jetzt zur Weihnachtszeit überall zu kaufen.