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Der Wandel der heutigen Gesellschaft hat unterschiedliche Antriebe. Zuerst müssen wir uns Gedanken über politische Modelle und deren Führungspersonen machen. Außerdem lässt sich mit Gewissheit sagen, dass im Lauf der Geschichte gesellschaftliche Unzufriedenheiten meist Ausdruck durch die Kunst fanden.
Maler, Bildhauer, Musiker, Schriftsteller sind ihrer Zeit meist zwei Schritte voraus. Sie erkennen Details, die die Gesellschaft nicht erkennen kann, verschönern mit der Gabe des Feingespürs, werden zu Visionären ihrer Zeit und verfügen über das Werkzeug, ihr Verständnis für die Gesellschaft der Welt zu übermitteln. Sie lassen sich nicht in die Irre leiten, denn das Ziel des Künstlers ist nicht Macht.
Obwohl Künstler jede Zeit und jede Gesellschaft beeinflusst haben, sind sie heutzutage, besonders in stark unterdrückten Gesellschaften, diejenigen, die durch ihre universale Sprache auch den ungebildeten Teil der Gesellschaft erreichen. Der Schriftsteller, der das geschriebene Wort erschafft, braucht jemanden, der das Wort versteht. Das geschriebene Wort kann gelesen werden, aber es hat auch den Vorteil, dass man ihm auch nur zuhören kann. Zuhören ist schon immer ein tragendes Element bei der Ausbreitung von Wissen gewesen. In der arabischen Welt etwa war und ist die Dichtkunst eines der ausgeprägtesten Genres der Literatur.
Trotz der Tatsache, dass die arabische Welt weniger Bücher herausbringt als die Türkei und dass die Ausgaben, die für die Herausgabe bestimmt sind, minimal sind, darf man nicht die Bedeutung des Wortes vergessen. Die einzigen Nobelpreise für Literatur im Nahen Osten bekamen der Israeli Shmuel Yosef Agnon( 1888-1970) im Jahre 1996, der Ägypter Naguib Mahfuz (1911-2006) im Jahre 1998 und der Türke Orhan Pamuk (1952 in Istanbul geboren und verurteilt für die Erwähnung des Völkermordes an den Armeniern). Aber es gibt weitaus mehr hervorragende Schriftsteller in der Geschichte der arabischen Literatur.
Bis zum zweiten Weltkrieg behandelten die großen arabischen Dichter hauptsächlich patriotische Themen in ihren Gedichten. Sie schrieben aber auch Liebesgedichte, meist waren diese sehr traurig und verzweifelt. Die nationalistischen Gedichte waren durch ihre Protagonisten gekennzeichnet. Die Vorkämpfer waren die Ägypter Barudi, Shawqi und Mutran, sowie die Palästinenser Ibrahim Tuqan und Abdul-Rahim Mahmud und die Iraker Rasafi und Yawahiri. Die meisten ihrer Gedichte waren wortgewandt, politisch und erzeugten einen unverzüglichen Effekt, den Unterdrücker in einem ausländischen Führer personifizierend. Poesie kann als schwaches Instrument gegenüber den Waffen gesehen werden, aber sie ist von großem Nutzen und manchmal wirkungsvoller als Dynamit. Sie gab dem Leid und der Wut einer Nation einen Sinn. Die Worte und das damit verbundene Wissen schien wichtiger als der Inhalt zu sein. Die Dichter waren damit beschäftigt, die Wörter, Sätze und Ideen, die seit Jahrhunderten eingeschläfert waren, wieder zu beleben. Nachdem die patriotischen und nationalistischen Themen aus den Gedichten verschwanden, wurden sie breiig und süß wie Honig. Die Berührung mit ausländischer Literatur bewirkte, dass die Schriftsteller ihre eigenen Schwächen realisierten.
Ab Mitte der 30er Jahre entstand eine neue Bewegung. Schriftsteller diskutierten über Ma'arakat al-taydid, den Kampf um eine neue Sache. Persönlichkeiten wie Salama Musa übernahmen die extreme Position, dass alles was alte, klassische oder traditionelle Züge hatte, zu verachten sei. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges begann ein Paradoxon, dass durch das palästinensische Desaster von 1948 offensichtlich verstärkt wurde. Die Differenzen zwischen der arabischen Welt und dem Westen nahmen zu. Es wurden nicht nur neue politische Bewegungen ins Leben gerufen, sondern es gab auch Entwicklungen in Literatur, Kunst und Dichtung. Die Auswirkungen der Zerrissenheit Palästinas spiegelten sich darin wieder, dass die junge Generation nicht nur Dinge aus einer neuen Perspektive betrachtete, sondern sich auch anders ausdrücken musste.
Der Einfluss durch den Westen und den Osten, die Kenntnis von fremden Sprachen und Ländern schaffte Raum für eine neue Form von Dichtkunst. Neu sowohl in Form, als auch den Inhalt betreffend. Vertreter dieser neuen Poesie waren Badr Shakir al- Sayyab, Yusuf al-Khal, Ali Ahmad Said (Adonis) Tawfiq Sayigh, Mustafa Badawi, Bulant al-haidari, Ibrahim Shukrallah, Lewis 'Awad, Salah 'Abd al- Sabur und viele andere. Sie waren rebellische Dichter, die jedoch nie die Tradition aus dem Auge verloren, die Interaktion zwischen Altem und Neuem berücksichtigten, wobei das Alte das Neue beeinflusst und das Neue die Dimensionen des Alten an sich anpasst.
Das alles bildet eine einzigartige Literatur, die durch die Geschichte der arabischen Länder gekennzeichnet ist. Gekennzeichnet durch Kultur und Religion, Krieg und Frieden, durch den Einfluss des Westens und die eigene Auffassung der Realität, in der Begriffe wie Zeit, Gott oder Sprache ihre eigene Bedeutung haben.
1955 prägte der spanische Dichter Gabriel Celaya den Beginn der sozialkritischen Lyrik. Heute erinnert uns die Poesie an das, was die Geschichte durchlaufen hat, mit dem Charakter der Zeit und des Ortes. Das Gedicht bleibt eine Waffe, die mit Zukunft geladen ist.