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"Let's make Money" - Der Film

Falko Stengel
Let's make Money
"Let's make Money" titelt das Plakat an der Litfaßsäule. Darunter fegt ein Besen Geld auf dem Kopfsteinpflaster zusammen. Sofort schießt es einem durch den Kopf: "Schon wieder einer von diesen Gangsterfilmen, die man schon tausendmal gesehen hat!" Doch bei genauerem Hinsehen fällt einem das Kleingedruckte ins Auge: "Was macht die Bank mit unserem Geld?" Dieser Frage gehen Erwin Wagenhofer und Lisa Ganser nach, die zuletzt mit "We feed the World" für Aufsehen gesorgt haben. Wie Kinder fragen sie: "Du Onkel, was machst du da?" und der "Onkel", entweder Investor, Unternehmer oder Politiker blickt gelassen in die Kamera und erzählt bereitwillig, was er da tut. Seine Arbeit ist legal, die Folgen nicht. Vielleicht ist es doch ein Film über Gangster...

Die Reise beginnt in Ghana. Ein weitläufiges Gebiet wird gesprengt. Hier wird Gold gefördert, welches nach grober industrieller Verarbeitung in die Schweiz geflogen wird. Die Wertverteilung liegt bei 3% für Afrika und 97% für den Westen. Wir reisen weiter nach Singapur, wo uns Dr. Mark Mobius, Investor und Präsident von "Templeton Emerging Markets", über die Verhältnisse auf dem Weltmarkt aufklärt: "Es gab einen berühmten Ausspruch, dass die beste Zeit zu kaufen ist, wenn das Blut auf den Straßen klebt." Er fügt hinzu, dass er nicht glaube, dass ein Investor verantwortlich sei für die Ethik, für die Verschmutzung oder das, was eine Firma verursacht, in die er investiert. "Das ist nicht seine Aufgabe. Seine Aufgabe ist zu investieren und Geld für seine Klienten zu verdienen.“ Nächster Halt: Indien. Obwohl die Wirtschaft im Land wächst, haben die meisten Menschen wenig davon. In Chennai hausen "Billiglöhner" in Holzbaracken gleich neben einem Reklameschild der Deutschen Bank. Schnitt. Wieder in Afrika angekommen, blicken wir auf eine unfruchtbare und zerklüftete Landschaft. Die Baumwoll-Monokulturen haben die Erosion des Bodens derartig vorangetrieben, dass jegliche Landwirtschaft unmöglich geworden ist. „Wenn wir keine Baumwolle mehr machen können, dann wird jeder Afrikaner nach Europa auswandern", meint Francis Cogolo, Leiter der halbstaatlichen Baumwollgesellschaft "Sofi tex" aus Burkina Faso. "Wir haben keine andere Wahl. Wenn wir auswandern, können sie ruhig 10 Meter hohe Mauern bauen. Wir werden trotzdem nach Europa kommen.“

Durch die Subventionierung der Baumwollproduktion in den Industrieländern werden die Märkte in der "Dritten Welt", neuerdings "Emerging Markets" genannt, zerstört. John Christensen, Finanzökonom, erklärt, wie der Prozess vonstatten geht. „Das erste Element bestand in einer Deregulierung der Finanzmärkte ... Der zweite Teil bestand in einer Liberalisierung der Handelsströme, in der Abschaffung von Handelsbarrieren (...). Das dritte Element bestand in einer völligen Abschaffung des Staates, um seine Interventionsmöglichkeiten zu reduzieren ... Und das vierte Element verlangte von den Staaten, ihre Industrien zu privatisieren. Dabei wurde mehr oder weniger sichergestellt, dass die Industrien unter ihrem Wert an fremde Kapitalanleger verkauft wurden. Dies sind die vier politischen Druckmittel, die vom Internationalen Währungsfonds und der Weltbank angewandt werden und die "Neoliberalismus" genannt werden.“ Auch Industrieländer sind davon betroffen. Nächste Station: Wien. Dort entschloss sich der Stadtrat die Straßenbahn an einen amerikanischen Investor zu verkaufen. Das Geld erhielt allerdings nicht die Stadt, sondern die Banken. Diese zahlen dann Leasingraten an den Investor, damit Wien seine Straßenbahnen weiter benutzen darf. Dieses paradoxe Gebilde nennt sich "Cross Border Leasing".

In den USA treffen wir John Perkins, sogenannter "Economic Hitman", der uns weitere Taktiken präsentiert. Demnach werde Entwicklungsländern die Notwendigkeit von Infrastrukturen "aufgedrängt". Diese nehmen dann enorme Kredite auf, um Straßen, Flughäfen etc. von US-amerikanischen Firmen bauen zu lassen. Durch die starke Verschuldung der Länder kann anschließend verlangt werden, dass als Rückzahlung auch Rohstoffe billig verkauft werden. Doch die USA ist selbst bankrott. "Wir haben riesige Schulden, mehr als jemals ein anderes Land hatte. Wenn irgendeines der (Gläubiger-) Länder sein Geld in einer anderen Währung als Dollar fordern würde, dann wären wir in großen Schwierigkeiten. Aber jetzt wollen alle ihr Geld in Dollar, weil Erdöl so ein wichtiges Produkt ist und man es nur in Dollar kaufen kann. Saddam Hussein drohte, Erdöl auch gegen eine andere Währung zu verkaufen. Kurz bevor er gestürzt wurde ... Hätte er nachgegeben, würde er heute noch regieren. Wir würden ihm Flugzeuge und Panzer und sonst noch alles Mögliche verkaufen.“ Das Bild wird abgeblendet und man fragt sich, wo die ganzen Gewinne eigentlich bleiben.

Es geht weiter. Wir sind jetzt in Spanien. Dort wird in kuriose Bauprojekte investiert und es entstehen Hotels und Wohnhäuser, die allesamt leer stehen. Trotzdem müssen sie bewacht, instand gehalten und bewässert werden. So verbrauchen einige Golfplätze der Hotels die gleiche Menge Wasser wie eine Stadt mit 20.000 Einwohnern. „Spanien ist eines der Länder, wo die Immobilienblase sich in den letzten 5 Jahren am intensivsten entwickelt hat. Man kann von einer gewaltigen Verstädterung, einem Zement-Tsunami sprechen, der die Küste und die Inseln überrollt.“ - Ramon F. Duran, Universität Madrid. Schnitt.

Anflug auf das Steuerparadies Jersey. Das herrschende Bankgeheimnis und ein gegründeter "Trust", der internationale Besitzer mit verschiedenen Konten hat, macht es unmöglich die Eigentümer der Anlagen zu ermitteln. Nach amerikanischen Schätzungen "lagern" auf Jersey derzeit 500 Milliarden Dollar Privatvermögen. Weltweit seien es bis zu 11,5 Trillionen Dollar, die der Steuer vorenthalten werden. Diese "Kapitalflucht" ist besonders für die "Emerging Markets" ein Katastrophe, da das wertgeschöpfte Geld nicht wieder zurückfließt. "Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass für jeden Dollar Entwicklungshilfe, der nach Afrika fließt, mindestens 10 Dollar unter dem Tisch aus dem Land herausfließen." Es wird ausgeblendet.

Wie ist das politisch möglich? Das Bild kommt wieder. Endstation: Berlin. Im Reichstag redet Hermann Scheer, Bundestagsabgeordneter und Träger des Alternativen Nobelpreises, über Unwissenheit und Kurzsichtigkeit in der Politik. "Diejenigen, die es wissen, haben nur noch einen kurzen Karrierezeitraum im Blick – nach mir die Sintflut. Und dieses radikale Kurzzeitdenken, d.h. nicht mehr das Denken in längerfristigen Verantwortungskategorien, weil dann von anderen abgearbeitet werden muss, was sie selbst hinterlassen, ist typisch für das gesamte neoliberale Zeitalter. Im neoliberalen Zeitalter ist alles verkürzt, alles, das gesamte Denken und Handeln, verkürzt auf die aktuelle Erzielung einer höchstmöglichen Rendite, koste es was es wolle.“ Dazu kommt noch, dass die Politik dieses System unterstützt und mit dem 500-Miliarden-Euro-Hilfspaket gerettet hat - jedenfalls vorläufig. Das Geld stammt natürlich aus den Steuergeldern des "Kleinen Mannes", dessen Geld zuvor von den Banken, Unternehmen und Investoren vermehrt, investiert und verspekuliert wurde.

Hermann Scheer steht jetzt vor den Schriften Sowjetischer Soldaten, die diese 1945 an den Wänden des Reichstags hinterlassen haben. „Wenn wir so weitermachen," beginnt er, "dann kommen neue Selektionsmechanismen zwischen Staaten, zwischen Rassen, zwischen Religionen, zwischen berechtigten Menschen und unberechtigten, zwischen wertvollen und nicht wertvollen Menschen, dann wird der monetäre Wert des Menschen irgendwann in den Vordergrund geschoben und dann beginnt ein neues Zeitalter der Barbarei. Das ist unausweichlich.“ Ganz im Sinne der Abspannmusik, wo es heißt: "Humanity? Fuck you!"

Quelle: www.letsmakemoney.at


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