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Ohrwürmer und Lachfalten

Falko Stengel
maradona
Er dreht Filme, produziert sie und spielt Gitarre in der Band "No Smoking Orchestra". Die Stuttgarter Zeitung nennt ihn einen "begnadeten Phantasten". Seine Filme sind "pralles, energiegeladenes Volkstheater" (FAZ), in denen "Gewalt, Heiterkeit, Skurrilität und visuelle Kraft explodieren" (Frankfurter Rundschau).

Emir Kusturica wurde 1954 in Serbien (Sarajevo) geboren. Heute ist er ein erfolgreicher Regisseur, der für mittlerweile zehn Spielfilme und zahlreiche Kurzfilme weltweit Auszeichnungen erhielt. Darunter sind zwei "Goldene Palmen" in Cannes und der "Silberne Bär" in Berlin.

Seine Karriere begann 1981 mit "Do you remember Dolly Bell?". Es folgten weitere Filme wie "Time of the Gypsies" (1989) und "Black Cat, White Cat" (1998). Trotz internationaler Produktionen wie "Arizona Dream" mit Johnny Depp (1993), zog es Kusturica immer wieder in seine Heimat zurück, wo er mit lokalen Schauspielern und Filmteams zusammenarbeitete. So geschehen in "Das Leben ist ein Wunder" (2004), der in Bosnien zu Zeiten des Krieges spielt. Die Soundtracks zu seinen Filmen komponierten Musiker wie Zoran Simjanović und Goran Bregović bzw. sein Sohn Stribor Kusturica und seine Band "No Smoking Orchestra".

Die Musik ist allgegenwärtig: Es wird gesungen, getanzt und musiziert. Tun dies nicht die Charaktere selbst, so dröhnt irgendwo der Fernseher oder das Radio. Ob feurige Balkanrhythmen, klassische Klänge, Gitarrenriffs oder Oldschoolpop, die Soundtracks lassen das Trommelfell zittern. Stilistisch erlebt man einige Überraschungen, da die musikalischen Kulissen oft sehr untypisch verwandt werden. Damit unterstreichen sie dramatische Wendungen, weichen diese aber auch auf.

Emir ist ein Geschichtenerzähler. Dabei bewegt er sich auf dem schmalen Grat zwischen Komödie und Tragödie. Er erzählt von Menschenschicksalen, gespickt mit allerlei Symbolik und Bizarrem. Ebenso allmächtig wie die Musik sind die Tiere in seinen Werken. Sie erfüllen oft symbolische Funktionen. Unzählige Gänse auf den staubigen Straßen, ein Schwein, welches an einem Trabanten herumknabbert. Dazu gesellen sich suizidgefährdete Esel mit Liebeskummer, "grinsende" Schildkröten und fliegende Fische.

Man erwarte das Unerwartete! Da fährt der Mafiaboss mit benzinbetriebenem Rollstuhl durch die Gegend und die Dorfbewohner mit Oldtimern auf Schienen durch die Berge. Einen Telefonmasten zu gießen scheint ungewöhnlich, mit dem Hintern Nägel aus der Wand zu ziehen wohl eher verrückt. Während eines Fussballspiels eine Oper anzustimmen ist gewagt und mit einem Krankenwagen zum Mond zu fliegen sinnbildlich. In künstlerischer Weise verschmelzen hier tatsächliche Handlung mit den Träumen der Protagonisten. Sie haben Sehnsüchte und wollen flüchten. Die einen nach Australien, die anderen in den Tod.

Emir Kusturicas neuestes Werk "Maradona" dokumentiert den Werdegang der argentinischen Fußballlegende Diego Maradona. In seiner Dokumentation zeichnet Kusturica ein differenziertes Portrait des "besten Fußballspielers der Welt", dessen Leben ohne Drogenexzesse undenkbar wäre. Von besonderem Charme zeugt Kusturicas eigener Auftritt im Film, sowie der von Stribor Kusturica und Mano Chao, die beide die Musik zum Film gemacht haben.

Quelle: www.kustu.com


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