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KARIBU – Leben in Sansibar

Kristin Keilig
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Eine ganz besondere Vorliebe für den großen Kontinent hatte sie schon immer. Mit 18 Jahren begab sich die C., eine gebürtige Sächsin, gemeinsam mit ihrem Bruder auf ihre erste Reise nach Afrika; ein ganzes Jahr, in dem sie in ihrem Campingbus den gesamten Kontinent durchquerten.

Zurück in Deutschland begann C. 1998 in Leipzig ihr Studium (Ethnologie, Afrikanistik und Deutsch als Fremdsprache) und reiste in diesen Jahren immer wieder nach Afrika.

Es war im Frühling des Jahres 2000, als ich meine müden Füße nach einem langen Flug auf die heiße und staubige Erde Arusha's (Tansania) setzte und mir bewusst wurde, dass ich mich auf einem anderen Kontinent befinde. C., die schon seit zwei Monaten für ein Praktikum in Tansania war, holte mich vom Flughafen ab und winkte mir aus der Ferne fröhlich entgegen.

Unsere fünfwöchige gemeinsame Reise durch Tansania führte uns auch nach Zansibar (auch Sansibar), der sagenumwobenen „Gewürzinsel", die 30 km vor der Ostküste Afrikas im Indischen Ozean liegt.

(Tatsächlich entspricht es auch der Wahrheit, wenn so viele Menschen behaupten, die schönsten Sonnenuntergänge würde man auf Sansibar erleben.)

Sansibar, auch „Perle unter den Inseln im Indischen Ozean" genannt, besteht aus der Hauptinsel Unguja sowie der weiter nördlich gelegenen Insel Pemba. Als autonomer Teil des Unionsstaates Tansania hat die Insel ihre eigene Hauptstadt und zugleich ökonomisches Zentrum in Zanzibar City mit der weltbekannten Altstadt Stone Town.

Die Sansibari, so der Name der Inselbevölkerung (ca. 1 Mio.), bestehen aus Afrikanern, Indern, Persern und Arabern. Die vorherrschende Religion ist mit 97% der Islam. Hindus, Christen oder Anhänger einer Naturreligion bilden die drei prozentige Minderheit. Die Nationalsprache ist Kisuaheli (sâhil = arab.: Küste), eine Mischung aus dem Arabischen und der Sprache der Einheimischen, die sich im 8. Jahrhundert etablierte. Damals waren es arabische Händler, die die Insel bereisten und ihre Küsten bar des zandj (arab.: „Küste des Schwarzen Mannes") nannten.

Durch den Sklavenhandel im 17. bis 19. Jahrhundert unter der Herrschaft von Sultan von Oman, durch Handel mit Elfenbein und durch die Kultivierung von Gewürznelken (ab 1818) war Sansibar eine der wichtigsten und berüchtigsten Handelsmetropolen im Indischen Ozean.

Heute lebt die Insel Unguja neben dem Handel mit Gewürzen (Gewürznelken, Muskatnuss, Zimt und Pfeffer) vor allem vom wachsenden Tourismus.

In einem der Hostels, in dem wir gegen Ende unserer Reise wohnten, arbeitete eine junge Tanzanierin, die C. bei unserer Abreise darum bat, einen Brief für ihren Bruder Zaid, welcher seit einigen Jahren in Deutschland lebt und arbeitet, mitzunehmen und in Deutschland an ihn zu senden, da sie das hohe Porto von Sanzibar aus nicht zahlen konnte.

Und so nahm alles seinen Lauf...

Heute sind C. und Zaid verheiratet und leben seit zwei Jahren auf Sansibar. Ihre gemeinsame Tochter Kianga („Sonnenschein") ist mit ihren sechs Jahren ein ziemlich quirliges Energiebündel und besucht gerade die erste Schulklasse.

Und weil sie ihre Geschichte und ihr Leben besser mit eigenen Worten erzählen können, habe ich, dank moderner Kommunikationsmittel, mit C. und Zaid ein Interview geführt:

Das Interview könnt ihr hier lesen:

Interview:

Liebe Claudia, weshalb hat es dich gerade nach Tansania verschlagen: War es ein Lebenstraum von dir oder eher bedingt durch die Ehe mit einem Tanzanier?

Bedingt durch mein Studium (Afrikanistik, Deutsch als Fremdsprache) war ich schon einige Male in Tanzania gewesen und habe auch die Landessprache Kiswahili gelernt. Wie das Leben so spielt, habe ich, jedoch in Deutschland, einen Tanzanier kennengelernt, der mittlerweile seit einigen Jahren mein Ehemann ist.

Eigentlich wollte ich nie einen Afrikaner als Mann haben, da ich auf meinen Reisen und auch in Deutschland nicht so gute Erfahrungen mit ihnen hatte, viele suchen einfach nur einen deutschen Partner, irgendjemanden, damit sie einen Aufenthaltsstatus bekommen. Die Kulturunterschiede und die damit verbundenen Probleme sind natürlich auch nicht unerheblich.

In Tanzania zu leben, war einmal mein Lebenstraum, als ich etwas jünger war. Mir hat das unbeschwerte Leben, die Fröhlichkeit und Offenheit der Menschen gefallen. Aber auch, dass es ein einfaches Leben ist, ohne viel Konsum und Werbung für Dinge, die man angeblich braucht. Keine Ellenbogengesellschaft, in der man nur überlebt, wenn man immer besser ist als der andere. Natürlich ist das Wetter auch ein Grund gewesen, muss ich zugeben. Sonnenschein macht die Menschen viel fröhlicher.

Mein Mann war eher nicht der Grund, nach Tanzania zu gehen; er war sogar eher abgeneigt, weil er wusste, was da auf uns zukommt. Ein weiterer Grund war unsere Tochter Kianga. Bevor sie zur Schule muss, wollten wir die Zeit nutzen, um im Ausland, speziell im Geburts- und Heimatland ihres Vaters zu wohnen, damit sie auch etwas von seiner Seite und Herkunft lernt, die Sprache, Kultur, Familie…

Was ich besonders schätze hier in Sansibar oder Tansania, ist folgendes:

  • Die Offenheit der Menschen und Fröhlichkeit der Menschen hier, mit der sie ihr Leben meistern und das unter zum Teil sehr miserablen Umständen.

  • Die unglaubliche Kinderfreundlichkeit auf Sansibar, sogar zur Arbeit kann man sie mitnehmen, wenn es nötig ist und keinem ist es zu viel.

  • Manchmal mag ich auch die Leichtigkeit des Lebens hier (in Deutschland ist alles strukturiert, geplant und jeder schließt 1000 Versicherungen ab, um sich gegen die Fälle xyz zu sichern).

  • Auch mag ich hier, dass man die einfachsten Dinge wieder schätzen lernt, so z.B. fließend Wasser und Strom, eine saubere Umwelt ohne Müll und Plastiktüten, eine Waschmaschine, gut schneidende Messer, aber auch Käse oder Schokolade. Die Menschen in Deutschland wissen gar nicht, wie gut es ihnen geht. Ich finde es auch wichtig, dass unsere Tochter das alles kennenlernt, dass es arme und reiche Menschen gibt und es keineswegs natürlich ist, Kleidung und Spielsachen zu haben.

  • Auch das Wetter, die Sonne und der Ozean hier beleben das Gemüt.

Wie und wo lebt ihr auf Sansibar?

Wir wohnen momentan in einem sehr schönen gemieteten Haus am Stadtrand, zusammen mit dänischen Freunden, die uns das ermöglicht haben. Aber eigentlich tingeln wir die ganzen 1,5 Jahre von einer Unterkunft zur anderen, da es bei unserem Gehalt und meiner Hautfarbe, schwierig ist, ein schönes und preiswertes Haus zu finden. Das heißt, eigentlich sind wir nicht so richtig fest gesattelt, "...wir leben auf der Bausstelle..." sagt mein Mann und meint damit, dass wir nach ein paar Monaten immer wieder unsere Kisten packen und weiterziehen. Wir leben momentan sehr europäisch, haben eine Waschmaschine und KEINE Hausangestellte, haben einen Kühlschrank, einen Fernseher und einen DVD-Player. Momentan wird uns das Leben durch permanenten Stromausfall erschwert. Seit drei Wochen haben wir nun schon keinen Strom, die ganze Insel nicht; wir sind froh, dass uns unsere Freunde ihren Generator anschmeißen, um das Wasser aus dem Brunnen zum Haus zu pumpen. Ohne ihre Hilfe müssten wir das Wasser mit den Eimern schöpfen. Aber das ist ein Ausnahmezustand, der jedoch bis zu einem halben Jahr andauern kann. Im nächsten Monat packen wir unsere Kisten und ziehen für vier Wochen in die alten DDR Bauten, nahe der Innenstadt. Von außen sehen sie nicht schön aus, aber innen sind sie wirklich ok. Richtig glücklich bin ich nicht über das ständige Kisten-Gepacke, aber es hat auch etwas für sich: Man sortiert den unnötigen Kram immer wieder aus.

Wie verdient ihr euren Lebensunterhalt und reicht dieser für eine dreiköpfige Familie?

Ich arbeite an der staatlichen Universität als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache. Da ich und auch mein Mann ein lokales Gehalt bekommen, müssen wir einige Nebenjobs erledigen. Ich unterrichte noch Kiswahili und jobbe im Hotel. Den Job als Lehrerin habe ich über ein Praktikum bekommen, das ich vor vier Jahren hier für mein Studium absolviert habe. Wie gesagt, das Geld reicht nicht wirklich aus. Mit meiner Hautfarbe ist es schwer, ein Haus oder eine Wohnung unter 300 US Doller zu finden - das entspricht meinem Gehalt. Weiterhin müssen wir einiges an Schulgeld zahlen und haben auch noch ein Auto. Dann ist da noch die Familie, Bekannte usw., denen man auch immer mal was geben muss, da sie zum Teil unter fürchterlichen Umständen leben.

Mein Mann ist auch Lehrer von Beruf und hat viele Jahre in der Betreung in Deutschland gearbeitet. Hier in Sansibar arbeitet er für die Dhow Contries Music Academy als Musiklehrer für Kinder und unterrichtet Trommel, Tanz und Gesang.

Kürzlich hat er in Zusammenarbeit mit dem Theater Zeppelin aus Hamburg das Kindertheaterstück Sisimizi insziniert, welches in deutsch, englisch und kiswahili aufgeführt wird. Ende September 2008 wird es in deutscher Sprache in Hamburg im Theater Zeppelin aufgeführt. Sisimizi ist an eine traditionelle Geschichte aus seiner Kindheit geknüpft und handelt von einer Ameise, die ihren Ameisenstamm verliert und alleine durch die Welt zieht, um Essen zu finden…

Er arbeitet privat auch noch als Lehrer für Kiswahili und nimmt selber Unterricht in afrikanischem Trommeln, Gesang und Tanz, um sich weiterzubilden.

Nun ja, am Ende des Monats bleibt uns nicht viel übrig und ich kann froh darüber sein, dass mein Vater uns manchmal unter die Arme greift.

Gibt es denn Unterschiede zwischen dem Gehalt von Einheimischen und dem von Zugewanderten bzw. Europäern?

Im Allgemeinen gibt es schon Unterschiede zwischen Einheimischen und Europäern. Europäer sind meistens über eine ausländische Firma hier oder arbeiten in der Tourismus-Branche, wo das Gehalt schon sehr gut ist. Die Einheimischen arbeiten je nach Branche für ein sehr geringes Gehalt; eine Hausangestellte z.B. für etwa 20 Dollar im Monat, wobei ich mich frage, wie die Leute hier überhaupt überleben können.

Zanzibar ist im Allgemeinen sehr teuer, da es eine Insel ist und vieles mit dem Schiff vom Festland oder von Übersee aus gebracht werden muss: Nahrungsmittel, Benzin, Autos, eigentlich so gut wie alles. Hier gibt es keine Industrie; die Insel lebt nur vom Tourismus.

Was kostet in Tanzania bzw. auf Sansibar Bildung?

Das kommt darauf an, welche Schule man besucht. Normalerweise sollte die staatliche Schule frei sein, doch muss man trotzdem einen kleinen Betrag zahlen. Hinzu kommen Materialen und Schuluniform, die die Eltern selber bezahlen. Private Schulen gibt es an der Zahl, wobei die meisten jedoch nicht gut sind, wenn man sie mit europäischen Standarts vergleicht. Im Allgemeinen ist die Bildungsituation in Zanzibar ziemlich schlecht: neben Lehrermangel, einer schlechten Ausbildung der Lehrer und den Unterrichtsmethoden in allen Arten von Schulen, ist Frontalunterricht angesagt und der Rohrstock noch Gang und Gebe (vor allem im ländlichen Bereich, was sich aber langsam ändert).

Wir hatten Glück mit der Schule unserer Tochter, wo es eine Lehrerin aus England gibt, die neue Unterrichtsmethoden durchzusetzen versucht. Dennoch sind die Schulen hier nicht mit deutschen Schulen und Kindergärten zu vergleichen.

Bildung ist eigentlich ein Grundbedürfnis, aber hier kostet alles Geld, ab dem Kindergarten bis zur Uni. Das heißt, wer arm geboren ist, hat keine Chance auf gute Bildung.

Die kleine Insel Sansibar erfreut sich ja als exotisches Urlaubsziel zunehmender Beliebtheit. Wie empfindest du den boomenden Tourismus auf Sansibar? Welche Nachteile bringt er mit sich und gibt es Zeiten, in denen du dir einen weniger stark frequentierten Ort zum Leben wünschst?

Tourismus hat immer Vor- und Nachteile. Die Vorteile hier sind, dass er Investoren und Devisen nach Sansibar bringt, wovon die Insel abhängig ist, weil die meisten Arbeitsplätze im Tourismussektor sind.

Die Nachteile sind, dass der wenige „sanfte" Tourismus auf Sansibar, der Umwelt und Insel sehr schadet.

Auch verändert er die Marktpreise zum Negativen, sodass z.B. Fisch und Fleisch sehr teuer hier sind, weil das meiste an die Hotels verkauft wird. Auch beeinflusst der Tourismus die Gemüter der Menschen hier und ihrer bestehenden (vor allem islamischen) Kultur: Ein einfaches Beispiel sind die oft nicht angemessen gekleideten Touristen, welche der bestehenden Religion zu wenig Respekt zollen und halbnackt durch die Straßen laufen.

Persönlich stört mich der Touristenwirbel weniger, da wir am Stadtrand leben und wenig damit zu tun haben. Besucher kommen ohnehin meist nur zur Altstadt und gehen dann an den Strand. Wer möchte sich im Urlaub schon mit den negativen Seiten des Lebens auseinandersetzen?

Ungerecht finde ich, dass nur ein geringer Teil vom Tourismus auf Sansibar profitiert (z.B. Touroperator, Animateure oder die Hotels selbst, welche meistens Ausländer oder Araber sind), der Großteil der einheimischen Bevölkerung jedoch zu unmöglichen Konditionen angestellt ist (geringer Lohn, kein Urlaub, keine soziale Absicherung). Die Hoteliers verdienen auf diese unwürdige Weise sehr viel auf Kosten der Bevölkerung, was sehr ungerecht ist. Aber vielleicht ist am Ende ein geringer Lohn immer noch besser als gar kein Lohn...

Die Sansibari zeichnen sich durch einen hohen Anteil von Indern, Arabern und Afrikanern aus. Wie weit ist es möglich, sich als Europäerin zu integrieren und nimmt dich die Bevölkerung als Einheimische wahr bzw. auf ?

Das hängt davon ab, was man unter Integration versteht... Sicher gibt es verschiedene Grade. Ich bin zu einem gewissen Grad integriert, weil ich fließend Kiswahili spreche, an einer lokalen Institiution arbeite und einen einheimischen Mann habe. Die Familie akzeptiert mich, obwohl ich in mancher Augen immer die Reiche von Übersee bin (was nun wirklich nicht so ist, aber das Bild über die Weißen wird hier verfälscht und dazu tragen die Medien besonders bei. Jeder, der selbst in Europa lebt oder gelebt hat, weiß, dass das Geld nicht auf den Bäumen wächst).

Aber Integration ist hier nur zu einem bestimmten Grad möglich, meine Haut ist eben weiß und ich bin MZUNGU, vor allem in Gegenden wo man mich nicht kennt. Kinder efreuen sich daran, mich MZUNGU zu nennen und so wird mir jeden erneut Tag bewusst, dass ich eben nicht dazugehöre.

Als Weiße (Betonung auf weiblich) in meinem Alter ist man hier immer der Mittelpunkt, sicher darum, weil man (oder MANN) sich ein Sprungbrett in den Westen erhofft. Es ist egal, ob ich sage, ich bin verheiratet oder ob mein Mann direkt neben mir steht, Anmachen kommen trotzdem... Diese Haltung verstehe ich sogar; man (oder MANN) versucht auf jeden Fall hier wegzukommen, da man auf ein besseres Leben im Westen hofft...

Ist es leicht für dich, in einem anderen Land neue Freunde zu finden?

Meine wirklichen Freunde sind in Deutschland verstreut. Hier auf Sansibar habe ich keine richtigen Freunde, nur Bekanntschatschaften, die kommen und gehen und meistens nicht von Dauer sind... Es gibt Bekanntschaften zu „Weißen" (alle Nationen), wobei viele von ihnen eher „aus der Not heraus" entstehen, weil man die gleiche Sprache spricht und sich immer mal wieder auf einen „smalltalk" treffen kann. Richtige Freundschaften haben sich dabei bisher noch nicht entwickelt... Zu Einheimischen bestehen Bekannschaften, meistens Familienmitglieder, aber hierbei ist FREUNDSCHAFT, wie ich sie diefiniere, noch schwieriger, auf Grund der verschiedenen Kultur. In der Not kann man auf sie zählen und sie auf uns, aber innere Gefühle und Gedanken verstehen sie meist nicht, da der kulturelle Hintergrund sehr verschieden ist...

Welche Sprache sprecht ihr innerhalb deiner Familie und in welchen Sprachen erzieht ihr euer Kind?

Wir erziehen unsere Tochter bilingual. Ich spreche deutsch, ihr Vater Kiswahili und momentan lernt sie schon Englisch in der Vorschule. Ich finde, es ist wichtig, dass sie die Sprachen beider Eltern erlernt, da mit Sprache gleichzeitig Kultur verbunden ist. Da wir aus verschiedenen Ländern kommen, soll unsere Tochter auch gleichwertig beide Seiten kennenlernen. Und in der Zeit der Globalisierung ist Mehrsprachigkeit ja immer von Vorteil und Kinder lernen so schnell.

Claudia, dein Mann ist gläubiger Moslem und trotzdem bist du bei eurer Ehe nicht konvertiert. Das ist sehr ungewöhnlich. Welche Rolle spielt denn Religion für Euch?

Ich bin nicht konvertiert, obwohl das die Religion meines Mannes so vorschreibt. Aber mein Mann ist sehr liberal und er akzeptiert mich so wie ich bin. Konvertieren sollte man nur aus eigener Überzeugung und nicht weil es jemand vorschreibt.

Ich glaube schon an etwas, aber mein Glaube ist einer bestimmten Religion nicht zuzuordnen, da er Elemente aller Weltreligionen erhält. Es gibt mir Halt in vielen Situationen, besonders hier in Sansibar, wo ich mich öfter frage, wo die Gerechtigkeit bleibt. Religion hat immer zwei Seiten (wie so vieles im Leben) und wenn sie für politische Zwecke instrumentalisiert wird, dann wird es gefährlich.

Unsere Tochter erziehen wir momentan gar nicht religiös, obwohl die Frage ist, wo Religion anfängt und wo sie aufhört. Ich finde, dass Religion das Leben selbst ist: WIE man lebt und seine Handlungen und Gedanken aussehen, das ist das Ausschlaggebende. Darum haben wir uns zur Regel gemacht, so gut wie möglich zu handeln und zu denken und diese Werte und Moralvorstellungen an unsere Tochter weiterzugeben. Natürlich wird sie später auch Religionen kennenlernen; so wird sie ihren Vater im Ramadan fasten sehen und sicherlich den Koran und die Bibel lesen, aber wir werden sie zu nichts zwingen. Sie soll sich später selber entscheiden dürfen.

Gibt es in euch den Gedanken, irgendwann wieder in Deutschland zu leben?

Ja, ich denke, dass wir im nächsten Jahr wieder nach Europa zurück gehen werden.

Das Leben hier in Zanzibar ist nicht so einfach, wie ich es mir gedacht hatte.

So finde ich es oft besonders anstrengend, das die essentiellen Dinge des Lebens, wie sauberes Wasser, Srom und auch die Meinungs- und Bewegungsfreiheit und Bildung nicht gegeben sind. Auch, dass es manchmal zu gesetzlos hergeht: Man kann sich nicht auf Polizei oder Feuerwehr verlassen. Hat man einen Gerichtprozess, gewinnt derjenige, der dem Richter das meiste Geld zusteckt. Darum klagt man sein Recht besser gar nicht erst ein. Auch die Preise, besonders für Benzin und Unterkunft, steigen jedes Jahr um das Doppelte, wobei die Löhne auf dem gleichen Niveau bleiben. Es ist nicht einfach, für mich als Ausländerin mit einem einheimischen Lohn zu leben, da man auf gewisse Dinge eben doch nicht verzichten will und kann. Mit ausreichend Geld hingegen lässt es sich sehr gut leben auf Sansibar.

Der Straßenverkehr ist ebenso eine Katastrophe, jeden Tag hoffe ich, keinen Unfall zu haben.

Aber vor allem die Bildungschancen für unsere Tochter sind hier nicht aussreichend, was der Hauptgrund ist für unser Zurückgehen nach Deutschland.

Sicher werde ich mich in Deutschland schon nach nur kurzer Zeit wieder nach Tansania sehnen. Es war schon immer so eine HASS-LIEBE bei mir zwischen dem Leben in Deutschland und in Tansania. Bin ich dort, will ich hier hin, bin ich hier will ich dort hin. Was in Deutschland zu viel ist, ist hier zu wenig oder andersrum.



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