Dylan M. Burns
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Er hat lange schwarze Haare und seine Hände sind voll von Tattoos. Wer könnte er sein. Ein Havy Metal Fan – bestimmt. Ein lockerer Partyfreak mit Joint in der Hosentasche – vielleicht. Ein Doktorand der Religionswissenschaften - neee. Das sind nur die Stereotypen, die wir immer in unseren Köpfen haben. Aber Stereotypen entsprechen sehr oft nicht der Wahrheit. Die können natürlich sehr hilfreich sein, wenn wir jemandem noch nicht kennen und einfach ein bisschen sprechen wollen. Wenn wir jemanden sehen, der ein T-Shirt von einer Rockgruppe trägt, können wir über Musik sprechen. Somit ist es einfacher mit unbekannten Leuten zu kommunizieren. Aber wenn wir wirklich einen Menschen kennenlernen wollen, dann dürfen wir nicht nur beobachten wie der Mensch aussieht, sondern müssen mit ihm in einen Dialog treten.
Meistens beginnen wir unsere Gespräche mit einer einfachen Frage über Herkunft, Alter oder Studium. Das war auch so, als ich mich das erste Mal mit Dylan getroffen habe. Es war ein sonniger Montag und wir tranken Berliner Kindl in der Simon-Dach-Straße.
Bist du zum ersten Mal in Berlin?
Nee, ich war schon vor ein paar Jahren hier. Aber ich war als Tourist in Berlin und habe die Stadt als Tourist gesehen. Berlin war für mich das Brandenburger Tor, der Alexander Platz, der Hackesche Markt, die Museumsinsel und die Berliner Mauer. Zur Zeit mache ich hier einen Sprachkurs und wohne mit anderen Studenten in der Nähe des Hermannplatzes, in Neukölln. Ich fahre jeden Tag wie ein richtiger Berliner mit meinem Fahrrad zur Arbeit. Ich fahre durch Neukölln und Friedrichshain und sehe viele verschiedene Leute, die hier wohnen, Arme und Reiche, Menschen aus der Türkei, Brasilien oder Polen. Jetzt entdecke ich Berlin, wo multikulturelle Leute wohnen, arbeiten, studieren und mit einander sprechen. Das Berlin, das ich vor ein paar Jahren gesehen habe, hat gar nichts mit dem Berlin zu tun, welches ich jetzt entdecke. Berlin hat so viele Seiten und das ist der Charme.
Die Leute, die nach Berlin reisen, kommen aus der Türkei, aus Osteuropa, aus vielen anderen Staaten und woher kommst du?
Ich komme aus Connecticut.
Ach so, ein Amerikaner in Berlin. Und was machst du in Amerika?
Ich habe Religionswissenschaften studiert. Religion ist für mich Kultur. Wir können Religion nur durch Kultur verstehen. Ich mache jetzt meinen PhD an der Yale Universität.
Warum hast du dich entschieden, Religionswissenschaften zu studieren?
Meine Eltern sind Blumenkinder. Die beiden sind Buddhisten und haben sehr großen Einfluss auf mein Leben gehabt. Als ich klein war, haben sie mir gesagt, dass Fernsehen böse sind. Deswegen dürfte ich nicht fernsehen. Aber alle meine Freunde aus der Schule konnten das und haben dann in der Schule erzählt was sie Lustiges gesehen haben. Ich wollte das natürlich auch sehen. Deswegen bin ich immer um vier Uhr am Morgen aufgestanden und habe heimlich Fern geschaut. Aber was konnte um vier Uhr am Morgen im Fernsehen laufen? Es waren nur zwei Sendungen: Eine über Religion und die andere über Musik. Ich habe das immer wieder gesehen. Und was mache ich jetzt? Ich studiere Reigionswissenschaften und ich liebe Musik.
Und was ist mit deinem Tattoos? Sind sie mit Religion, mit Musik oder mit noch etwas anderem verbunden?
Hauptsächlich mit Religion und Musik. Hier (am Unterarm) habe ich z.B. einen Satz einer alten Sprache.
Warum wolltest du die deutsche Sprache hier in Berlin lernen?
Ich reise sehr viel und sehr gerne. Durch mein Studium musste ich nach Syrien, in der Türkei, nach Ägypten fahren und dort als Archäologe arbeiten. Das hat mir sehr gefallen.
Wenn du so viel verreist, was verändert sich am meisten an dir? Wenn du zurück nach Amerika kommst, bist du dann noch der selbe Amerikaner wie vor zwei Monaten?
Natürlich hat sich sehr viel verändert. Das ist immer so, wenn ich zurück nach Hause komme. Dann muss ich immer neue Schuhe kaufen, weil meine alten sehr abgetreten sind (lacht).
Du bist schon in so vielen Ländern gewesen, wohin willst du jetzt fahren?
Es ist mein großer Traum, nach Japan zu fahren. Ich habe Japanisch in der Schule gelernt und würde dort sehr gerne für ein paar Monate hin fahren.
Berlin ist sehr bekannt für seine multikulturelle Gesellschaft. Viele Leute, die nach Berlin kommen, sind überrascht, dass so viele Ausländer hier wohnen.
War das auch für dich eine Überraschung?
In Amerika wohnen so viele unterschiedliche Leute, dass ich mich sehr gut in multikulturellen Städten fühle. Aber ich muss sagen, dass ich sehr überrascht war, als ich nach Berlin kam. Die Leute in Amerika, egal ob sie aus Russland, Venezuela oder Schweden kommen, sind alle Amerikaner und werden als Amerikaner bezeichnet. Hier gibt es sehr große Unterschiede zwischen Deutschen und Ausländern. Das ist sehr leicht zu merken und das finde ich nicht gut. Die Ausländer sind getrennt von den Deutschen und haben nicht die gleiche Stellung in der Gesellschaft. Sogar die Namen für die verschiedenen Ämter sind anders für Deutsche und für Ausländer. In Amerika wäre das unmöglich, weil das einfach diskriminierend ist.
Und meine letzte Frage ist: Bist du für Obama oder für McCain?
Obama!