Frage: „Kenedi gets married" ist der dritte Teil der „Kenedi"-Trilogie. Die ersten beiden Teile waren Dokumentarfilme. Haben Sie die Idee, mit „Kenedi gets married" einen Spielfilm folgen zu lassen, gemeinsam mit dem Regisseur Želimir Žilnik entwickelt?
Kenedi Hasani: Als ich aus Deutschland abgeschoben wurde, war ich 17 Jahre in Deutschland. In Serbien habe ich dann einen Kollegen getroffen, der mich gefragt hat, ob ich Lust habe, einen Film zu machen. Er hat mich mit der Produktion bekannt gemacht und ich habe denen von meiner Situation und meinen Problemen erzählt. Dann hat er gesagt, in Ordnung, wir probieren einen Film, entweder klappt das mit der Kamera oder es klappt nicht. Es hat geklappt und ich habe einen Dokumentarfilm gemacht über die Rückreise nach Belgrad. Danach habe ich an „Hamlet" mitgearbeitet. Und jetzt „Kenedi gets married". Sicher denke ich daran, meine Filmkarriere weiterzumachen.
F.: Wie denken Sie heute
über diese ganze Geschichte mit der Abschiebung?
K.H.: Die
Emigranten aus Deutschand werden hierher abgeschoben, aber hier haben
die Leute keine Zukunft und kein Haus. Vor allem diejenigen mit
sechs oder sieben Kindern haben hier Probleme, die leben praktisch
auf der Straße. Die Kinder wurden in Deutschland geboren, aber die
Deutschen geben keine unbefristete Aufenthaltserlaubnis. Dann hat man
dort vier Jahre verbracht und als der Vertrag zwischen Deutschland
und Serbien-Montenegro ausgehandelt war, begannen die Abschiebungen.
Aber die Ausländer haben hier kein gutes Leben. Wir sind an das
Leben in Deutschland gewöhnt nicht an das harte Leben hier.
F.: Würden Sie sich eher
als Deutschen oder als Serben bezeichnen?
K.H.: Als Roma. Ich
bin in Italien geboren, als kleines Kind bin ich mit acht Jahren nach
Deutschland gekommen, ich habe auch zwei Jahre in Wien gelebt. Ich
bin es gewohnt, in Deutschland zu leben. Das Leben hier kann man kaum
in den Griff kriegen. Für mich liegt die Zukunft in Deutschland.
F.: Sie haben auch bei
„Hamlet", einer Shakespeare-Adaption von Aleksandar Rajković
in einer Roma-Siedlung, der in Novi Sad ebenfalls einige Preise
bekam, mitgemacht?
K.H.: Die Schauspieler sind arm. Die
arbeiten nicht für den vollen Preis, sondern etwa für die Hälfte
des üblichen Honorars. Wir haben bei „Hamlet" gespielt,
insgesamt 200-300 Leute. Der Produzent hat Žilnik angerufen und der
hat gesagt, ja, der kann eine Rolle in „Hamlet" spielen.
„Hamlet" selbst ist ein guter Film. Ich habe mein Bestes
gegeben, auch in „Kenedi gets married". Ich wünsche mir, dass
man den Film in ganz Europa sieht.
K.H.: Woher kommst du?
F.:
Aus Berlin.
K.H.: Berlin ist sehr gut, da gibt es viele
Türken.
Želimir Žilnik: Erzähl ihm bitte, was du getrunken und
gegessen hast, als du in Deutschland für Geld gefickt hast.
K.H.:
Ich habe einen Liter Red Bull und Wodka getrunken und Müsliriegel
gegessen. Dann habe ich Power genug für die ganze Nacht. Ich habe in
Nürnberg und in Frankfurt einen Vertrag mit einer Erotikproduktion
gemacht, da habe ich einen 45-Minuten-Film gedreht. In Duisburg haben
mir die Zahnärzte, die ich gleichzeitig gefickt habe, 40 bis 50 Euro
bezahlt. Ich bin dort in einen Schwulenclub rein, auch in Österreich,
die zahlen sehr gut, 300 Euro. Was verdient ein Ausländer sonst -
100 Euro im Monat! Das ist mein Job, ich gehe mit Frauen, Männern,
kein Problem. Ich mache alle beide platt.
Die Fragen stellte Bernd Buder